Übersichtskarte

Abschied Nehmen

Dienstag, 11.04.2017

Meine letzten Tage verbrachte ich in Auckland, von wo aus ich weiter nach Bali flog. Mein letzter Eindruck von Neuseeland war also das Gegenteil von dem, was ich davor vom Land gesehen hatte: ein Großstadtjungle. Als ich so in der Stadt rumirrte fiel mir auf, dass mir der Tumult, die vielen Leute, die hellen Lichter, die lauten Straßen, die schönen Läden und urigen Bars gefehlt hatten. Das einzig weniger erfreuliche an den drei Nächten in Auckland war meine Unterkunft, das surf&snow Backpackers. Küche und Zimmer total schmuddelig und dreckig und die Leute hatten auch größtenteils einen Schlag weg. Deshalb hielt ich mich so wenig wie möglich dort und so viel wie möglich in den Parks, am Hafen und den Geschäften Aucklands auf. Da ich bisher wenig Gutes über die Großstadt gehört hatte, war ich umso überraschter wie schön, gepflegt und sauber alles war. Hier ein paar Bilder:

 
An meinem ersten Abend ging ich mit einem Mädchen aus dem Hostel zum Mount Eden, einem inaktiven Vulkan relativ zentral in der Stadt, von wo aus man einen super Überblick hat und tolle Fotos schießen kann:

 

An meinem zweiten Tag in Auckland traf ich mich mit Susi, welche einen Tag nach meiner Abreise nach Deutschland flog um ein Bewerbungsgespräch zu führen und drei Tage später wieder zurück nach Neuseeland kam um ihre Reise fortzusetzen. Das nenne ich mal Einsatz! So verbrachten wir zwei gemeinsame Tage hauptsächlich mit Essen: Eis, Burger, Couscous, Crêpes... und Quatschen:

 

Am ersten Abend stahl ich mich in Susis Hostel -viel schöner als meins- und wir setzten uns in den Whirlpool, welcher sich auf der Dachterrasse des Hostels befand und genossen die sternenklare Nacht zwischen leuchtenden Hochhäusern. Richtig luxuriös!
An meinem letzten Abend fuhren wir mit dem Bus zu einem Park, wo ein kostenloses Open-air Kino aufgebaut war. Unter freiem Himmel und mit Nutella Crêpes in der Hand sahen wir uns mit lauter maori-Familien den neuen Ice Age an, welcher von der Stadt Auckland organisiert war und sich bei einem marae befand, einem maori-Kulturzentrum und Treffpunkt. Zum krönenden Abschluss gab es noch in der Nachbarschaft ein Feuerwerk, ein angemessenes Abschiedsritual für mich wie ich fand ;-).
Gegen Mitternacht stieg ich in den Bus Richtung Flughafen, das Herz schon etwas schwer. Mit Susi ist schon ein Wiedersehen in München geplant, eine tröstende Tatsache.
Mit all meinen sieben Sachen bepackt kam ich am Flughafen an, richtete mir am Boden ein spartanisches Schlaflager ein und döste bis fünf Uhr morgens bis zum Check in. Nach einem Telefonat mit meiner Familie und einem Skype mit der Theri stieg ich in den Flieger. Diesmal flog ich mit Virgin Australia - weniger cool als Emirates - und schlief deshalb die meiste Zeit. Es gab einen Zwischenstopp in Brisbane, alles verlief problemlos und unkompliziert. Am nordwestlichen Zipfel Australiens schoss ich noch ein Foto aus dem Flugzeugfenster:


So... das war es jetzt mit meinem Blog. Wie ich in meinen Statistiken erkennen kann, wart ihr fleißig beim Lesen dabei - das freut mich sehr! Ich hoffe sehr ihr hattet Spaß mich bei meiner Zeit in Neuseeland zu begleiten. Meine Reise ist zwar noch nicht ganz vorbei, ich liege gerade in einem gemütlichen Bett auf Bali, jedoch gönne ich mir jetzt meinen Urlaub ohne Blogschreiben und anderen Verpflichtungen ;-)
Lustige Geschichten und tolle Bilder gibt es bisher auch schon viele, die ich gerne mit besonders Interessierten teilen werde.

Ganz liebe Grüße und bis bald
Alice

Tieresitten bei den Beagleys

Donnerstag, 30.03.2017

Die Autofahrt von den stowers zu meiner neuen woofingfamilie nördlich von Auckland war ziemlich unentspannt. Neben den üblichen Macken meines Autos kam ein neues Problem dazu: Beim Gas geben wurde das Auto ungewöhnlich laut und die Drehzahl erreichte abenteuerliche Höhen, bis es dann einen Knall mit ordentlichem Ruck gab und sich wieder alles normalisierte. Das alles passierte fast jedes Mal, wenn ich beschleunigte. Da ich in den üblichen Stop and Go Stadt-Verkehr geriet, also zahllose Male. Heilfroh endlich angekommen zu sein in puhoi, einem alternativen kleinen Dörfchen 45 Minuten vom Zentrum Aucklands entfernt, beschloss ich dieses Auto so schnell wie möglich los zu werden. Als ich in die Einfahrt ruckelte begrüßte mich Pippa, meine neue Gastmutter, und Susi, eine deutsche Mitwooferin. Beide waren mir auf den ersten Blick sympathisch mit ihrem alternativen Style und bunten Klamotten mit Fußbändchen, tattoos und Nasenpiercing. Sie hießen mich mit Umarmungen willkommen und führten mich in das wunderschöne 12-eckige Haus mit offenerer großer Küche, Bar, Holztafel und Galerie:


Alles hübsch und luftig dekoriert mit Buddha und co, Räucherstäbchen Duft in der Nase. Herrlich! Der Hund Odin verteidigte vorbildlich sein Revier vor mir Eindringling, rannte mit vollem Karacho auf mich zu und bellte mich laut an. Gott sei dank bringen mich Hunde nicht so leicht aus der Fassung, sonst hätte einem da schon Angst werden können. Pippa bezeichnete ihn als "Psycho", was wie ich später herausfand nicht ganz unberechtigt ist aber trotzdem liebevoll gemeint ist ;-).
Pippa lebt in diesem Haus mit ihren drei Kindern, die jedoch bei meiner Ankunft bei ihrem Vater waren. Die Eltern leben also getrennt und ich bekam den Papa, laut Erzählungen ein Bilderbuch-Surfer mit tiefenentspannter Lebensweise auch die ganze Zeit nicht zu Gesicht. Susi und ich schliefen in einem geräumigen und schönen Ausbau der Garage mit hübschem Balkon, Mini-Küche die wir eigentlich nie benutzen und selbstgebautem Plumpsklo. Man muss dazu sagen, dass im Haus und im Garten eigentlich alles selbstgebastelt oder -gebaut ist und dass sich die Familie bestmöglichst selbst versorgt mit Milch von ihren drei Ziegen, Fleisch von ihren Schafen und Gemüse und Obst aus ihrem Garten. Phillippa ist eine sehr energiegeladene Frau, welche die zwei jüngsten Kinder selbst unterrichtet, ihren Kindern sämtliche Hobbies ermöglicht (Fahrservice inklusive) und gleichzeitig noch bei der Stadt Auckland angestellt ist, wo sie Menschen umweltbewusstes Verhalten und Kompostieren beibringt. Hut ab! Wie ich später herausfand hat sie noch einen erwachsenen Sohn, welcher momentan in Deutschland lebt.
Nachdem ich ankam unterhielten wir uns ein Weilchen zu dritt und mir viel die Harmonie zwischen Pippa und Susi auf, was mich sehr freute. Danach zeigten sie mir noch die Tiere und die vielen Gärten und wieder mal war ich erstaunt, dass in Neuseeland einfach alles so toll wächst. Gemüse und Obst wächst wie Unkraut. Am Abend waren Freunde eingeladen und deshalb bestand meine erste Aufgabe darin, leckere Vorspeisen, Brote und Aufstriche dekorativ auf Tellerchen und Schüsselchen anzurichten. Als die beiden Gäste ankamen machten wir einen Spieleabend mit den oben genannten Vorspeisen und leckeren applecider-Getränken. Wir spielten Scharade bis mir die Augen zufielen, immer noch erschöpft von der langen und anstrengenden Autofahrt.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um halb acht. Richtig wach wurde ich aber erst, als es draußen schepperte weil Susi auf dem nassen Holzgeländer ausrutschte, auf ihrem Allerwertesten landete und ihre Badsachen in einem hohen Bogen im mit Regenwasser gefüllten Zwischenraum zwischen Garage und Geländer landeten. Ihr ging es soweit gut, sie musste dann aber gefährlich runterklettern und ihre Sachen aus dem kniehohen Wasser fischen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war jede Barriere überwunden und wir lachten uns beide kaputt. Es dauerte nicht lange und wir quatschten und gackerten so viel, dass man meinen könnte wir kannten uns schon lange. Pippa meinte sie hätte noch nie so unkomplizierte und fröhliche woofer gehabt wie uns zwei und machte sich über unseren ununterbrochenen und unaufhaltsamen Redefluss lustig. Als Frühstück gab es frische Ziegenmilch, selbstgemachten Ziegenjogurt und selbstgebackenes Müsli. Energiegeladen starteten wir in den Tag und begannen die Ziegen zu melken. Pippa besitzt drei Ziegen: Lollie (braun weiß), Ma und ??? (beide weiß). Die zwei Weißen geben Milch, Lollie nicht. Um die Ziegen während des Melkens zu beschäftigen bekommen sie eine Mixtur aus Sachen wie Äpfeln, Leinsamen, Getreide, Sägespäne, Pferdeleckerlis, Hefe und Apfelessig. Hier ein paar Bilder von den Ziegen und vom melken:

 

 Witzigerweise geben die zwei Ziegen trotz selber Nahrung etc unterschiedlich viel Milch, Verhältnis 2 zu 1 ungefähr. Insgesamt kamen wir ungefähr auf 2 Liter pro Tag. Da die Familie aber nie so viel Milch trinkt verarbeitet Pippa die Milch zu Käse wie Mozzarella, Hüttenkäse, Frischkäse, Feta usw. Wie man schon erahnen kann ging es mir kulinarisch nach all meinen Backpacker-Gerichten richtig gut. Nach dem Melken schnitten wir einen Busch auf die Hälfte seiner Größe zurück und widerspenstige Rosengewächse bis zum Strunk herab. Wie gesagt, wie Unkraut wächst hier alles. Als es anfing zu regnen bekamen wir einen inside job, wir putzten mit nassen Lumpen die Wände. Da Kinder in diesem Haus wohnen und diese für gewöhnlich alles mit dreckigen Händen anfassen, dauerte das ganze schon eine Weile.
Zu Mittag gab es für gewöhnlich selbstgebackenes Vollkornbrot mit selbstgemachtem Humus, nach der langen Toastbrot- und weichen Weißbrot-Zeit eine echte Wohltat :-D
Nachmittags durfte ich Lily-Rose uns Simeon kennenlernen, 10 und 12 Jahre alt. Lily ist ein sehr aufgedrehtes und gleichzeitig anhängliches Kind, Simeon dagegen ist eher ruhig und hat immer ein Buch über Flugzeuge dabei. Beide haben Ohrlöcher, welche sie sich letztes Jahr auf einer Europa Reise gemeinsam mit dem Nasenpiercing der Mama stechen lassen haben. Die Kinder sind den ganzen Tag beschäftigt, morgens bis mittags mit Unterricht, danach Chor, Instrumentstunden, Tanz, Sport usw. Zwei mal die Woche treffen sich mehrere homeschooled Kinder bei Pippa zuhause und werden von einer älteren streng aussehenden Lehrerin unterrichtet. Mit diesen Kindern zusammen machen sie auch ihre Nachmittagsbeschäftigungen. Während des Unterrichts sitzen dann auch die jeweiligen Mütter auf der Terrasse rum, eher ein anstrengender Schlag von Frau - der spießige-Frauchen-Style. Ein zwei witzige und entspannte waren aber auch dabei, alternativ bis zur üppigen Beinbehaarung ;-).
Wenn die Kinder mal frei haben hüpfen sie im Garten rum, füttern Hühner oder bedienen sich am Karottenbeet. Sie besitzen weder Handys, Gameboys oder Fernseher, was ich erfrischend gut finde. Nach dem Abendessen wurden Kartenspiele und Trampolinspringen zum Ritual. Ab halb 9 war dann Bettruhe angesagt und Susi und ich ratschten bis spät in die Nacht hinein in unserem gemütlichen Wooferhaus.
Ein Paar Tage nach meiner Ankunft durfte ich auch Asher kennenlernen, ein überaus freundlicher pubertierender Junge mit 15 Jahren, welcher sich vor 3 Jahren gegen homeschooling und für eine normale Schule entschieden hatte und auf Wunsch bei seinem Vater lebte und seit kurzem ein Handy besitzt, welches mit ihm verwachsen zu sein scheint. Aber wie gesagt trotz des schwierigen Alters ein außerordentlich netter Kerl. Für ein verlängertes Wochenende ging es 6 Stunden in den Süden nach whanganui, wo ein mehrtägiges Musikfestival stattfand, welches die vier besuchten. Sie fuhren mit einem alten und großen Camper, welchen Susi und ich am Vortag schrubbten und wuschen. Die folgenden fünf Tage waren sowohl für die Familie als auch für uns woofer eine tolle Zeit. Die Kinder hatten ihre größte Freude statt normalem Alltag barfuß in der Gegend rumzuhüpfen und den verschiedensten Aktivitäten nachzugehen, Susi und ich hatten die Ruhe und Freiheit unsere Zeit so einzuteilen und zu gestalten wie wir es wollten. Also wurde pünktlich um acht gemolken (da durften wir nichts dran ändern, die Ziegen starrten eh schon sobald es hell wurde von der Weide aus in unser Fenster und bähten entrüstet, wenn wir aufstanden um aufs Klo zu gehen anstatt sie zu melken...), und Hühner gefüttert, danach wurde aber erst gefrühstückt und zwar Pfannkuchen, Spinatomelette, Nutellaporridge... bis wir zwei dann gekocht/gegessen/geratscht und wie so häufig beim Abspülen (eigentlich immer) zu Liedern aus einer beachtlichen Musikanlage getanzt hatten, war es schon fast Mittag:


Um uns zu beschäftigen hatte Pippa eine Liste mit Sachen geschrieben, die wir neben den täglichen Dingen noch tun sollten um auf die 4 Stunden Arbeit zu kommen. Also entfernten wir Spinnweben von der Terrasse, welche durch mächtigen und tausend Früchte tragenden Wein komplett dicht überdacht war. Außerdem schrubbten wir die Außenmauer des Hauses, putzten Fenster, jäteten Unkraut, deckten neue Beete mit Pferdeäpfeln, Seegras und Heu ein und holten täglich frische Zweige für die hungrigen Ziegen, welche um die Ecke in einem kleinen Wald wuchsen; bei der Gelegenheit überprüften wir mit Odin zusammen, dass es den 4 Schafen auf der benachbarten Weide gut ging. Apropos Odin: Odin ist ein hyperaktiver Hund, welcher den ganzen Tag mit den Ziegen verbringt. Er folgt ihnen tatsächlich auf Schritt und Tritt und starrt sie an. Wenn wir uns näherten um sie zu melken oder die Weide zu wechseln wurde er ganz nervös, rannte wie ein Irrer durch die Gegend, bellte laut, flog buchstäblich über hohe Zäune oder Tore und fraß vor lauter Aufregung büschelweise Gras. Wenn Susi und ich laut redeten oder lachten rannte er im Kreis und bellte uns an, weil ihm die Situation scheinbar suspekt war. Tanzen ging auch nicht lange gut, um das zu ertragen rannte er in Spitzengeschwindigkeit aus der Tür, einmal ums Haus und kam wieder zurück, nur um das ganze zu wiederholen. Da er recht schnell meine Schwäche für Hunde erkannte forderte er mich beim Essen zum Spiel auf, wenn er nicht gerade damit beschäftigt war, die Katze zu ärgern. Zwei mal ging ich mit ihm joggen über Hügel und durch Wälder, ich habe den Hund während meines ganzen Aufenthalts nicht so entspannt und ruhig erlebt wie an jenen Abenden. So ein Süßer echt:


Unter den Hühnern gab es eine Rebellin, welche jeden Tag aus dem Gehege ausbüxte. Unsere Aufgabe bestand also zwei mal am Tag darin, ein Huhn einzufangen. Am Anfang noch umständlich, hatten wir bald den Dreh raus und diese Aktion lief sowohl für uns als auch für Madam zivilisiert ab. Hier ein Paar Fotos zu den Hühnern:


Außerdem gab es noch zwei Enten die an den passendsten stellen laute "Quaks" von sich gaben, was sich wie lautes und dreckiges Gelächter anhörte. Hier die Enten:


Jeden zweiten Tag wurde geerntet: Äpfel, Kürbisse, Zucchini, Spinat, Tomaten, Feigen, Aubergine, Karotten, Bohnen etc. Natürlich hatte das Gemüse gleich einen ganz anderen Geschmack als das, was man im Laden kauft:


An einem Abend nahm uns Pippas Mutter, welche auf demselben Grundstück auf einem Hügel lebte, auf ein Schulfest mit Feuerwerk mit. Bepackt mit selbstgebackenem Gemüsestrudel und zwei kleinen Enkeln von der jüngeren Tochter saßen wir also im Auto und wurden von zwei Jungs vollgelabert, uns wurde nützliches Wissen über sämtliche Meeresbewohner gelehrt usw. ;-). Das Sommerfest an sich war ganz nett, man konnte leckeres Essen kaufen, es fanden Wettkämpfe zwischen den Schulkindern statt oder Tauziehen Kinder gegen Eltern und auch Baumstammwerfen bei den Eltern. Außerdem gab es viele Stände und Aktivitäten für Kinder. Das Feuerwerk war erstaunlicherweise ziemlich lang und professionell und so kamen Susi und ich auf unsere Kosten (nachdem wir uns Schokokuchen gegönnt hatten versteht sich, unserer Ruf als vielfressende Lebewesen mussten wir natürlich stolz verteidigen ;-) ). Hier ein Bild von diesem Tag:

 

Am nächsten Morgen wurden wir zwei noch zum Morning tea bei Pippas Mutter eingeladen und bekamen eine Haus- und Garten-Führung von den zwei Jungs.
Sonst passierte nicht besonders viel Spannendes mehr in der ruhigen Zeit.
Als dann wieder Full House war sehnten wir die entspannte Zeit mit Traumessen zurück (selbstgemachte Kürbisravioli, indisches Curry, glasierte Feigen auf angebratenem Haloumi, Schokosouffle, Bananenkuchen...).

Was noch wichtig ist: ein Hobby-Mechaniker und Freund von Pippa sah sich mein Auto an. Er kauft und repariert als Nebenverdienst alte oder kaputte Autos und verkauft sie dann wieder. Nach gründlicher Begutachtung meines Autos meinte er mein Auto sei nicht verkehrstauglich, er bezweifelte, dass an meinem Auto so viel repariert wurde wie ich gezahlt hatte und bestätigte meinen leisen Verdacht, dass meine TÜV-Plakette gefälscht war. Nett und vorsichtig drückte er sich dabei aus, wollte das Auto aber nicht kaufen. Ich nahm es ihm nicht übel. Die Französin, welcher ich das Auto abgekauft hatte, wünschte ich aber etwas Unangenehmes, die "Scheißerei" zum Beispiel. Um das beste draus zu machen stellte ich meine gesamte Campingausrüstung ins Internet, wofür sich leider niemand interessierte. Also hinterließ ich der dankbaren Pippa den gesamten Inhalt meines Autos und bereitete ihr und den Kindern eine Freude. Für das Auto bekam ich schlappe 200$ bei den "wreckern", die Autos in brauchbare Einzelteile zerlegen und diese wiederverwenden. Obwohl ich natürlich krassen Verlust gemacht hatte war ich am Schluss einfach nur froh, das Auto losgeworden zu sein, noch zu leben und eine gute Zeit mit dem Auto gehabt zu haben. Die Freiheit, mit einem eigenen Camper unterwegs zu sein und überall hinzufahren wo man will und auch wann man will hat sich trotz allem voll rentiert. Und ob ich mit Bus und Hostels oder mit Leihwagen besser weggekommen wäre, ist eh die Frage. Ich hatte tolle Momente und wunderbare Aussichten mit meinem "Rodolfo", welche ich nicht missen möchte. Und irgendwie hat es auch was Tröstliches, dass ich seine letzte Backpackerin war. Alles war gut so, wie es war.

Als ich wenige Tage vor meiner Abreise meine letzte Woofingfamilie verließ, hatte ich ein komisches Gefühl: einerseits freute ich mich riesig auf meinen anstehenden Urlaub und meine anschließende Heimfahrt und natürlich auch auf das Großstadtleben in Auckland, welches mich erwartete. Andererseits wurde mir mit all meinen sieben Sachen auf dem Rücken klar, dass bald eine tolle Zeit endete. Der Abschied fiel mir schwer. Gott sei Dank traf ich Susi bald in Auckland und musste zu ihr noch nicht Tschüss sagen.

Alice

Restliche Zeit bei den Stowers

Montag, 20.03.2017

Die letzte Woche verging wie im Flug. Die Kinder wuchsen mir immer mehr ans Herz und wegen des fantastischen Wetters machten wir einige Ausflüge. Am Donnerstag gesellte sich eine slowakische woofingfamilie dazu: Thomas, ein lieber junger Mann, Lucia, seine sympathische und hübsche Frau, Theodor, ihr fünfjähriger charakterstarker Sohn und Dorothea, die zweijährige goldige Tochter (je nach Laune aber auch Drama-Queen). Die Familie zog in das Haus, in welchem ich bislang gewohnt hatte, weshalb ich in das pingpong Haus umgesiedelt wurde. Um nicht nachts alleine zu sein, schliefen Angelina und Helena die ganze Woche bei mir. Das war teils lustig teils anstrengend da ich oft mit Gekreische und Gegackere belästigt wurde ;-) die zwei sind grad in der Phase in welcher jedes Geräusch draußen Farmmädchen zu Angsthasen macht, was besonders beim Weg im Dunkeln vom Haus zum wooferhaus nach dem Abendessen jede Nacht aufs neue für große Aufregung sorgte. Aber ich muss sagen, ich war dankbar und froh sie dazuhaben. Außerdem konnte ich der Familie dann eine nächtliche Geschichte von Angelina erzählen: als ich eines Abends nach einem Skype mit der Heimat nach den beiden im wooferhaus ankam und alle Lichter bereits aus waren, schien es als ob Angelina im Flüsterton Helena wecken wollte. Als ich Angelina fragte was denn los sei, brabbelte sie von wegen wir müssten die Maschine in ihrem Bett ausmachen. Als ich sie dann bat es zu wiederholen und mir klar wurde, dass ich richtig verstanden hatte, fragte ich in die wach sei oder schliefe. Sie antwortete sie sei wach (was hatte ich auch anderes erwartet), stützte sich auf ihre Unterarme um mir die Sache mit der Maschine zu erzählen, entschied sich doch dagegen, streckte sich auf dem Bett aus und schlief wieder normal weiter. Schmunzelnd ging ich schlafen und am nächsten Morgen bekam ich bestätigt dass Angelina gerne im Schlaf redet oder sogar schlafwandelt.
In der letzten Woche hatte ich neben/anstatt der Arbeit ein volles Programm: am Freitag fuhr ich mit der slowakischen Familie nachmittags zum hot water beach. Wie der Name sagt findet man an diesem Strand bei Ebbe heißes Wasser am Strand. Jeder buddelt sich deshalb sein eigenes Loch in den Sand und baut sich damit seinen eigenen heißen Pool. So heiß, dass das Wasser an bestimmten Stellen dampft und sich ausnahmslos jeder mindestens ein mal den Fuß verbrannte beim Temperaturtest. Als wir am Strand ankamen schreckte uns der Anblick der Menschenmassen ab, die sich alle an einem Teil des Strandes konzentrierten wo es eben heißes Wasser gab. Einige Leute hatten sich richtig großzügige Pools gebaut, in welchen man hätte schwimmen können. Die meisten saßen jedoch nur bis zum Bauchnabel im Wasser. Mit Kinderbonus sprach uns ein junges Mädchen an, ob wir ihrem Pool übernehmen wollten, wir sagten zu und hatten deshalb bis auf Vergrößerungsarbeiten mit Schaufel nicht mehr viel Arbeit. Unser Natur-Pool hatte einen heißen und einen kalten Zufluss, also konnten wir die Temperatur immer ganz schön regulieren indem wir je nach Wunsch hier oder da etwas mehr Sand aus dem Pool hoben. Sowas cooles echt! Solch ein Naturwunder! Zur Abkühlung sprangen wir in das traumhafte Meer mit seinen hohen Wellen, perfekt zum surfen oder bodyboarding. Bei dem ganzen Spaß störte es einen gar nicht mehr, dass so viele Leute um einen rum waren. Im Gegenteil, man unterhielt sich oder lachte sich gegenseitig aus wenn sich der hundertste am selben Pool verbrannte. Die Kinder hatten auch ihre größte Freude, Theo buddelte wie ein Weltmeister und Dorothea trampelte vor lauter Aufregung versehentlich die eine oder andere Sandmauer zusammen. So ein schöner Nachmittag! Und wie toll dieses Spektakel nachts unter klaren Sternenhimmel sein musste! Mit Taschenlampe buddeln und dann im heißen Wasser relaxen und dabei Sterne beobachten. Herrlich! Fotos bekomme ich noch zugeschickt und füge ich dann hinzu:


Am nächsten Tag blieb die Arbeit ganz aus. Für Grant, Angelina, Romy und mich ging es morgens los, wir packten den Anhänger des Autos mit Kajaks voll und fuhren an den hahei beach, wo wir Freunde der Familie und deren wooferin treffen würden und eine kajaktour die Küste entlang in verschiedene Höhlen machen würden. Ich war erst ein Mal in einem Kajak gesessen und das war schon lange her, deshalb war ich schon sehr gespannt wie es werden würde. Zunächst schleppten Angelina und ich unser Doppel-Kajak unter Ächzen und Stöhnen zum Wasser. Mein Energielevel schien danach schon aufgebraucht, aber dann ging's ja erst los mit paddeln. Trotz durchgehend schmerzenden Armen blieb ich soweit tapfer um nicht als Schwächling der fitten Gruppe dazustehen. Gott sei Dank hatten wir Glück mit dem Wetter und den Wellen und konnten relativ problemlos das glasklare Wasser und die gigantisch hohen und steilen Klippen bestaunen, an welchen wir entlang paddelten. Recht am Anfang, als Angelina und ich noch nicht so als Team eingespielt waren und sie non stop mit Reden und weniger mit Lenken beschäftigt war, trug uns eine unerwartet hohe Welle recht nah an raue Felsen, an denen wir uns mit etwas Pech hätten verletzen können. Gott sei Dank gab es nur einem kleinen Aufprall und dann konzentrierten wir uns umso mehr auf Bot und Meer, sodass wir spätere schwierige Situationen wie in Höhlen oder zwischen zwei Felsen paddeln ohne Gefahr meistern konnten, jedoch mit Herzklopfen. Insgesamt sahen wir uns zwei Höhlen von innen an. Eine ist sehr bekannt und nennt sich "blowhole". Dies liegt daran, dass sich die Höhle nach einem engen und dunklen Eingang zu einem großen runden Raum weitet, welcher nach oben hin geöffnet ist. Wenn man also hoch schaut sieht man am Rand Bäume und in der Mitte den Himmel:

(Auch hier warte ich noch auf Fotos)

In den blowholes rasteten wir eine Weile und machten uns dann auf zu der zweiten Höhle, in welcher eine Holztreppe vom Grundstück eines Millionärs runter zum Wasser führte. Auch nicht schlecht: Manche Leute haben einen Pool, manche Privatzugang zu Höhlen. Auf dem Rückweg kürzten wir ab durch einen natürlichen Gang durch die Klippen anstatt außenrum zu paddeln. Angie und ich hatten nicht so ein gutes Timing und surften ungewollt auf einer relativ großen Welle frontal gegen eine Wand des Gangs. Das gab schon einen ordentlichen Ruck, der Rest der Tour verlief aber reibungslos. Wir steuerten direkt auf den hahei beach zu und verbrachten dort den gesamten Tag. Kurz nach unserer Ankunft trudelte der Rest der Familie ein und wir nahmen gigantisch viel Platz unter einem Baum ein, geschützt von der aggressiven Sonne. Der Tag plätscherte so dahin, wir bewegten uns vom Handtuch-Lager zum Meer und wieder zurück. Bis direkt neben uns erste Vorbereitungen für eine Hochzeit getroffen wurden. Tatsächlich ging ein Paar 10 Meter von unserem Lager entfernt den Bund der Ehe ein und wir hatten den perfekten Blick frontal auf die Hochzeitsgemeinschaft. Leider war weder die Zeremonie noch ein einziges Kleid von einer der vielen Frauen in irgendeiner Weise stilvoll, uninteressant für Frauenherzen... Ein genehmer Zeitvertreib war die Hochzeit trotzdem.
Die jüngeren stowers Kinder sah man praktisch nie, da sie sich 95% der Zeit im Wasser befanden und den Spaß ihres Lebens hatten und ich erinnerte mich daran, dass ich es bis vor relativ Kurzem nie verstehen konnte, wie Leute den ganzen Tag am Strand verbringen konnten und nicht im Wasser. Jetzt bin ich selbst so faul und langweilig. So schnell geht's! Natürlich blieb ich nicht von der obligatorischen Jagd ins Wasser verschont und deshalb musste ich obwohl ich endlich komplett trocken war gezwungenermaßen mit 6 Kindern im Nacken ins kühle Nass. Und das kurz vor der Heimfahrt. Ärgerlich. Danach brach noch eine Schlacht aus mit Eiswürfeln, welche zuvor die Getränke der Hochzeitsleute gekühlt hatte und auf den Boden ausgeleert worden waren. Insgesamt hatten wir also einen tollen Tag!
Der folgende Tag war ein Sonntag und deshalb war Kirche angesagt. Nach einem etwas luxuriöseren Frühstück als sonst (mit Cornflakes, man gönnt sich ja sonst nichts ;-) ) fuhren wir nach whitianga und mein erster Eindruck von der Kirche war Enttäuschung, da ich eine schöne alte Kirche erwartet hatte. Aber natürlich - in Neuseeland ist nichts alt - war es ein eher modernes und eckiges Gebäude und hatte bis auf ein großes Kreuz an Wald nicht viel mit herkömmlichen Kirchen zu tun. Auch mal interessant. Der Gottesdienst war auch ganz anders als erwartet: insgesamt wurde wenig gebetet, viel gesungen und das Reden auf vier Personen aufgeteilt, die ihre persönlichen Geschichten im Zusammenhang mit Gott oder anderen religiösen Themen der ganzen Gemeinde mitteilen wollten. Deshalb konnte man der ganzen Sache besser zuhören, es war abwechslungsreicher und persönlicher als die wenigen Gottesdienste bei denen ich bisher anwesend war. Auch die Lieder waren moderner und auf Englisch. Trotzdem war ich froh, als endlich ein Ende in Sicht war. Ich kann generell mit Gottesdiensten und eigentlich dem gesamten Christentum nicht besonders viel anfangen und konnte mich auch noch nie für sowas begeistern. Schön war aber, dass ziemlich viele Kinder in einer Spielecke miteinander spielten und man ab und an freudiges Quieken hörte.
Nach dem Gottesdienst blieben alle Leute sitzen und plauderten bei Kaffee und Keksen miteinander.
Gefühlte 3 Stunden später ging es also zum Strand, wo wir Mittag aßen und bis zum späten Nachmittag blieben.
Am nächsten Tag arbeitete ich nach einer gefühlten Ewigkeit ohne Farmtätigkeit wieder auf den Kuhweiden und in den Obstgärten der Familie. Meine Tätigkeiten waren in meiner kompletten Zeit dort zusammengefasst:
- Kuhfladen in großen Mengen einsammeln, auf den Truck laden und Obstbäume damit düngen
- Vieh von Weide zu Weide treiben; mittlerweile komme ich mir nicht mehr so doof vor wie am Anfang, hab mich also schon ans aggressive Schreien und mit Ästen Rumfuchteln gewöhnt
- Versuchen, Stiere, welche je nach Lust und Laune die Weiden wechseln indem sie sich mit Gewalt durch die Drähte der Zäune zwängen, welche damit auf Dauer kaputt gehen, auf Wiesen mit saftigem Gras zu scheuchen, wo sie dann mal eine Zeit lang zufrieden sind und bleiben
- Unkraut jäten
- Sähen und Setzlinge aufzüchten
- Gemüsegarten jäten und gießen
- Melken, da bin ich mittlerweile schon richtig gut!
- Schweine füttern, was mir ein bisschen Angst macht weil diese sehr gefräßig sind und aggressiv werden, wenn sie meinen noch nicht genug bekommen zu haben: sie verfolgen einen dann, schreien richtig laut und beißen auch mal; mich nicht weil ich sie anbrüllte und nicht so nah kommen ließ... gruselig
- Äste einsammeln
- Beim Geschirrspülen helfen
Was richtig Spaß macht: um auf dem Gelände von a nach b zu kommen - gerade wenn der Truck voll ist und im Auto kein Platz mehr ist aber auch manchmal einfach aus Spaß genießt man die Fahrt von der Ablage des Trucks aus: man steht auf der Ladefläche und hält sich an einem Gitter fest. So genießt man teilweise sehr schnelle, steile und holprige Fahrten mit ordentlichem Fahrtwind und ab und zu der Gefahr, einen Ast ins Gesicht zu bekommen, wenn man sich nicht auf die Straße konzentriert. Das macht nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen Spaß :-)
Nachdem der Montag eher normal verlief und wir abends endlich wieder Besuch von zwei israelischen Mädels bekamen, fuhren wir am Dienstag nach der Arbeit zur lonely bay. Das ist eine wunderschöne Bucht welche in der Tat etwas versteckt liegt und daher wenig besucht ist. Das Highlight des Tages bestand darin, dass Angelina und ich -beide die größten Angsthasen- gemeinsam über gefährlich angehäufte Felsen kletterten und von dort aus ins dunkle Meer sprangen um in eine zwar schöne aber durch das ganze Seegras unheimliche Höhle zu schwimmen. Es kostete uns beide Einiges an Überwindung und als wir dann in der Höhle waren versuchten wir fieberhaft uns nicht gegenseitig noch mehr zu beunruhigen, beide mit rasendem Herzen und leicht hysterischem Lachen. Heldinnen in Strumpfhosen, echt...
Nach dem Strandbesuch wanderten wir noch auf einen Aussichtspunkt, an welchem alle Erwachsene etwas zu schmunzeln hatten: es befand sich ein steinerner und hüfthoher Kompass auf der Aussichtsplattform, an welchem Inseln und Strände in der Nähe eingezeichnet und beschriftet waren. Die älteren stowers Kinder verklickerten aber den jungen, dass der Stab, welcher sich in der Mitte des Kompass befand, ein Schwert sei, welches von einem Auserwählten aus dem Steinblock gezogen werden könne. Sogar die Erwachsenen spielten mit und deshalb versuchten die Kleinen ihr Bestes und zogen was das Zeug hält. Was für eine organisierte Kinderverarsche!
Am Dienstag begann es zu regnen. Eigentlich ein eher unerheblicher Fakt - dachte ich. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nämlich noch nicht, dass der Regen meine Reiseplanung beeinträchtigen würde. Der Regen war sehr stark und hörte nicht auf. Den gesamten Dienstag und die Nacht auf Mittwoch, an diesem Tag wollte ich die Familie eigentlich verlassen und in den Norden aufbrechen. Der Blick aus dem Fenster verriet die Auswirkungen auf die Farm: Aus Wiese wurde Weiher, aus Straße Fluss und Teile der Hügel brachen und rutschten einige Meter bergab. Gutgläubig packte ich meine sieben Sachen und räumte sie ins Auto - das hätte ich mir sparen können. Nach einem Wettrennen durch den Regen brachte mir die Familie das Ausmaß der Wassermassen bei: der Fluss, in welchem wir Tage zuvor geschwommen waren, hatte sich in Höhe und Breite verdoppelt und die Straße in Mitleidenschaft gezogen. Die Brücke, die man überqueren musste um von der Farm auf die besagte Straße zu kommen, war beschädigt und durch angeschwemmte Baumstämme verlegt und damit unpassierbar. Der Strom war in der gesamten Gegend ausgefallen (Gott sei dank hatten wir Solarplatten und einen Generator, wir waren davon also nicht betroffen) und Netz/Empfang lag flach. Tolle Voraussetzungen für einen erfolgreichen Aufbruch. Am meisten stresste es mich, dass ich mich mit Monas woofingkollegen verabredet hatte, mit welchem ich für Paar Tage die northlands bereisen wollte und ich diesem nicht Bescheid sagen konnte dass ich festsaß.
Außerdem war die slowakische Familie in dem schönen wooferhaus gefangen, da ein Erdrutsch die Einfahrt in ihr Haus verlegte. Nach einiger Arbeit mit Bagger und Schaufel machten die Männer den Durchgang wieder passierbar. Arbeitswillig und etwas aufgeregt stiegen alle 8 stowers und ich ins Auto und fuhren zu der Brücke. Einer der Nachbarn hatte hier bereits Arbeit mit der Kettensäge geleistet und wir schafften nur noch kleinere Äste von der Brücke in den überschwemmten Fluss. Das Geländer der Brücke war durch die Wassermassen des Flusses, der nachts noch 2 Meter höher als zu jenem Zeitpunkt gewesen sein musste, völlig zerstört und hing verbogen und nur noch in Teilen an den Seiten der Brücke, wo sich wiederum Äste verfangen hatten. Holzstäbe, die in der Nähe der Brücke aus dem Boden ragten, erinnerten an die ehemaligen Briefkästen der Familien der ganzen Gegend. Einfach weg. Baumstämme und Palmen sammelten sich an Biegungen des Flusses an. Die ehemalige Schotterstraße war teils voller Sand und Matsch und bröckelte gefährlich in den Fluss hinab. Umgefallene Bäume und Erdrutsche blockierten die Straße. Einige Nachbarn taten sich mit uns zusammen und wir legten die Straße so gut wie möglich frei - mit Bagger, Kettensäge und Muskelkraft. Bei einem Spaziergang fanden wir ein demoliertes rotes Auto im Gestrüpp am Flussufer, völlig unbrauchbar. Die Geschichte dazu fanden wir später heraus.
Die Familie stowers war durch die Lage ihrer Farm, nämlich auf der Spitze des Hügels, mehr oder weniger glimpflich davon gekommen. Nachbarn weiter unten am Berg hatten einen größeren Schaden, Ställe und Zäune von den Wassermassen zerstört und teilweise weggespült. Eine Familie besaß Wild, welches durch die Überschwemmung aus der Koppel gelangte und von DOC-Leuten erschossen wurde (Wild ist in Neuseeland eine Plage, wenn es wo ausbüchst -egal aus welchem Grund - wird es einfach erschlossen... :-( ). Bei einem Nachbarn stand das komplette Haus unter Wasser und sein frisch eröffneter Edel-Campingplatz war auch nicht mehr das, was es vorher war. Er hatte das Anwesen erst kürzlich gekauft und somit seinen frisch fertiggestellten Lebenstraum verloren. Doch trotz allem konnte man a die euphorische Aufregung der Kinder und b den Zusammenhalt und die Hilfe unter den Nachbarn kaum übersehen, welche sich teilweise noch nie miteinander unterhalten hatten. Jeder half jedem, alle sprachen von der größten Überschwemmung seit Jahrzehnten. Später am Nachmittag kam ein junges Pärchen zu uns hochgefahren, zusammen mit dem Nachbarn mit dem luxuriösen Campingplatz. Ihnen gehörte das demolierte rote Auto im Gestrüpp. Das Pärchen hatte im Auto auf jenem Campingplatz übernachtet und war mitten in der Nacht von einer Art Flutwelle überschwemmt worden (sie sprachen von einer Welle,ich vermute das Wasser kam vom Berg runtergeströmt und sammelte sich dort an). Sie packten alle Wertsachen und wichtigen Papiere in eine Kühlbox und machten sich in Pyjamas durch das hüfthohe Wasser um sich in Sicherheit zu bringen. Sie versuchten das Haus des Campingplatzbesitzers zu erreichen, der Strom riß sie aber weiter weg. Letztendlich fanden sie hohe und stabile Bäume, an welchen sie hochkletterten und ganze 4 Stunden lang hingen. Sie riefen um Hilfe, der Campingplatzbesitzer hörte sie, konnte aber unmöglich zu ihnen ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Alle Leitungen waren tot und er konnte nicht einmal professionelle Hilfe holen. Also blieb ihm nichts anderes übrig als ihnen zuzurufen, dass sie durchhalten sollten und dass sie nicht alleine seien. Wie mir das Pärchen berichtete war die Tatsache, dass dieser Mann Bescheid wusste und ihnen helfen wollte und würde sobald das Wasser an Tiefe verloren hatte der Grund, dass sie nicht los ließen. Durchnässt, stark frierend, in der Dunkelheit mit den letzten Kräften an einem Baum hängend. Ihre Kühlbox hatten sie unterwegs auch verloren. Nach vier langen Stunden wurde das Wasser niedriger, sie wagten sich runter und fanden Hilfe und Unterschlupf bei dem Mann, dessen Haus unter Wasser gestanden hatte. Das Paar hatte Glück im Unglück und war "nur" mit einem Riesen Schock davon gekommen. Da wir als einziges Haus Strom, eine heiße Dusche und ein trockenes und warmes Heim hatten, kam das Paar zu uns. Zu diesem Zeitpunkt saß das Pärchen zwar mit roten Backen aber recht entspannt auf dem Sofa und erzählte uns, dass sie (Molly) um ihren Job bange, weil sie wegen ihrem Freund blau gemacht hatte, ihrer Arbeit aber erzählt hatte dass sie ihre kranke Oma besuchen würde und jetzt befürchtete, dass ihr Chef im Radio oder Fernsehen die Wahrheit herausfinden würde. Sie sollte an diesem Tag auch wieder arbeiten und konnte wegen den ganzen gesperrten Straßen aber nicht vom Fleck. Ihr Freund war Australier und hatte sie für paar Tage besucht, hatte aber bedenken ohne seinen Reisepass den Flug am übernächsten Tag nicht nehmen zu können. Der Schock war offensichtlich schon relativ gut verarbeitet ;-).
Die Israelis saßen so wie ich fest und deshalb hatten wir ein volles Haus. Meine Arbeit wurde vom Regen nach drinnen verlagert, ich half beim Kochen/Backen und Kinderspielzeug Aufräumen (das war der nervigste Job in meiner gesamten woofing-Karriere!). Gegen Abend hatten wir wieder nett und so konnten wir wieder Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen, ich konnte meinem Reisepartner absagen, welcher auch mit regen und überschwemmten Straßen zu kämpfen hatte. Es vergangen noch 2 Tage bis sich die Straßen von der letzten Überschwemmung erholt hatten und das nächste Hochwasser angesagt war. Ich nutzte die Gelegenheit und fuhr am Freitag direkt zu meiner nächsten Familie. Die letzten Tage bei den stowers waren wie ihr euch vorstellen könnt recht chaotisch. Zu allem Unglück würde der kleine Theo krank und lag mit Fieber und Husten um Bett, draußen hörte es nicht auf zu schütten, viele Leute befanden sich auf relativ kleiner Fläche und die Nachbarn mit dem Campingplatz waren mit Telefonaten und Organisieren beschäftigt. Das schöne am Chaos war: ich durfte immer mit zum Melken (das ist normal mehr so eine Israeli-Touri-Aktion und weniger für hart arbeitende woofer ;-) ). Mittlerweile hab ich den Dreh schon gut raus und hatte viel Spaß mit Angie und Helena, in unserem Übermut probierte ich mir Milch direkt in den Mund anstatt in den Eimer zu spritzen und sorgte deshalb für großes Gelächter mit Milch in meinem kompletten Gesicht. Die Kälber der milchgebenden Kühe bekommen obwohl sie viel zu alt für sowas sind Milch aus der Flasche, was ursprünglich als Touri-Highlight gedacht war. Die Kälber wollen diese tolle Gewohnheit aber nicht aufgeben und fangen an zu randalieren wenn sie nicht bekommen was sie wollen. Also fütterte ich sie mit Milch und verlor mein Herz an ein viel zu großes Baby, welches mit Leidenschaft und blubberndem Sabber an der Flasche nuckelte. Herrlich! Auch die zwei Schweine der Farm haben ein beachtliches Durchsetzungsvermögen und beginnen zu schreien und beißen, wenn sie Hunger haben und meinen, dass man ihnen Futter vorenthält. Gefährliche Angelegenheit. Insgesamt hatte ich also eine tolle Zeit bei den stowers und verließ sie nach über 2 Wochen mit schwerem Herzen.

Alice

Drei Tage frei

Montag, 20.03.2017

Wie ich schon andeutete verließ ich die Farm für drei Tage um die Familie ihre Familientage zelebrieren zu lassen. Ich nutzte die Zeit, um die coromandel peninsula unsicher zu machen. Ausgestattet mit einem Essens-Überlebenspaket von Rachel (typisch Mama echt ;-) ) und mit Reise-Tipps von Grant fuhr ich also die haarsträubende Schotterstraße wieder hinab und peilte meinen ersten Stopp, einen Wasserfall an. Der war dann ganz hübsch aber ziemlich überlaufen, was ich auf dem Bild kaschieren konnte:


Danach ging es weiter zum Castle Rock Track. Dabei führte ein sehr steiler und rutschiger weg zu einem tollen Aussichtspunkt, von dem aus man beide Küsten (West und Ost) der Halbinsel gleichzeitig sehen konnte. Der Weg an sich war aber nichts für schwache Nerven: oft musste ich mich an Ästen oder Art Lianen festhalten, um mich an sehr steilen Abschnitten sicher hochziehen zu können. Der Ausblick war gigantisch:


Nach einer kurzen Rast ging den Weg wieder runter und mich legte es tatsächlich zwei Mal auf den Allerwertesten.
Nächster Halt war coromandel town, eine kleine Stadt mit hübschem Zentrum und toller Lage zum Meer. Ich verbrachte ein paar Stunden an einem Strand, an welchem ich mit einem älteren Paar mit Labrador ins Gespräch kam, welches in einer Villa mit direktem Zugang zum Strand lebte. Die Hündin spielte und schmuste mit mir und setzte sich anschließend auf meine Füße - ganz nach dem Motto: du kannst jetzt hier nicht mehr weg.
Später suchte ich mir noch einen hübschen Campingplatz direkt am Meer, wo ich mit einem anderen älteren Paar aus Australien plauderte und dabei den Sonnenuntergang beobachtete:

 

Das Paar nimmt in Australien wwoofer auf, es war äußerst interessant woofing aus der anderen Perspektive zu betrachten und deren Erfahrungen anzuhören.
Am nächsten Morgen regnete es, deshalb fuhr ich direkt los an die Ostküste der Halbinsel. Dort war das Wetter besser und deshalb stattete ich dem new chums beach einen Besuch ab, welcher laut Internet einer der top10 Strände der Welt sein soll. Dadurch, dass man erst eine halbe Stunde zum Strand laufen muss (erst einen Strand überqueren, dann über Felsen und danach durch ein kleines Stück Wald) war am New chums beach nicht so viel los, was ein Riesen Pluspunkt ist. Doch auch so oder so wäre ich vom Strand begeistert gewesen. Weißer Strand, kristallklares intensiv blaues Wasser und hübsche Wellen, mit denen viele Leute ihren Spaß hatten. Im Rücken Wald und an den Seiten große Steine, die in Felsen übergehen. Wirklich toll:

 


Ich übernachtete auf einen netten Campingplatz, wo Passionsfrüchte in der Einfahrt wachsen. Da ich die Pflanze zunächst nicht erkannte und deshalb nachfragte, kam der Besitzer des Campingplatzes später mit passionsfrucht und Löffel zu meinem Auto und erzählte mir begeistert von der Frucht und dass er sie am liebsten auf pavlova isst, während wir uns die eine teilten. Richtig süß! Am nächsten Tag fuhr ich nach hahei, einem Dörfchen in der Nähe von meiner woofingfamilie, wo sich Mona befand. Mona hatte ihre Luxus-Unterkunft-woofingfamilie vorzeitig verlassen und ließ sich in hahei nieder, wo sie in einem backpackers für freie Unterkunft arbeitete. Das Haus wo sie lebte ist der Wahnsinn, eine moderne Villa auf einem Hügel mit gigantischem Ausblick auf hahei Beach, wo sie mit ihren Kollegen wohnte. Unter den Kollegen 3 Deutsche und ein Paar aus Frankreich, alle soweit sympathisch.
Eigentlich hatten Mona und ich sightseeing geplant, wir wollten uns die cathedral coves direkt um die Ecke ansehen. Zugegebenermaßen war es ziemlich heiß und man läuft mit vielen anderen Touristen einen 40 minütigen Track zum Ziel, was schon etwas anstrengend war. Doch anstatt mir einfach zu sagen, dass Mona nicht mitlaufen wollte, begleitete sie mich und begann zu stöhnen, Kommentare über die Hitze oder die Anstrengung zu machen und blockte jeden Versuch ein Gespräch zu beginnen ab. Als ich ihr sagte, dass sie nicht mitlaufen müsse und umkehren könne wenn sie wollte tat sie das auch und mir wurde wieder klar warum ich alleine reise ;-). Trotzdem genoss ich den Track und va die cathedral coves mit ihrem atemberaubenden Strand, fast noch schöner als new chums beach. Hier ist das Besondere neben all den Vorzügen die für new chums gelten, dass lustig geformte hohe Felsformationen aus dem Wasser ragen und einige romantisch aussehende Inseln den Blick noch verschönern. Die cathedral cove ist eine Art Bogen aus Fels, deren Öffnung zu beiden Seiten hin an das Tor oder das Gewölbe einer Kirche erinnert (daher der Name). Hier die traumhaften Bilder:

 

Und an alle Leute, die sich mal Narnia angesehen haben: eine Szene einer der mehreren Teile wurde genau dort gedreht. Bei Interesse also narnia cathedral coves googeln.

Als ich dann wieder zum Haus zurückkam fand ich eine gut gelaunte Mona vor, die sich mit vollem Magen und im kühlen Haus wie neugeboren fühlte. Na Gott sei dank! Wir entspannten und plauderten und gegen Abend kochten wir zusammen Kantonesisch: Reis mit Frühlingszwiebeln und einer Art Rührei mit Garnelen. Solch ein gutes und luxuriöses Essen!
Bevor es dunkel wurde fuhr ich zu meinem wooferhaus zurück. Ich hatte zwar noch den nächsten Tag frei, hatte aber keine Lust mehr zum rumreisen und durfte im wooferhaus übernachten. Ich entspannte vollends bis zum nächsten Nachmittag und machte nichts anderes als Lesen, Blog Schreiben und Essen. Herrlich!

Die ersten Tage bei der Familie Stowers

Donnerstag, 02.03.2017

Nach einer Nacht, in welcher ich wie ein Stein geschlafen hatte, ging es vormittags los auf die coromandel peninsula, eine Art Halbinsel südöstlich von Auckland. Auf diese woofingfamilie hatte ich mich schon ewig gefreut, ich hatte sie schon bei meinen ersten Planungen der Reise also noch in Deutschland angeschrieben. Das Besondere an der Familie: die beiden Eltern Rachel und Grant leben mit ihren 6 Kindern, welche zu Hause unterrichtet werden, auf einer Farm weit abseits von Zivilisation und führen dort ihr christlich angehauchtes Leben. Wie von einem Magneten angezogen trieb es mich zu der Familie; ich wollte unbedingt sehen, wie diese Familie lebt und wie es sich anfühlt, Teil der Familie zu sein. Die Autofahrt zog sich 2 Stunden und der letzte Teil führte über schlechte und vor allem steile Schotterstraßen, wovon ich wie ihr euch vorstellen könnt nicht gerade begeistert war. Auf dem Hügel, wo das Haus der Familie stand angekommen, überwältigte mich der gigantische Ausblick, der bis zum meet reichte (später ein Bild dazu). Schon etwas aufgeregt betrat ich das Haus und wurde plötzlich von 15 Leuten begrüßt. 15! Und ich wäre doch schon mit acht Namen überfordert gewesen! Eine Horde von Kindern im Alter von 6-18 saß am Boden und öffnete ein großes Paket voller deutscher Süßigkeiten, das ihnen ein ehemaliger woofer geschickt hatte. In der Küche standen paar junge Erwachsene und spülten einen riesigen Berg an Geschirr. Das mussten woofer sein! Dann standen noch andere Leute rum, die ich nicht genau zuordnen konnte. Nachdem der Inhalt des Pakets an alle verteilt wurde, wurde ich mit einer großen Deutschland-Flagge willkommen geheißen und mir sämtliche Namen um die Ohren gehauen. Noch nicht ganz durch mit den Umarmungen betraten die nächsten Neuankömmlinge das Haus. Ein dunkelhaariges Paar, der Flagge nach zu schließen Israelis. Ich gesellte mich zu den woofern an der Spüle und wurde von der Japanerin Aya aufgeklärt: neben der achtköpfigen Familie gab es eine vierköpfige woofingfamilie aus Brasilien, ein Paar aus Frankreich, sie selber und jeden Tag mehrere Israelis, die übernachten durften. Außerdem erklärte sie mir, dass die woofer ihr eigenes Haus auf dem Gelände hätten, ein anderes Haus meistens von Israelis genutzt wurde uns noch ein kleines Haus für woofing-Paare oder -Familien zur Verfügung stand, in unserem Fall für die brasilianische Familie. Außerdem würde ich mir mit aya win Zimmer teilen, was mich sehr freute. Nachdem sich das Chaos gelegt hatte und einige Kinder ihre Energie draußen rausließen, setzte sich die Mutter Rachel mit mir und den beiden Israelis Or und Bor (ich hoffe man schreibt die Namen so wie man sie spricht) an den Tisch und wir holten Mittagessen nach, selbstgebackenes Baguette mit tomatenbutter, normaler Butter und regionalem Honig. Bei dem Gespräch kam raus, dass am selben Tag noch zwei Israelis ankommen würden. Langsam war ich verwirrt. Auf meiner gesamten Reise sind mir genau ein mal Israelis begegnet und hier waren gleich so viele auf einmal? Später bekam ich eine Erklärung dafür: die Familie Stowers ist wie ich bereits erwähnt habe christlich und Teil einer Organisation, welche jungen israelischen Reisenden eine kostenlose Unterkunft gewähren möchte als Zeichen der Wertschätzung ihrer Religion. Sozusagen eine Gegenreaktion zu all der Abweisung und dem Hass, auf welchen Israelis im Laufe der Geschichte gestoßen sind. Dafür zücke ich meinen imaginären Hut! Nach dem Essen gesellte ich mich wieder zu den woofern, die im Gemüsegarten Unkraut jäteten. Natürlich nicht ohne zu ratschen: Aya ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann in Tokyo, wo sie Managerin eines amerikanischen Restaurants ist. Sie ist für 3 Wochen in Neuseeland und war zum ersten Mal in ihrem Leben in den Bergen (ich würde die Hügel hier zwar noch nicht als Berge bezeichnen, das ist jetzt aber an dieser Stelle unwichtig) und auf einer Farm. Ihr gefiel es sehr gut hier. Aya ist sehr sympathisch, interessiert und gesprächig; als sie dann aber nachts Ihre Krankenhaus-Mundmaske auspackte, wurde mir wieder mal klar, dass Asiaten einfach anders drauf sind. Das französische Paar bereist für 1 1/2 Jahre die ganze Welt, war schon in einigen Ländern in Südamerika und in Australien, Asien folgt noch (u.a. Tokyo, da wollen sie Ayas Restaurant einen Besuch abstatten!). Julie ist eine junge Chiropraktikerin, Joseph ist Lehrer. Beide sind super herzlich und freundlich. Kleine Anekdote: als wir abends im wooferhaus waren und wir nacheinander das Bad benutzten, lagen benutzte boxershorts auf dem Fußboden. Keine Frage von wem natürlich. Als Julie diese bemerkte kam nur ein genervtes "Joseph!", sie hob es auf und stampfte auf ihr Zimmer. Da wurden mir wieder mal grundlegende Unterschiede zwischen Männern und Frauen klar. Alle drei Frauen räumen alle ihre Sachen weg, der einzige Mann lässt seine Sachen einfach am Boden liegen :-D... Die brasilianische Familie fand ich besonders interessant. Wie kommt es dazu, dass man als Familie so weit weg reißt und auf einer Farm wooft? Beide Eltern sind in Brasilien berufstätig, Alessandra ist Tierärztin. Um das Leben zu finanzieren arbeiteten beide Elternteile Vollzeit, dabei kamen die Kinder zu kurz. Eine Putzfrau erledigte die Hausarbeit, die Kinder verbrachten viel Zeit im Kindergarten und mit einer nanny. Dies ging so weit, dass die kleine Carolina eine andere Frau als "mama" bezeichnete. Die junge Familie beschloss, ein neues Leben anzufangen, gab die Jobs auf, verkaufte das Haus und machte sich auf nach Neuseeland. Hier versuchen sie günstig über die Runden zu kommen indem sie woofen. Man muss dazu sagen, dass es schwer ist Familien zu finden, welche vier Leute aufnehmen, wenn ja eigentlich nur die Eltern "arbeiten". Die beiden sind aber ausgesprochen fleißig und nett, deshalb hat bis jetzt alles super geklappt. Ziel ist es, in Neuseeland dauerhaft leben zu können. Das ist aber gar nicht so einfach, man muss langwierige und kostspielige Verfahren auf sich nehmen und vor allem perfekt Englisch sprechen. Ich drücke der Familie die Daumen! Die Kinder freundeten sich gut mit den jüngsten der stower-Kinder an und spielten zusammen. Es war beeindruckend zu sehen, wie viel die kleinen schon verstanden von einer Sprache, die sie bis vor zwei Monaten noch gar nicht kannten. Gemeinsam mit den Kindern säten wir noch Salat und Tomaten. Nach der Arbeit fuhr ich mit Rachel und Aya zum wooferhaus runter um mein Bett zu machen und mich einzurichten. Das Familienhaus und wooferhaus liegen circa fünf Fahrminuten auseinander, was an der steilen Schotterstraße liegt, welche die beiden verbindet, was zum langsam fahren zwingt. Für diese Strecke gibt es ein extra Auto, welches groß und alt ist und einen Vierradantrieb hat, sodass man nicht ins Rutschen kommt. Ich war heilfroh, dass ich nicht mit meinem Auto dort hoch und runter musste, das wäre jeden Tag ein Horror gewesen. Im Haus angekommen war ich begeistert von der Größe und Modernität des Gebäudes. Wir hatten eine eigene Küche, die wir bis auf Kaffee oder Tee nicht benutzen weil wir immer oben mit den anderen aßen, ein schönes Bad mit Badewanne und ein Wohnzimmer mit drei großen Sofas. So viel Luxus! Und eine Veranda mit gigantischem Ausblick:

Beim Abendessen fiel mir zum ersten Mal der religiöse Touch der Familie auf: vor dem Essen wurde gebetet. Es gab zwei riesige Bleche mit einer Art Gemüsegratin, dazu wieder selbstgemachtes Weißbrot, welches wir ofenwarm aßen. Nach dem Essen wurde mir der Arbeitsumfang eines Abendessens bei der Familie stowers bewusst: drei Leute kümmerten sich um den Abwasch und trotzdem waren wir eine halbe Stunde beschäftigt. 18 Gläser und Teller, 18 mal Besteck, riesige Schüsseln und Töpfe und zwei Bleche. Und dann noch Tassen und Gläser, die sich seit dem Mittagessen angesammelt hatten. Viele Leute schafften das Geschirr von dem Tisch auf die Ablage, einer spülte das Geschirr mit einem Schwamm ab, ein zweiter gab das Geschirr in ein zweites Becken um den Schaum vom ersten Becken loszuwerden und ein dritter (ich) trocknete ab, da das ganze Zeug natürlich zu viel Platz wegnahm um luftzutrocknen. Zwei Leute räumten das Geschirr weg. Das nenne ich mal Teamwork! Und meine Schwester und ich stöhnen schon bei Geschirr für vier Personen ;-) Während des Abspülens kamen zwei junge und gut aussehende Männer die Tür rein (die neuen Israelis) und das ganze Begrüßungsritual begann von vorne. Wir ließen den Abend mit ein paar Runden Gruppen-Tischtennis ausklingen, in welchem ich zugegebenermaßen echt schlecht war und dann gingen alle ins Bett. Irgendwann beim Warten auf das Abendessen machte ich noch dieses schöne Foto direkt von der Veranda des Hauses:

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um viertel vor acht, um fünf vor acht saßen wir vier im Auto und fuhren zum Haus hoch. Dort warteten verpennte Kinder und eine Salatschüssel voll mit Müsli auf uns, welches wir mit frischer farmeigener Milch aßen. Die Aufgaben für den Tag waren einfach: alte Kuhfladen von einer Weide aufsammeln, große Haufen bilden und später die Obstbäume damit düngen. Die Kuhfladen lagen schon eine Weile rum und waren deshalb schon sehr trocken (gut zum schaufeln), in dem ein oder anderen wuchsen schon junge Pflanzen oder frisches Gras. Alessandra, ihr Sohn, der jüngste stower-Sohn Romy und ich bildeten 4 riesige Haufen, während die Mädels Carolina und Giselle (die erst auch noch mithalf) mit Brettern, die normalerweise fürs Wasser benutzt werden, die Hügel runterrutschten und den Spaß ihres Lebens hatten. So vergnügen sich also Kinder, die auf einer Farm leben :-) Die anderen woofer jäteten mit Hilfe der älteren stower-Kinder weiter den Gemüsegarten. Weil die Namen bisschen verwirren Liste ich jetzt in aufsteigender Reihenfolge die stower-Kinder auf: Giselle, die Jüngste, ist der Sonnenschein unter den Kindern und ist auf der Farm recht fleißig. Romy, der jüngste Sohn, ist eine Mischung aus Clown und von-der Arbeit-Drücker der Familie, weshalb sich die anderen Kinder oft über ihn aufregen; zu woofern und so auch zu mir ist er äußerst charmant. Helena versetzt einen mit ihrer dunklen Haut, ihren braunen buschigen Haaren und ihren intensiven hellen Augen ins Staunen, sie würde garantiert von sämtlichen Kinder-Model-Agenturen gebucht werden; vom Charakter her ist sie eher ruhig und ernst und übernimmt selbstständig ziemlich viele Aufgaben auf der Farm, beispielsweise Kühe eintreiben, Opossum-Fallen aufstellen und ungebeten Unkraut jäten. Angelina ist typisch Teenager, gackert viel, macht sich gerne hübsch und freut sich besonders, wenn gutaussehende Israelis zu Besuch sind ;-) Renee ist wieder eher ruhig, übernimmt Verantwortung und hat eine Art Erzieher-Rolle, wodurch sie ihre jüngeren Geschwister zurechtweist, wenn irgendwas nicht glatt läuft. Dominik ist der Älteste, ist die rechte Hand seines Vaters, hilft oft beim Abwasch mit und ist stets interessiert, etwas Neues zu lernen. Wie auch Renee ist er eher ruhig. An diesem Freitagabend war wegen der anwesenden Israelis Sabbat angesagt. Die zwei Jungs waren zwar schon wieder weiter gereist, dafür waren ein neues Pärchen und zwei Mädels dazugekommen. Das Pärchen vom Vorabend war auch noch da. Also hatten wir den Auftrag, uns hübsch zu machen um den Sabbat anständig feiern zu können. Deshalb duschten und kleideten wir uns und kamen in das Haus, wo ein schön gedeckter Tisch mit Tischdecke und Kerzen auf und wartete. Überall duftete es nach Leckereien. Das Abendessen begann mit einem Sabbat-Ritual: alle standen um den Tisch herum, die beiden israelischen Männer hatten ihre Kappe Kipa auf. Einer der beiden las einen Text in seiner Sprache vor, mit welchem er die Kerzen, das Brot und den Wein segnete. Das Brot hatten wir wwoofer mit Rachel's Hilfe gebacken. Es war kein normales Brot sondern das traditionelle Challaht, welches süßer und fluffiger als normales Weißbrot schmeckt und zu Zöpfen geformt ist, bestreut mit Sesam. Suchtgefahr! Der Reihe nach bekam jeder ein Stück vom Challah, welches nicht geschnitten sondern nur abgerissen werden darf und mit Salz bestreut gegessen wird. Und jeder (sogar die Kinder, die herrliche Gesichtsausdrücke machten) trank ein Schluck Wein aus einem Glas, welches der Reihe nach rumgegeben wurde. Dann wurde noch ein Gebet gesprochen und danach durfte sich jeder am Buffet bedienen. Es gab neben dem köstlichen Brot (9 Laibe!) farmeigenes Lamm, Kartoffeln, Erbsen, Salat, Gemüseeintopf und noch mehr, woran ich mich jetzt leider nicht mehr erinnern kann. Als Dessert gab es ein französisches Meisterwerk von Julie (schwimmende Inseln zu Deutsch), saftigen Schokoladenkuchen von Joseph und Apfel-Brombeeren-crumble von Rachel, den sie extra für die traditionelle Israeli machte, da diese nicht Fleisch und tierische Produkte wie Milch oder Eier während einer Mahlzeit mischte. Dazwischen müssen laut Regel mindestens 3 Stunden liegen. Nicht nur wegen des Anlasses, auch aus anderen gründen war dieser Abend ein ganz besonderer: wir aßen zu 22 und es waren 6 Nationen an einem Tisch vereint: Kiwi, Brasilien, Frankreich, Japan, Israel und Deutschland. Das war sogar für die Familie stower etwas Besonderes. Während des Abendessens fragte ich das Pärchen Or und Dor wie sie über Deutsche wie mich denken würden. Ich rang eine Weile mit mir, ob ich diese Frage stellen wollte. Irgendwie war es mir unangenehm, als Deutsche neben Leuten zu sitzen, deren Religionsgemeinschaft von meinem Geburtsland im Dritten Reich angegriffen und wer weiß, vielleicht Vorfahren ermordet wurden. Zu meiner Erleichterung stoß ich auf Sympathie, Reflexion und Rührung darüber, dass ich mir darüber Gedanken machen würde. Für Or und Dor ist die Verfolgung der Juden während des zweiten Weltkrieges Geschichte und hält sie nicht davon ab, Deutschland zu bereisen oder sich mit Deutschen anzufreunden. Ich freute mich über diese Einstellung. Nach dem Essen und dem Abspülen wurde Musik aufgedreht und alle tanzten. Jeder tanzte mit jedem. Ich eine ganze Weile mit Romy, welcher seiner ganzen Energie freien Lauf ließ und mich deshalb ganz schön rumwirbelte oder plötzlich beachtliche Breakdance-Einlagen brachte. Es war echt toll! Leider habe ich nur wenige Fotos gemacht, das erste ist von Giselle in ihrem hübschen Kleid und das andere von der Tanzfläche, als sie schon etwas leer war. Es gibt noch andere Fotos, welche die Familie gemacht hat. Ich hoffe ich bekomme die noch und stelle sie sobald ich sie habe hier rein:

Relativ spät ging es dann zurück ins wooferhaus und obwohl wir den nächsten Tag hätten ausschlafen dürfen war meine Nacht sehr kurz: Aya packte noch lange in die Nacht hinein ihre Sachen und föhnte gefühlt Mitten in der Nacht ihre Haare und stand gegen 6 auf um zum Flughafen zu fahren. Ich konnte dann natürlich nicht mehr einschlafen und war dann den ganzen Tag müde. Gegen Mittag verließen uns dann auch Julie, Joseph und die Brasilianer und ich blieb als einziger woofer übrig. Nachdem alle gefahren waren ging es für die Familie und mich zum Fluss Baden. Das Wasser war ziemlich klar und tief (es handelt sich um einen Bereich im Fluss, wo das Wasser mehr steht als strömt) und eiskalt. Trotzdem hatten alle ihren Spaß und so ließen wir den Tag schön ausklingen. Der Grund warum alle wwoofer gefahren waren lag darin, dass die Familie für die kommenden 3 Tage Familientage geplant hatte. Also ohne Israelis und woofer. Also auch ohne mich, ich reiste für diesen Zeitraum auf der coromandel peninsula herum. Eigentlich wollte die Familie einen abgehackten Aufenthalt vermeiden, wegen meiner Zeitplanänderung wegen des Unfalls lief es aber darauf hinaus, dass ich zu diesem Zeitpunkt bei der Familie woofte. Störte mich aber auch nicht weiter.

Mehr dazu beim nächsten Mal Alice

Brodeln und dampfen in rotorua

Mittwoch, 01.03.2017

Am nächsten Tag fuhr ich gemütlich nach Cambridge, um Mona nach ihren Pflichten als wooferin abzuholen - wir fuhren für zwei Tage nach rotorua. Als ich ankam war (typisch Mona) noch gar nichts gepackt, was dazu führte, dass sie vergaß wichtige Dinge wie Kreditkarte mitzunehmen. Als ihr das auf halber Strecke auffiel, beschossen wir, unsere Reise fortzusetzen und nicht zurück zu fahren. Immerhin fand sie in ihrem Koffer unverhofft Reservegeld, welches sie wiederum längst vergessen hatte. Kurzum passte dann wieder alles. Als wir einen Campingplatz gefunden hatten und eingecheckt hatten, füllten wir unsere Bäuche bei Dominos, dem McDonald's unter den neuseeländischen Pizzerien. Im normalen Zustand hätte ich einen weiten Bogen um eine solche Pizza gemacht, doch mein Hunger ließ mich mein Abendessen in Rekordzeit verschlingen. Vollgestopft fuhren wir wieder zum Campingplatz zurück. Dieser Abend war für Mona und mich eine Premiere: für Mona war es das erste mal campen, für mich das erste mal mein gemütliches Bett teilen. Wir überstanden die Nacht gut, das Auto ist doch geräumiger als gedacht, auch wenn es ganz schön warm wurde. Mona gefiel es auch ganz gut, sie entschied sich aber doch dafür, die nächste Nacht in einer Herberge zu verbringen ;-)

Am Morgen fuhren wir nach einem gemütlichen Frühstück mit Ausblick auf den Lake rotorua zu einem Park im Zentrum der Stadt, über dessen Rauchschwaden wir uns schon aus weiter Entfernung wunderten. Am Park angekommen wurde uns klar, dass der Rauch von den zahlreichen natürlichen Schlammtöpfen und Heißwasserquellen aufstieg, für welche rotorua bekannt ist. Überall roch es nach Schwefel, je nach Intensität angenehm oder extrem. Ein paar Bilder:


Für danach nahmen wir uns den redwood park vor, ein gigantischer Wald mit riesigen Mammutbäumen. Man kann dort einige Tracks laufen und wir entschieden uns unwissentlich für einen sehr steilen Weg, der aus dem Wald heraus führte, wo uns die Sonne auf den Kopf brannte. Total erschöpft beschlossen wir den Track zu verlassen und querfeldein Richtung Auto zu laufen. Dabei verärgerten wir den ein oder anderen Mountainbiker, für welche extra trails gebaut wurden, die wir hin und wieder kreuzten. Trotz Anstrengung war es ein schöner Spaziergang, hier ein  Bild:

 

Für den frühen Abend hatten wir ein Event gebucht: maori-Abend mit traditionellem Abendessen. Darauf freuten wir uns schon die ganze Zeit. Wir und einige andere Touris wurden in Gruppen von dem tamaki Zentrum mit Bussen abgeholt. Jeder der fünf Busse stellte einen Stamm von maori dar, der in das maori-Dorf eindrang und sich verschiedenen Aufgaben stellen musste. Unser Bus hieß "Kiwi", unser Busfahrer und damit Guide für den Abend war ein junger und netter maori, welcher uns in den Abend einführte, uns wichtige maori-Wörter wie kia ora (Hallo oder Tschüss) beibrachte und einen Häuptling auswählte. Der Häuptling musste drei Dinge erfüllen: männlich, gut aussehend und vertraut mit Rugby. Da die Auswahl an Männern nicht besonders groß war, war unser Häuptling ein weißhaariger Opa aus Auckland, welcher Tochter und deren Familie dabei hatte. Im 30 Minuten entfernten maori-Dorf würden wir nach Ankunft aller 5 Stämme von den richtigen maori mit einem traditionellen Begrüßungsritual willkommen geheißen. Einige Männer kamen mit einem mit Federn geschmückten Ruderboot einen stilisierten Fluss entlang, einige Frauen tauchten zwischen den Bäumen auf. Alle maori waren mit Federn und ihren speziellen Gewändern geschmückt und hatten aufgemalte tattoos auf ihren Gesichtern. Vor dem Begrüßungsritual wurde uns eindringlich gesagt, dass man weder lachen noch die Mimik nachahmen solle. Teilweise war es schwierig nicht zu grinsen (das war auch nicht erlaubt), weil die maori ihre Augen und Münder aufrissen, lustige Bewegungen mit dem ganzen Körper und auch mit ihren Zungen machten und lustige Geräusche von sich gaben. Jeder Häuptling musste stellvertretend für seine Gruppe je einen maori mit Eskimokuss und kia ora begrüßen. Als es uns dann erlaubt war, das Dorf zu betreten, wurden uns interessante Dinge über tattoos, maori-tanz und anderen Traditionen in unseren Gruppen vorgeführt. Besonders witzig war es, als alle Männer der Gruppe einem Tanz erlernen mussten, den sie dann vorführen mussten. Einige Bilder:


Nach dem eher informativen Teil knurrten schon einige Mägen und deshalb wurde uns der Hangi vorgestellt - die traditionelle Zubereitungsart von maori-Gerichten. Es ist eine Art Ofen unter der Erde, welcher das Essen langsam dämpft. Dabei erhält die Speise eine ganz spezielle Note - bisschen wie geräuchert:

 

Endlich durften die Stämme nacheinander an ihren Tafeln Platz nehmen und sich am Buffett bedienen. Für Vegetarier wie mich gab es zusätzlich noch Kürbislasagne oder Curry, um das Fleisch und den Fisch zu ersetzten und nicht hungrig bleiben zu müssen. Da es aber reichlich Gemüse traditionell zubereitet gab und reichlich Dessert (u.a. pavlova) zur Verfügung stand, wäre das kaum nötig gewesen. Lecker war es aber trotzdem! Während des Essens freundete ich mich mit meinen deutschen Tischnachbarn an: ein schwules junges Pärchen (einer Deutsch, der andere Kiwi, leben beide in Deutschland) mit der deutschen Mutter und einer Freundin. Total nette Leute! Das Pärchen möchte nächstes Jahr nach Neuseeland ziehen und die Mutter ist davon begeistert, da sie dann ganz oft zu Besuch kommen kann :-)

Nach der Busfahrt waren Mona und ich sehr müde und deshalb ging sie direkt in ihr Hostel und ich auf meinen Campingplatz.

Am nächsten Morgen ging es schon früh los zum Waiotapu Thermal Wonderland. Dies ist ein Thermalpark außerhalb von rotorua, in welchem es noch mehr zu sehen gab als ein paar schlammtöpfe. Der Grund warum wir schon so früh da sein wollten: um kurz nach 10 wird ein Geysir aktiv und spuckt Wasser. An diesem Tag wurde mir die fehlende Organisationsfähigkeit der Kiwis wieder mal zum Verhängnis. Wir kamen am Hauptgebäude an, an welchem wir unser Ticket kauften und einen kleinen Spaziergang durch den Park machten. Um pünktlich beim Geysirausbruch zu sein, mussten wir laut Info gegen 10 wieder ins Auto steigen und zum Geysir fahren. Auf dem Parkplatz herrschte großes Chaos mit Autos, die dort parken wollten und mit Autos, die wie wir zum Geysir wollten, die sich aber nicht auskannten, weil kein Schild die Richtung wies. Also fuhren 50% nach links und 50% nach rechts. Wir gehörten zu der Hälfte, die sich falsch entschied. Als ich einen Aufseher fragte und das herausfand, mussten wir auf der kleinen Straße wieder umdrehen, wodurch natürlich bei so vielen Autos nur noch mehr Chaos entstand. Beim Weg zurück sahen wir dann ein Mini-Schild "Geysir", welches vom Parkplatz nicht zu sehen war und deshalb keine große Funktion hatte. Da war ich dann schon wieder in meinem Element und erzählte Mona, dass sowas in Deutschland nie passieren würde.
Zu meiner Verärgerung stellte sich heraus, dass es sich um eine fünfminütige Autofahrt zu einem anderen überfüllten Parkplatz handelte, der wiederum zahlreiche Parkeinweiser forderte. Und dann nach der Geysir-Vorstellung dann wieder dasselbe Theater zum Hauptpark zurück, und das alles auf äußerst engen Straßen. So eine dumme Planung aber auch! Da hätte man auch einfach einen kurzen Track durch den angrenzenden Busch hinbauen können!
Als wir dann endlich saßen und uns die Sonne aggressivst auf die Köpfe brannte, hoffte ich, dass der Geysirausbruch alles wieder gut machen würde. Zehn Minuten vor angekündigtem Ausbruch kam ein Mann auf die Bühne und erzählte Geschichten über den Geysir und erklärte uns, dass man surfactant (eine Art Seife) in den Geysir schüttet, um ihn zu aktivieren. Der natürliche Rhythmus des Geysirs sei 30 Stunden und daher weniger publikumstauglich. Fünf Minuten nach Zugabe der Seife trat Schaum an die Oberfläche und kurz darauf begann der Geysir beachtliche Wassermengen ohne Unterbrechung in die Luft zu spritzen. Hier einige Bilder:

  

Durch das Wasser in der Luft bildete sich eine Art Nebel, welcher das Publikum etwas abkühlte. Als wir geschätzte 20 Minuten später aufbrachen, war der Geysir noch lange nicht fertig und feuerte weiter Wasser in die Luft.
Was ich und meine Mediziner-Freunde hier bemerken: surfactant ist ein Gemisch aus organischen Molekülen, welches man werdenden Müttern kurz vor der Geburt eines Frühchens spritzt um die Lungen des Babys zu reifen, damit die unfertigen Lungen nicht bei Einsetzen der Atmung kollabieren. Der Zusammenhang zur Seife: surfactant setzt die Oberflächenspannung herab, was sowohl bei den Lungenbläschen als auch bei Seifenfunktion wichtig ist. Wieder was gelernt ;-)

Am Ende hatte der Geysir mich also doch besänftigt und es ging zurück zum Hauptpark. Dort schauten wir uns diesmal alles an, neben herkömmlichen schlammtöpfen gab es noch einen sogenannten Champagnerpool und andere Becken, welche teilweise echt verrückte Farben hatten:

 

Danach fuhren Mona und ich zurück zu ihrer woofing-Familie, wo wir erst im kühlen Haus entspannten und uns einen Film ansahen. Netterweise durfte ich wieder bei der Familie Abendessen und campte anschließend in deren Einfahrt. Am nächsten Morgen brach ich nämlich zu meiner vorletzten woofingfamilie auf!

Alice

Entspannen in kawhia und raglan

Mittwoch, 01.03.2017

Nach meinem Höhlenabenteuer fuhr ich in das entlegene Feriendorf Kawhia, wo ich von auffallend vielen Urlaubern und Einheimischen auf meine Reise und Herkunft angesprochen wurde. Ein maori ging fest davon aus, dass ich zwei Mädchen aus Deutschland kennen müsse, die bis vor kurzem auf Kawhia Urlaub gemacht hätten: ganz als ob sich jeder Deutsche in Neuseeland automatisch kennen würde. Spätestens dann wurde mir klar, dass Kawhia wohl kaum von Touristen besucht wird, sich deshalb so viele für einen interessieren und plaudern wollen und den Leuten die Massen an deutschen Touristen nicht bewusst sind. Sympathisches kleines Dörfchen am Meer! Auch am Campingplatz konnte ich mich kaum vom Campingplatz-Besitzer loseisen. Es hätte in Kawhia paar interessante Dinge wie einen hot water beach gegeben (den Bekanntesten gibt es aber in coromandel, wo ich demnächst woofe), ich konnte mich aber einfach nicht aufraffen, sightseeing zu machen. Deshalb verbrachte ich den restlichen Tag am Meer, wo es richtig schön war:

 

Am nächsten Tag regnete es und deshalb fuhr ich direkt nach meinem Frühstück (Pfannkuchen, man gönnt sich ja sonst nichts) nach raglan. Dabei hatte ich zwei Möglichkeiten: eine längere Fahrt auf schönen Highways oder eine direkte und kürzere Verbindung über eine Schotterstraße. Nicht ganz überzeugt entschied ich mich für Letzteres und gurkte mit maximal 30 km/h nach Raglan.
Am Ziel angekommen gefiel mir die charmante kleine Surferstadt mit ihren vielen hübschen Geschäften, Restaurants und einigen Surfschulen. Nach einem Schaufensterbummel zog es mich wieder mal ans Meer und abends joggte ich am Strand. Raglan ist bekannt für 1a Wellen, weshalb sich abends der Großteil der Einwohner in dem Fluten befindet. Viele Frauen saßen mit Kindern am Strand und schauten ihren Männern beim Surfen zu oder brachten ihren Kindern den Umgang mit waveboards bei, hier dreht sich echt alles ums Wasser!
Abends am Campingplatz traf ich noch zufällig auf Joe (wo sollte er sonst seinen freien Tag verbringen als in raglan?), wir beide befanden uns also ohne Abmachung zur selben Zeit in raglan und dann noch auf demselben Campingplatz. Was für ein Zufall!
Wir sahen uns noch eine Weile den atemberaubenden Sternenhimmel an; mir fielen aber schnell die müden Augen zu.

Alice

Abenteuer durch und durch

Samstag, 25.02.2017

Als ich am selben Abend noch Richtung waitomo aufbrach, bereute ich es, das Angebot nicht angenommen zu haben auf dem Parkplatz der edel-Unterkunft in Sicherheit zu nächtigen.
Das Abenteuer begann damit, dass ich in die Dunkelheit hinein fuhr und deshalb mein Abblendlicht brauchte. Da ich aber mit dieser schwachen Variante an meinem Auto überhaupt nichts sehen konnte und die Landstraßen nicht beleuchtet sind, musste ich auf Fernlicht umschalten und deshalb andere Autofahrer blenden. Meine Versuche, bei Gegenverkehr auf Abblendlicht umzuschalten, ließen mich nämlich im Dunkeln. Daher war mir die ganze Autofahrt schon etwas unangenehm. In waitomo angekommen, einem Kaff, welches ich an Größe und Einwohnerzahl drastisch überschätzt hatte, suchte ich den kostenlosen Campingplatz, den ich auf meiner campermate App gefunden hatte. Ich folgte der Wegbeschreibung und fand nichts, was freedom camping auch nur nahe kam. Ich suchte im Dunkeln die gesamte Hauptstraße im waitomo-Bezirk ab und fand gar nichts. Dann begann ich alle Leute zu fragen, welche auf der Straße oder auf Parkplätzen unterwegs war. Niemand kannte den Platz. Ich suchte und suchte und nach einer Weile beschloss ich auszusteigen und in das einzige Gebäude zu gehen, welches Anzeichen von Leben zeigte. Eine Mischung aus Bar und Club, in welcher sich Touristen betranken und zu lauter Musik tanzten. In meinen Trekking-Klamotten etwas underdressed bahnte ich mir den Weg zur Bar und fragte einen netten Barkeeper um Rat. Der wusste auch nicht wovon ich sprach und erklärte mir den Weg zu einer Art doc-Parkplatz, an welchem irgendein Track begann. Das ganze eine zehnminütige Autofahrt von waitomo entfernt in einem Wald. Auf dem Weg dorthin übersah ich den Parkplatz und fuhr eine ziemlich lange Strecke auf einer schlechten Schotterstraße, hochkonzentriert und leicht beunruhigt. Dabei liefen mir einige junge Hasen und Opossums über den Weg, die ich mit meinem grellen Licht blendete. Einige Male musste ich halbe Vollbremsungen hinlegen. Als ich nach einer Weile umdrehte und dann das, was der Barkeeper mir zum übernachten empfohlen hatte gefunden hatte, war ich weniger euphorisch: es war ein dunkler, großer Parkplatz mit Plumpsklo abseits der Straße mitten im Wald. Meine einzige Erleichterung: ein anderes Auto stand auf dem Platz, also wagte es noch jemand illegal an diesem Ort zu campen. Wenn ihr euch jetzt fragt, warum ich nicht irgendwo in waitomo auf der Straße campte: wenn man in Neuseeland beim Campen außerhalb von offiziellen Campingplätzen erwischt wird, muss man 200$ zahlen. Und ich habe jetzt schon von Einigen mitbekommen, dass die Polizei da nicht gerade ein Auge zudrückt. Und zentral ist die Wahrscheinlichkeit größer, als irgendwo im Wald erwischt zu werden. Trotzdem hatte ich eine extrem unruhige Nacht unscientific allem eine kurze: gegen kurz vor sechs Uhr in der Früh brach das andere Auto auf. Ich machte mir Sorgen, dass der Autofahrer mehr Informationen hätte als ich und von einer Morgen-Patrouillie wusste. Deshalb ließ ich mich auf den Fahrersitz plumpsen und fuhr im Morgengrauen wieder Richtung waitomo. Was für eine wenig erholsame Nacht! Um die Zeit irgendwie totzuschlagen und nicht einzuschlafen, um doch noch Polizisten auf mich aufmerksam zu machen, laß ich und telefonierte mit meiner Familie, die sich natürlich wunderte, warum ich denn schon so früh wach war. Warum ich unbedingt in waitomo sein musste? Ich hatte das blackwater-rafting für 10 Uhr gebucht, mehr dazu später.
Also lief ich gegen acht Uhr einen kleinen Track, der mir fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Der Track sollte 1 1/2 Stunden dauern. Ich ging davon aus, dass ich also nach spätestens 1 1/2 Stunden wieder am Beginn des Tracks stehen würde... aber nein! Nach bisschen mehr als einer Stunde wurde mir klar, dass ich ganz wo anders rauskam: Und zwar? Bei dem Parkplatz, auf dem ich übernachtet hatte! Vollends verwirrt joggte ich mit Rucksack in der Hitze in einer halben Stunde zu meinem Auto. Total verschwitzt und den Tag verfluchend kam ich pünktlich um 9:45 Uhr bei CaveWorld an. Schwindlig war mir auch noch, von der Müdigkeit und der Anstrengung. Doch als ich meine Gruppe und den Guide für die nächsten 2 1/2 Stunden kennenlernte konnte ich mich auf das rafting freuen. Die Gruppe bestand aus einem australischen mittelalten Pärchen und drei jungen Asiaten. Der Guide hieß Richard, kurz Rich. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde verteilte Rich Neoprenanzüge und -Schuhe, welche nass und eng äußerst schwer zum anziehen waren. Jeder Zentimeter kostete Kraft. Das Ergebnis:


Mit Helm ausgestattet wurden wir so nah wie möglich zum Eingang der Höhle gefahren und mussten dann noch eine Weile Laufen, bis es dann tatsächlich unter die Erde ging. Mit Neoprenanzug laufen kostet zehnfache Energie, deshalb kam mir die Strecke wie eine halbe Ewigkeit vor. Auf halber Strecke gab es dann noch ein Gruppenfoto:


Die ersten Meter der insgesamt zwei Kilometer langen Höhle erkundeten wir zu Fuß und bekamen schöne Steinformationen, Fossilien, Kuhknochen und Glühwürmchen aus nächster Nähe gezeigt und erklärt. Dabei lernte ich, dass die neuseeländischen glowworms tatsächlich Würmer sind, welche an der Decke hängen und lange Fäden baumeln lassen, mit welchen sie Fliegen und Mücken fangen, wie eine Art "Spinnennetz". Die Kuhknochen stammen von Vieh, welches vor langer Zeit in die Höhlen gestürzt und dabei gestorben ist. Hier einige Bilder zu den Höhlen:


Nach einigen rutschigen und kalten Schritten in der düsteren Höhle ging es endlich ins Wasser: wir saßen in aufblasbaren Ringen und bildeten eine Schlange, indem wir mit unseren Händen die Füße des Hintermanns festhielten. Rich führte uns durch die langen und teilweise engen Höhlenabschnitte und ab und zu blieb ein Knie oder Ellenbogen an den rauen Felswänden hängen. Während der "Fahrt" hatten alle ihre Stirnlampen aus und man starrte an die Decke, welche einem durch die glowworms wie ein Sternenhimmel unter perfekten Bedingungen vorkam. Um die ganze Sache noch aufregender zu gestalten musste man sich einmal mit dem Hintern voraus in ein tiefer gelegenes Becken werfen und später eine düstere und steile Rutsche ohne ersichtliches Ende runterwagen. Beide Male bekam man ordentlich Wasser in die Nase und wenn man nicht gerade selber an der Reihe war war es auch echt witzig den anderen dabei zuzusehen.
Rich hielt viele Momente mit der Kamera fest:

 

Nach der Gaudi gab es noch eine heiße Dusche und Kakao.
Euphorisch von dem rafting konnte ich über die Campingsache und meinen verschätzten Spaziergang schon wieder lachen.

 

 Alice

Von gisborne nach hamilton

Samstag, 25.02.2017

Als ich dann am Mittwoch endlich in mein Auto steigen und meine Reise fortsetzen konnte, schätzte ich mein Auto mehr als je zuvor. Auch wenn es sich leider nicht mehr ganz so sicher anfühlte. Dies lag an zwei Dingen: an dem Linksdrall, der sich gerade bei schneller Fahrt und in Kurven bemerkbar macht und an meinen unwillkürlichen Gedanken an meinen Unfall, die jetzt immer wieder beim Fahren auftauchen.
Deshalb fuhr ich langsam und konzentriert, an alle Skeptiker unter euch ;-)
Mein erster Stopp war whakatane, eine Stadt an der Nordküste der Nordinsel. Sie ist bekannt für ihre Surfer Wellen, langen Strände und den ein oder anderen schönen Track. Bei meinem Spaziergang gelangte ich zu einer versteckten Bucht, deren Strand weniger aus Sand und viel mehr aus weißen Muscheln bestand. Einige Bilder von whakatane:


Abends am Campingplatz lernte ich noch eine junge Deutsche Ex-Abiturientin kennen, mit welcher ich noch bis spät in die Nacht ratschte. Es war irgendwie total interessant sich Geschichten aus ihrem aktuellen Leben anzuhören, ich erinnerte mich wieder zurück an meine Zeit vor drei Jahren. Es kommt einem so vor, als ob es gerade eben gewesen wäre und trotzdem hat sich so vieles verändert. Verrückt!
Wir verabredeten uns für den nächsten Tag um eine Höhle und einen Wasserfall anzusehen. Die waren aber beide so unspektakulär, dass ich nicht einmal ein Foto reinstellen möchte.

Danach ging es weiter nach Mount maunganui und tauranga. Eigentlich sollen das ganz hübsche Städtchen sein, leider regnete es in Strömen und deshalb konnte ich weder den hügelartigen Mount maunganui erklimmen und die Aussicht genießen, noch andere typische sightseeing-Sachen machen. Dafür ging ich in tauranga ins Museum und sah mir eine hübsche Kunstausstellung an. Unter anderem praktizierten buddhistische Mönche ein spezielles medizinisches Ritual: sie kreierten aus buntem Sand, den sie aus Röhrchen auf eine Vorlage rieseln ließen eine Art mandala. Dieses hübsche und circa ein Quadratmeter große mandala soll die körperliche und geistige Gesundheit derjenigen, die es kreieren, fördern und erhalten. Interessant!

Abends auf dem Campingplatz regnete es so stark, sodass man nach wenigen Sekunden im Regen komplett durchnässt war. Deshalb verbrachte ich 95% der Zeit im Auto und laß ein Buch.

Am nächsten Morgen ging es nach Hamilton, wo ich das schwül heiße Wetter ausnutze und vormittags einen kleinen Spaziergang am Fluss entlang machte.
Auf den Geschmack gekommen ging ich in das waikato Museum, wo es eine Bob Marley- und einige maori- Ausstellungen gab.

So, jetzt wird aber das Gedächtnis getestet: wer kennt noch Mona? Punakaiki. Aus Hongkong. Die, die am Strand rollt. Genau! Mona wooft schon eine Weile in der Nähe von Cambridge, was wiederum nahe Hamilton liegt. Da ich mich sehr nach einem freundlichen und bekannten Gesicht sehnte, schrieb ich sie an und wir verabredeten uns für den Nachmittag. Ihr woofing Platz ist eine Art Edel-Unterkunft mit vier rustikalen bis modernen Ferienhäusern, die inmitten einer kleinen öko-Farm lokalisiert sind. Richtig schön! Und man kann sich ein Frühstück dazu bestellen, welches Produkte der Farm enthält wie Milch, Jogurt, selbstgebackenes Müsli, erntefrisches Obst, selbstgemachtes Brot usw. Vor meiner Ankunft bekam ich noch den Auftrag von Mona, zwei große Tüten extra cheesy Doritos zu kaufen. Solche Wünsche äußert nur Mona. Also begrüßte ich sie mit den gigantischen Tüten und durfte sogar zum Abendessen bleiben. Mona hatte eine tolle Zeit seit wir uns zum letzten Mal sahen, ihr Freund aus Vietnam besuchte sie und sie reisten 2 Wochen durch die Südinsel. Außerdem woofte sie bei 2 verschiedenen Familien und hatte paar Geschichten zu erzählen.
Ihre aktuelle woofingfamilie lernte ich beim Abendessen kennen und fühlte mich nicht 100% wohl, es herrschte unangenehme ruhige Stimmung und das Paar strahlte nicht gerade Harmonie aus. Trotzdem fand ich es nett, dass ich dort essen durfte.
Mona und ich verabredeten uns für ihre nächsten zwei freien Tage, an welchen wir rotorua unsicher machen wollten.

Fortsetzung folgt...

Napier und Mahia

Freitag, 17.02.2017

Am nächsten Tag fuhr ich den langen Waldweg wieder zurück und steuerte Richtung Napier.
Bei der Autofahrt fiel mir ziemlich stark auf, wie sich die Vegetation veränderte: von grünen Nadelwäldern zu trockenen goldenen Hügeln (schon längst ausgetrocknete und von der Sonne geblichene Gräser) neben dem blauen Meer.
Napier hat eine ziemlich hübsche Innenstadt mit schöner Fußgängerzone, dem ein oder anderen sichtlich gewässerten Park mit Blumen und saftigem Gras und vielen Palmen. Hier ein Foto:

 

Der Strand von Napier besteht leider aus Kieselsteinen und ist deshalb nicht so gemütlich zu durchlaufen bei meinen so geliebten Strandspaziergängen. Einmal sah ich zwei Haiköpfe am Strand liegen und ich beschloss, nicht besonders weit ins Wasser zu gehen. An meinem ersten Tag hatte es 33 Grad im Schatten und da ich bei diesen Temperaturen im Auto eingehen würde, ging ich an den Strand. Ich musste mich alle fünf Minuten im Wasser abkühlen, um nicht einzutrocknen. Tatsächlich holte ich mir einen kleinen aber feinen nicht sichtbaren aber an den Schultern spürbaren Sonnenbrand, und das will schon was heißen, das passiert mir normal nie.
Außerdem hatte ich noch was zu erledigen: ich musste zum aa (vergleichbar mit ADAC) und mir eine Plakette für die Verlängerung meiner Registration meines Autos kaufen. Ich kaufte eine für sechs Monate für 60$ um den Wert meines Autos beim Verkauf in einem Monat zu erhöhen.
An meinem ersten Abend war ich so platt, dass ich beschloss, am nächsten Tag noch nicht aufzubrechen. Ich hatte einen kostenlosen Campingplatz direkt am Strand mit kalter Dusche gefunden, der mir gefiel. Dort waren auffallend viele Franzosen und einige junge Deutsche (also buchstäblich jung, so 18 ;-) ).
Da ich bei sinkenden Temperaturen gegen Abend doch noch Lust auf Bewegung hatte, machte ich einen Abendspaziergang. Mir schlossen sich zwei 15 jährige frühreife Maori-Mädchen an, die mir aus ihren pubertären Leben erzählten. Anschließend wollten sie einige deutsche Schimpfwörter lernen. Bei unserer Runde gelangten wir in ein Wohnviertel, wo Leute am Boden rumlagen und ein Mann mit Glatze leicht irre mit dem Fahrrad durch die Gegend raste. Die Mädels erzählten mir, dass gewisse chemische Drogen (crack und eine weitere, die mir nichts sagte) ein großes Problem in Napier darstelle. Ich machte mich schnell wieder auf den Rückweg, das war mir in der Dunkelheit doch ein bisschen zu gruselig.
Am nächsten Morgen ging ich an der Strandpromenade joggen. Schön fand ich, dass auffällig viele sportliche Leute auf dem Weg sowohl auf Rädern als auch nur mit guten Schuhen ausgerüstet unterwegs waren. Immer wieder fand man auf der eingetrockneten Wiese Sportgeräte, die man fürs Training als Art Parcours nutzen konnte. Es nervte mich jedoch, dass eine Schnellstraße ganz in der Nähe von dem Weg war und deshalb die entspannte Meeres-Atmosphäre von vorbeisausenden Trucks gestört wurde. Das wäre in Deutschland anders durchdacht und geplant worden! Wenn man den Weg Richtung Innenstadt lief, kam ein Minigolfplatz, ein paar bewässerte Parks mit Springbrunnen, das berühmte Aquarium (so ähnlich wie sea-life) und ein kleiner Park für Kinder, die Fahrradfahren wie auf der Straße in Sicherheit lernen wollten - mit Straßenschildern, Kreisverkehr und Ampeln. Die Stadt Napier hat sich also echt bemüht, die Promenade abwechslungsreich und aktiv zu gestalten.
Hier zwei Bilder:

 
An meinem zweiten Tag war ich noch fauler als am Tag zuvor, der Himmel war bewölkt, weshalb ich meine gereizte Haut auskurieren konnte. Ich machte noch paar Spaziergänge am Meer und entspannte in meinem Auto mit einem Buch, bei geöffneten Türen versteht sich.
Viel Spannendes passierte nicht, was mir sehr recht war. Wobei, ich war noch einkaufen bei paknsave und war überrascht, wie vielen Leuten ich begegnete, die durchaus dem asi-TV entsprungen sein könnten. Die liefen bauchfrei mit schwabbeliger Wampe herum, spuckten in den Eingang des Geschäftes und führten sich auf, während ihre süßen Kleinkinder auf dem unbequemen Gitter im Einkaufswagen saßen anstatt in einem dafür vorgesehen Einkaufswagen mit Kindersitz.
Am nächsten Tag machte ich mich auf Richtung Norden - nach Mahia. In Napier und auf dem ganzen Weg bis kurz vor Mahia regnete es, weshalb ich die eingeplanten Wasserfälle und kurzen Tracks auf halber Strecke nicht machen konnte. In Mahia war das Wetter wieder besser und ich erkundete den Strand - diesmal wunderbar weicher Sandstrand und schönes blaues Wasser und kaum Menschen am Strand. So liebe ich es! Bei meinem langen (2h) Spaziergang wusste ich gar nicht, ob ich lieber ins Wasser oder auf den Sand schauen sollte. Die Wellen kreierten nämlich wunderschöne Muster:

   

Da ich einen unstillbaren Hunger auf Schokolade oder ähnliches hatte, suchte ich mir einen schönen kostenlosen Campingplatz in der Nähe und machte mir Nutella-Pfannkuchen, die ich zuerst gierig, dann nach dem Dritten in gemäßigter Geschwindigkeit verzehren konnte. Da hätte ich dann sogar Zeit für ein Foto:


Vollgestopft erkundete ich den Strand am Campingplatz. Dieser war ein bisschen anders, ein Fluss mündete ins Meer und die Wellen waren bisschen höher. Außerdem hatte sich eine Art Lehm gebildet, der wie damals bei meinem Rochen-Erlebnis kleine Mulden im Sandboden entstehen ließ, wo sich Krebse und Muscheln in knöchelhohem Wasser tummelten. Als ich ahnungslos auf so eine Mulde zulief, wurde ich von einem "etwas" erschreckt, welches aus dem Wasser sprang. Dieses etwas war ein Tintenfisch. Er hüpfte tatsächlich aus dem Wasser und bewegte sich etwa einen halben Meter mit geschickten Bewegungen auf dem Sand im Trockenen weiter. Als er erkannte, dass keine Gefahr herrschte, krabbelte er mit seinen vielen Beinen wieder zurück. Bei dieser Aktion einen Meter vor meiner Nase hatte es mich so gerissen, dass ich laut aufschrie. Wir hatten uns also gegenseitig erschreckt. Wieder zurück im Wasser wollte ich ihn dazu bewegen, wieder aus dem Wasser zu hüpfen, indem ich ihn mit einem Stöckchen ärgerte. Er rührte sich aber nicht mehr. Wenn ich in freier Wildbahn Hunger gehabt hätte, hätte ich ihn locker packen können. Aber ich hatte schon gegessen ;-) nein Quatsch der Tintenfisch war echt hübsch und recht groß, den hätte ich nie töten und essen wollen. Mein Vater aber bestimmt...

Nach diesem Erlebnis war ich wieder relativ wach und lief zurück.

Am nächsten Morgen beschloss ich, noch eine Nacht zu bleiben. Das Wetter war absolut klasse und neben Baden, in der Sonne sitzen und Sudoku spielen passierte nichts Spannendes. Am nächsten Tag sollte es nach Gisborne gehen.

Alice

Zeit Totschlagen in Gisborne

Donnerstag, 16.02.2017

Erinnert ihr euch noch an den Surfer, den ich in Dunedin kennengelernt habe? Genau, der sich mit mir Bridget Jones angesehen hat. Ausgerechnet er war mein Retter in der Not, da er nämlich seit ca. 3 Monaten in Gisborne arbeitet und wohnt. Ich rief ihn an und bat ihn um Hilfe, weil ich für die paar Tage, die ich wegen meines Autos hier verbringen musste, eine Unterkunft und einen Fahrdienst brauchte, um das mit dem Auto geregelt zu bekommen. Gott sei dank waren er und das mittelalte Paar, bei welchem er wohnte, damit einverstanden, mich so lange aufzunehmen. Als ich ankam war Joe in der Arbeit und ich fand Peter vor. Peter ist ein 60 jähriger Veganer, der sich gerne gesund ernährt, täglich stundenlang meditiert, nebenbei Geld als Schreiner verdient und in seine kleine Jacht verliebt ist. Wir verbrachten den gesamten Nachmittag und Abend zusammen, er kochte mir vegane salzige Pancakes, wir fuhren mit dem Fahrrad zur Jacht, die ich bestaunen durfte und unterhielten uns über Meditation. Ein echt alternativer und witziger Typ!
Gegen zehn kam Donna (seine Frau) von der Arbeit nach Hause. Donna ist das komplette Gegenteil von Peter: sie ist ungesund dünn und ernährt sich hauptsächlich von Kaffee und Zigaretten, die ihre Stimme schon ganz rauchig gemacht haben. Vom Wesen her erschien mir Donna sehr ausgeglichen und angenehm. Gegen halb 12 in der Nacht kam dann auch Joe von der Arbeit heim und als ich dann allen dreien hallo gesagt hatte legte ich mich erschöpft schlafen. Was für ein langer Tag! Nicht zu vergessen hatte es mittags 35 grad, was einen eh schon müde macht.

Die nächsten Tage plätscherten so dahin. Das Auto und die Mechaniker raubten mir die letzten Nerven, gleichzeitig unternahm ich viel mit Peter, Donna und Joe, wenn diese frei hatten und sonst lag ich von der Hitze erschlagen auf einem Sofa oder meinem Bett.

Weshalb mich die Mechaniker in den Wahnsinn treiben für ganze 1 1/2 Wochen:

1. War abgemacht, dass sich die Mechaniker ein Bild vom Auto machten und mir Bescheid gäben, wie viel Geld ich in die Reparatur und in den bevorstehenden TÜV investieren müsste, bevor sie beginnen irgendetwas am Auto zu reparieren. Mein Auto sollte als erstes am Morgen angesehen werden, also rief ich morgens an und als niemand dran ging, fuhr ich mittags mit dem Fahrrad hin und fand mein Auto unberührt vor. Ich klärte nochmal alles mit der Büro-Frau ab und diese gab mir die Info, dass man mich anrufen werde mit Kostenvoranschlag, sobald mein Auto angesehen wurde. Als ich dann kurz vor Ladenschluss angerufen wurde und ich zehn Minuten später den entgangenen Anruf sah und zurückrief, war die Werkstatt schon zu. Und wie ich am nächsten Morgen herausfand, war mein Auto bereits repariert. Als ich darauf hinwies, dass dies nicht der Plan war, meinte ein Mechaniker zu mir, er hätte mich angerufen und ich hätte nie zurückgerufen, deshalb habe er es repariert. Aha, in den 5 Minuten vor Ladenschluss, sehr realistisch.
2. Am selben Tag fuhren Joe und ich zur Werkstatt und fanden mein Auto vor. Um den TÜV bestehen zu können, bräuchte ich neue Reifen und meine Reifen müssten neu ausgerichtet werden, da sie durch den Aufprall unterschiedlich wegstanden. Dies könne ich aber nur bei einer gewissen anderen Werkstatt machen. Also fuhren wir dort hin und auf dem Weg kam ich mir sehr unsicher auf der Straße vor: ich musste das Lenkrad ca 15 grad nach rechts drehen, um geradeaus zu fahren. Bei Werkstatt Nummer zwei wurde ich dann enttäuscht, da es keine gebrauchten Reifen gab und er neue bestellen würde, die am Freitag da sein würden (es war Mittwoch).
3. Als ich dann am übernächsten Tag bei Werkstatt Nummer zwei anrief und rauskam, dass sie die Bestellung vergessen hatten, war klar, dass ich bis Anfang der nächsten Woche da bleiben müsste. Bei meinem Anruf am Montag wurde ich auf Dienstag vertröstet und als ich am Dienstag anrief wurde ich gefragt ob ich es eilig hätte. Und ich erfuhr, dass gar keine gebrauchten Reifen geliefert werden konnten weil es nämlich gar keine gab. Nirgendwo in Gisborne und nirgendwo anders. Also bekam ich am Valentinstag neue und teure Reifen drauf, die ich schon am Donnerstag hätte bekommen können.
4. Um das ganze noch mehr zu vermiesen wurde mir erzählt, dass mein Auto einen Linksdrall hatte, weil mein linker reifen durch den Aufprall weiter hinten sitzt als der rechte, was man nicht einfach reparieren kann weil man angeblich nicht genau weiß, was man machen muss um den Fehler zu beheben. Dann hatte ich die Schnauze voll. Und als dann das Sahnehäubchen kam: das Auto bekommt eh keinen TÜV weil rechts hinten der Griff am Auto außen kaputt ist und die Türe deshalb nicht von außen zu öffnen ist, was ein Kriterium für den TÜV ist, bekam ich eine moralische Krise. 800 Dollar hatte ich bereits ausgegeben, Türe würde ca 200$ und die Reparatur der Reifenlage auch nochmal 200$, wobei nicht mal sicher war ob das überhaupt hilft. Ich verfluchte alle Mechaniker für ihre fehlende Fähigkeit zur Organisation und für ihre Unfähigkeit was Autos betrifft. Und ich beschloss, kein Geld mir in das Auto zu investieren, welches eh schon alt und nichts mehr Wert war und bei dessen Verkauf ich so oder so Schwierigkeiten gehabt hätte wegen Saisonende. Der Plan ist: das Auto bis zum Schluss fahren (der TÜV gilt noch bis März) und es dann am Tag vor meiner Abreise an eine Werkstatt verscherbeln, welche die wenigen guten Teile verwenden können.

Gleichzeitig merkte ich, dass sich Donna und Peter langsam wünschten, wieder in den normalen Trott ohne Besucher zu kommen. Ich versuchte zwar mein Bestes und verbrachte meine Zeit mit Arbeiten im Haushalt und Garten und backte jeden Tag irgendwas, um ihnen Arbeit abzunehmen und ihnen den Tag zu versüßen. Trotzdem kam ich mir wie ein Eindringling vor. Trotz allem bemühten sich Peter und Donna sehr und nahmen mich mit an den Strand und Joe half mir mit den Auto-Terminen und widmete mir viel seiner freien Zeit.

  

Zur gleichen Zeit bereitete mir noch jemand ganz weit weg Kummer: meine liebe Oma! Seit Januar geht es ihr schon schlecht und sie ist immer wieder beim Arzt. Ende Januar wurde sie dann operiert - zu der Zeit ging es ihr ziemlich dreckig - und seitdem wird es zwar von Tag zu Tag besser, trotzdem wäre ich viel lieber daheim gewesen um meine Familie zu entlasten und meine Oma zu besuchen und zu pflegen. Und mir ein paar der furchtbaren Ärzte und Schwestern vorknöpfen, die meines Erachtens mangelhaft mit meiner Oma und meiner Mama kommunizieren.

Trotzdem hatte ich auch einige schöne Tage in Gisborne, an denen ich am Meer oder am Fluss entlang joggen oder spazieren gegangen bin oder mich mit Begleitung in die Wellen gestürzt habe. Und ich war nochmal auf dem Farmers market:

   

 

Fazit: wieder mal hatte ich Glück, dass ich für die 1 1/2 Wochen so einen guten Unterschlupf gefunden habe, auch wenn ich mir nichts lieber gewünscht hätte, als das Auto eine Klippe runterzuschubsen und heim zu fliegen.

Alice

Wenn alles anders läuft als geplant

Donnerstag, 16.02.2017

So meine lieben Leute, was am nächsten Tag alles passierte, lässt sich schwer in einen kurzen Eintrag bauen, deshalb wird er lang ;-)

Am nächsten Morgen wachte ich schon relativ früh auf und brach auf nach Gisborne. Nach einer Stunde Autofahrt kam ich auch an und war nicht so begeistert: die Stadt ist zwar in einer tollen Umgebung mit Weingütern und toller Küste, die Stadt finde ich aber äußerst unattraktiv und lieblos. Überall sind riesige Einkaufshäuser, Autohändler und Schrottplätze verteilt und auch das "Zentrum" ist im Vergleich zu Napier wenig charmant. Aber Gisborne ist bekannt für seinen tollen und langen Surfer-Strand. Also machte ich dort einen Spaziergang und verwöhnt von Mahia konnte mich der auch nicht beeindrucken. Ich ging noch auf den Farmers market, kaufte Äpfel und Vollkornbrot und dann hatte ich eindeutig genug. Ich hatte im Reiseführer vom Arboretum gehört. Ein eingezäuntes Stück Wald mit vielen verschiedenen besonderen Bäumen und eine Vielzahl an Tracks, die man laufen konnte. Nach der 30 minütigen Anreise von Gisborne tat mir die schattige und natürliche Idylle des Waldes gut. Auch die Einrichtungen steigerten den Komfort um 100%, das Info-Zentrum war in einem modernen und zugleich sehr naturbetonten Stil gehalten mit viel Holz usw. Sehr schön! Als ich dort erfuhr, dass man nur um im Wald rumzulaufen 15$ zahlen musste, überlegte ich mir kurz, ob es das Wert wäre. Ich entschied mich dafür und stapfte los. Die Bäume gaben Schatten, was bei 33 Grad eine Wohltat war. Die Tracks gingen teilweise relativ steil bergauf und ich legte einige Pausen auf schattigen Bänken ein und lauschte den tausenden Zikaden. Offensichtlich war grad Zikaden-Hochsaison, überall hingen ihre Hüllen/Kokons rum und in ihrer Gesamtheit machten sie einen unglaublichen Lärm:

 

Durch die Hitze war der Wald wenig besucht, mit mir standen ganze 3 Autos auf dem Parkplatz und das Areal ist gigantisch. Bei einer meiner Pausen gesellte sich ein Schweizer in seinen 50igern zu mir und wir unterhielten uns nett. Er war für 10 Wochen hier, arbeitete daheim für Telekom und bekam bezahlten Urlaub, weshalb er hier war. Nicht schlecht, dachte ich! Das Gespräch begann sich in Richtung Straßenverhältnisse in Neuseeland zu entwickeln und er erzählte mir von einer Schotterstraße, die vom Arboretum genau dahin führte, wo ich hin wollte: nach Matawai. Mein Handy hatte mir die Straße nicht angezeigt, ich wäre also wieder zurück nach Gisborne gefahren und hätte dann einen Highway genommen. Wäre also doppelte Strecke gefahren. Er konnte nicht verstehen, dass diese "hochwertige" Schotterstraße nicht auf Google Maps angezeigt war. Ich war dankbar für den Tipp und nach ein Paar mehr Spaziergängen setzte ich mich in mein Auto und fuhr diese tolle Schotterstraße. Eine halbe Stunde ging es gut. Bevor ich nach NZ kam war ich solche Straßen nicht gewohnt und hatte die ersten Male Probleme darauf zu fahren. Mittlerweile fühlte ich mich recht sicher. Dachte ich. Ich genoss die Landschaft, fuhr in mittlerer Geschwindigkeit und in einer Kurve in der es leicht bergab ging, passierte es: mein Auto kam ins Schleudern. So stark, dass ich Panik hatte, rechts die Böschung runter zu krachen. Ich versuchte gegenzulenken, was falsch ist, wie ich jetzt weiß und versuchte reflexartig zu bremsen. Das Schlechteste, was ich hatte tun können. Also fuhr ich kurz unkontrollierte Schlangenlinien und krachte dann frontal in die Felsmauer zu meiner linken. Dieses widerliche Gefühl und den Krach werde ich nicht so schnell vergessen. Es schleuderte einige kleine und leichte Sachen von meinem Bett nach vorne. Mir tat nichts weh aber ich hatte einen Mords Schock. Mit zittrigen Beinen und vibrierenden Händen stieg ich aus und schaute mir mein Auto an. Vorne sah es gar nicht so schlecht aus. Aber ich sah schon, dass sowohl die Stoßstange als auch andere Sachen unten kaputt waren. Irgendeine Metallplatte lag am Boden. Kacke! Ich bog mein Kennzeichen zurecht, stieg ein und wollte ausprobieren, ob mein Auto noch funktionierte. Außerdem konnte ich nicht so stehen bleiben. Im nirgendwo auf einer Schotterstraße. Ich ließ den Wagen an und fuhr. Was für ein Glück! Ich wollte es nur noch zur nächsten Werkstatt schaffen, die jedoch gewiss noch weit entfernt liegen würde. Netz hatte ich keins, Internet natürlich auch nicht. Nach ca 500 Metern gab es ein hässliches Geräusch und das Auto begann langsamer zu fahren. Offensichtlich war ein Reifen blockiert, denn ich konnte weder lenken noch effektiv fahren. Mit lauten unschönen Geräuschen und Willensstärke fuhr ich soweit an den Straßenrand (halb in einen Graben), sodass andere Autos vorbei fahren konnten. Ich fühlte mich verloren. Warum zum Teufel war ich diese Straße gefahren? Wieso hatte ich überhaupt von der Straße gehört? Ich sah mir das Auto an: irgendwas vom Motor oder eine andere "Innerei" des Autos war am linken Ende runtergekracht und blockierte jetzt meinen linken Vorderreifen, der in einem komischen Winkel wegstand.

Nach circa fünf Minuten kam ein Auto vorbei, meine Rettung! Ich brachte eine Familie in einem vorbeifahrenden Auto zum anhalten. Sie waren sehr hilfsbereit und boten mir an, mich dort hin zu fahren, wo sie her gekommen waren. Eine Art Event. Also mit vielen Leuten, die mir helfen könnten. Ich sprang ins Auto, sie quetschten sich an meinem Auto vorbei und wir fuhren ca. 3 Minuten. Wir bogen auf eine Art Feldweg ab, an welchem viele Pferdeanhänger rumstanden und einige Pferde an Zäunen angebunden waren. Ich war auf einem kleinen Reitturnier gelandet. Die Familie stellte mich einem Mann vor, der mir weiterhelfen sollte und fuhr von dannen. Der Mann war sehr sympathisch, fragte, was passiert war, platzierte mich auf einem freien Stuhl neben ihm und bot mir Essen und Bier an: "Ah, shit happens. Do you want a beer?". Nervös und immer noch zittrig war mir nach gar nichts zumute, ich konnte nur darüber nachdenken, wie es jetzt weitergehen würde mit mir und meiner Reise. Das Auto ist ziemlich alt, bei einem schweren Schaden würde es sich also kaum rentieren es zu reparieren. Ich sah mich schon komplett pleite mit meinem ganzen Gepäck beladen am Straßenrand für eine Mitfahrgelegenheit betteln.
Das Turnier war Gott sei dank schon am Ende angelangt, die Preisverleihung zog sich ewig. Nicht mal der Anblick der Kinder, die freudestrahlend mit zahlreichen Medaillen behangen einen Riesenspaß hatten konnten mich effektiv von meinen pessimistischen Gedanken befreien. Es stellte sich heraus, dass der Mann Andrew, mit dem ich sprach auf einer Farm ganz in der Nähe mit seinen zwei Brüdern Mike und Bruce und seinen Eltern aufgewachsen war. Bis vor kurzem wohnten die Eltern noch dort, mittlerweile hatte der mittlere Sohn mit Frau und Kind die Farm mitsamt Traumhaus übernommen. Der ältere Sohn Bruce ist mit einer deutschen Krankenschwester verheiratet und das Paar lebt mit zwei Kindern in Auckland. Der jüngste Sohn, Andrew, lebt verheiratet und kinderlos in Christchurch. Seine Frau war aber leider nicht da. Relativ schnell und ungezwungen wurde klar, dass ich auf der Farm übernachten könnte um die nötigen Vorkehrungen mit meinem Auto zu treffen. Mittlerweile war es nämlich schon Abend. Als das Turnier dann endlich vorbei war und sich die Aufmerksamkeit auf mein Auto richtete, das seit über einer Stunde mit Warnblinker schepps auf der kurvigen Straße stand, begannen meine Gedanken sich zu sortieren. Bruce kennt sich mit Autos aus und verschaffte sich einen ersten Überblick auf mein Auto. Als er dann zurück kam und leicht ernst und leicht grinsend meinte: "the car might be seriously damaged" (das Auto könnte ernsthaft beschädigt sein) und sich meine Befürchtungen bestätigten, trommelten die drei Brüder alle Leute zusammen, die mir und meinem Auto irgendwie helfen könnten. Also wurde mir ein Bauer vorgestellt, dem das Land gehörte, das sich in unmittelbarer Nähe von meinem Auto befand und ein anderer, der einen großen Traktor besaß, welcher mein Auto auf das nächste Feld "abschleppte". Sowohl die drei Brüder als auch die Bauern hatten zwar alle schon einen knallroten Kopf von sowohl der vielen Sonne (es war verdammt heiß an diesem Tag!) als auch von der nicht unerheblichen Zahl an Bieren, welche sie sich an einem so besonderen Tag wie an jenem (einmal im Jahr + gesamte Familie vereint) gegönnt hatten. Trotzdem wurden die Vorkehrungen bedacht und erfolgreich getroffen. Der Traktor hob den vorderen Teil meines Autos an, um zusätzlichen Schaden an den Reifen zu vermeiden und schleppte mich rückwärts durch Gestrüpp auf besagtes Feld ab.
Ich packte die wichtigsten Sachen für die Nacht und verstaute sie auf dem Truck, welcher mich auf die Farm der Familie fuhr. Ein wunderschönes großes Landhaus mit einmaligem Blick auf teils goldene, teils noch grüne Hügel.
Da Zweifel geäußert wurden, ob mein Auto und dessen restlicher Inhalt dort unten auf dem Feld sicher war, besonders weil durch den Warnblinker die Batterie leer und mein vorderes Fenster aber noch leicht geöffnet war, fuhren wir spätabends nochmal runter, ich nahm alles Wichtige mit und die Männer luden meine Batterie nebenbei auf. Vollgepackt kamen wir wieder oben an. Die ganze Familie saß zusammen, ratschte und zeigte mir Bilder und Videos vom Turnier, wir aßen zu Abend und es wurde wild herumüberlegt und telefoniert, ob irgendeine meiner Versicherungen für den Schaden und fürs Abschleppen bezahlen würde. Trotz aller Bemühungen mussten wir jedoch zu dem Entschluss kommen, dass weder der ADAC hier in Neuseeland, noch meine Reiseversicherung oder sonst noch eine Versicherungen der Kreditkarte etc etc für die Kosten aufkommen würden. Also wurde eine gute und günstige Werkstatt rausgesucht, welche mich am nächsten Mittag abschleppen und sich das Auto ansehen würde.
Nach einem langen und unterhaltsamen Abend in guter und wohlwollender Gesellschaft fiel ich totmüde in ein überaus gemütliches Bett in einem geräumigen und eleganten Gästezimmer und dachte mir: "so viel Luxus hätte ich ohne den Unfall heute nicht gehabt". Man muss auch sagen, dass ich verdammtes Glück bei der Wahl des Tages meines Unfalls hatte. Nur einmal im Jahr findet dieses Turnier statt, also sind nur einmal im Jahr alle Bauern der gesamten Gegend dort versammelt. Sonst hätte ich anstatt den vielen Menschen nur eine leere Wiese aufgefunden und dann wäre mir wahrscheinlich auch den ganzen Tag kein Auto entgegen gekommen. Ich hätte meine Nacht also im Auto dort auf der Straße verbringen müssen. Häuser sah man keine von der Straße aus. Und das nächste Kaff lag weit entfernt. Trotz allem hatte ich also großes Glück gehabt!
Am nächsten Morgen wurde ich früher als erwartet (gegen 6) von aufwachenden und lärmenden Kindern geweckt, die im Wohnzimmer rumrannten und größten Spaß hatten. Nach einer Stunde schaffte ich es, mich aus meinem Bett zu wälzen. Die gesamte Familie war schon auf den Beinen und es wurde eifrig Frühstück gemacht: Spiegelei mit Kroketten, Speck und Weißbrot. Richtig Englisch halt. Dazu noch wahlweise Ketchup.
Nachdem mir die Kinder noch vorgestellt wurden, die abends zuvor schon geschlafen hatten, hatte ich die komplette Familie durch. Die Frau des mittleren Bruders, die das Haus übernommen hatten, führte mich ein bisschen auf dem "häuslichen" Grundstück herum. Also im Garten, einem kleinen Wäldchen, dem Hühnerstall und zeigte mir ihren kleinen niedlichen Kater, dessen Namen ich leider vergessen habe und die neun Hunde, die hier auf der Farm arbeiteten. Alle schwarz-weiß und mit viel überschüssiger Energie. Hier auf der Farm ist es üblich die Hunde zu streicheln und mit ihnen zu spielen, was mir sehr sympathisch war.
Gegen Mittag wollte mir Andrew die gesamte Farm zeigen. Mit einem four Wheeler rasten wir in teilweise haarsträubender Geschwindigkeit Hügel rauf und runter. Ich bekam einen Fahrradhelm, weil ich noch nie auf so einem Teil gesessen hatte. Es machte echt richtig viel Spaß und ich erhielt einen guten Überblick über die Größe und Vielfalt der Farm. Gigantisch. Tausende Schafe und Kühe. Und dabei alles mit Ausblick auf den Te urewera National Park:

   

Beim Auf- und Absteigen von dem Fahrzeug, um die Tore zu öffnen und schließen, die verschiedene Weiden voneinander trennten, nahm ich ungewollt eine ganze Portion Kuhfladen mit, der sich in meine Hose ätzte. Andrew musste lachen und hoffte, dass es nicht meine beste Hose sei. Darauf könnte ich nur schwach lächeln, denn es war schon eine meiner Lieblingshosen. Hätte mich mal jemand vorgewarnt, dass ich mich durch Kuhweiden schlagen würde.
Danach zeigte er mir noch den Scher-Stall, in welchem fünf Schafe gleichzeitig geschoren werden können. Die geschorenen Schafe werden dann eine Art Rutschbahn runter geschubst und kommen dann in einen anderen Stall. Die Scher-Saison war schon vorbei, deshalb befanden sich nur noch Paar große Pakete mit der weniger qualitativen Wolle im Stall (Wolle vom Bauch, die etwas verfilzt und dreckig war; diese Wolle wird für Teppiche verwendet und nicht für Klamotten).

Nach der Tour schoss ich noch die obligatorischen Familienfotos und dann kam auch schon der Abschleppwagen. Ein äußerst sympathischer junger Kiwi fuhr diesen Wagen und so ratschten wir fröhlich bis zum Ziel Gisborne, wo sich die Werkstatt befand, die sich mein Auto nach dem verlängerten Wochenende ansehen sollte.

Fazit: ich hatte meinen ersten Autounfall, hatte aber Glück im Unglück mit dem Timing und mit den Leuten, die mir halfen und mich so großzügig aufnahmen. Außerdem meinte Andrew: wenn man auf einer Schotterstraße einen Unfall hat, zählt das nicht. Das passiert einfach ;-)

Alice

Tongariro Alpine Crossing

Dienstag, 31.01.2017

Tongariro alpine crossing

Am Morgen der Abfahrt von der Farm hatte ich ein blödes Gefühl. Die beiden waren abends zuvor sehr enttäuscht und sehr lieb gewesen. Doch als ich am nächsten Morgen Fiona begegnete und sie schlecht gelaunt wie eh und je war, wusste ich, dass es eine gute Entscheidung gewesen war. Außerdem fand ich was Lustiges heraus: Mona, das Mädchen aus Hongkong, mit welcher ich im veganen Hostel zusammengearbeitet hatte, erzählte mir zu dieser Zeit oft von einer Farm, auf welcher es nur Karotten und Kartoffeln und bisschen selbst geschlachtetes Fleisch gegeben hatte. Die Arbeit war hart und sie entschied sich nach einer Woche anstatt nach 3 Monaten zu gehen. Es war dieselbe Farm! Welch ein Zufall! Ich bin mit Mona immer noch in Kontakt - wir treffen uns bald auf der Nordinsel - und als ich ihr die Fotos von den Tieren schickte, wusste sie sofort Bescheid und wollte mir nicht sagen, dass ich an die "Kartoffel-Karotten-Farm" geraten sei, falls es mir dort gefiel. Als ich ihr berichtete, dass ich früher gehen würde, klärte sie mich darüber auf. Was für ein Zufall!!! Es gibt so viele Farmen in Neuseeland! Wir mussten beide lachen.

Nachdem ich mich in Stratford mit Essen eindeckte und tankte,ging es Richtung Tongariro National Park. Dort wollte ich am nächsten Tag das beliebte und bekannte Tongariro Alpine Crossing machen. Die 7-8 stündige Wanderung beginnt und endet an zwei verschiedenen Parkplätzen, weshalb es ratsam ist im Voraus einen Shuttlebus zu buchen. Da dieser jedoch mindestens 30 Dollar kostet und ich gehört hatte, dass man sich mit anderen Autobesitzern absprechen konnte und seinen "privaten" Shuttle organisieren konnte, versuchte ich mein Glück. Euphorisch fand ich auf der Backpacker Seite auf Facebook zwei Mädchen, die eine Anfrage rausgeschickt hatten für genau den Sonntag, an dem ich wandern wollte. Ich war begeistert! Nachdem abgeklärt war, dass sich ein Mädchen in den Kofferraum setzen würde (ich habe ja nur 2 Sitze!) stand der Sache nichts mehr im Wege... EIGENTLICH.
Ich fuhr an einen coolen kostenlosen Campingplatz im Nationalpark, wo es zwar keine Dusche aber dafür einen hübschen Fluss gab, wo ich mich erfrischte. Herrlich:


Dann ging es nach einem wunderbar abwechslungsreichen Abendessen früh ins Bett, weil ich am nächsten Tag um 5 aufstehen musste, um die Mädels zeitig um halb sieben zu treffen (1h Autofahrt).

Als mein Wecker klingelte und es komplett dunkel war, hätte ich am liebsten einfach nur weiter geschlafen. Aber nein, ich hatte den Mädels versprochen zu kommen und außerdem freute ich mich schon sehr auf den Track. Nachdem ich mir Haferflocken reinstopfte, obwohl ich gar keinen Hunger hatte aber Energie tanken musste, verärgerte ich bestimmt die ein oder anderen Camper mit denn Anlassen des Motors und dem Licht, welches ich brauchte um meinen Weg durch den Campingplatz sicher zu machen. Also fuhr ich in die Düsternis auf Schotterstraßen, bis man langsam am Horizont erkennen konnte, dass ein neuer Tag beginnt. Die Sonne ging orange hinter den Vulkanen im Nationalpark auf und ich wusste, dass mich eine geniale Wanderung erwartete.
Als ich am vermeintlich richtigen Parkplatz ankam, sah ich mich etwas um, konnte aber die beiden Mädels nicht finden. Ich quatschte mit einer Familie, die seit 3 Jahren in einem Camper wohnt und ganz Neuseeland bereist. Nachdem eine viertel Stunde verstrichen war, wollte ich die beiden anrufen und fragen, wo sie denn blieben. Ich hatte leider kein Netz, borgte mir deshalb das Handy der Frau, mit der ich mich unterhielt. Mailbox. Ich wunderte mich und im Gespräch mit der Familie kam heraus, dass ich am Shuttle-Parkplatz und nicht am crossing-Parkplatz stand. 100 Meter Luftlinie. Sofort sprang ich in mein Auto, parkte nebenan und fragte mich durch alle Leute. Nichts. Die Wärterin am Parkplatz stellte mir ihr Handy zur Verfügung, wieder Mailbox. Ich suchte weiter und als ich schon etwas genervt der Wärterin wieder begegnete, berichtete sie mir, dass die zwei zurückgerufen hatten. Sie waren 15 min nach Treffpunkt losgefahren. Als ich später wieder Netz hatte sah ich, dass sie nicht einmal versucht hatten, mich zu erreichen als sie mich nicht fanden. Blöde Weiber, kann ich da nur sagen. Verzweifelt fragte ich mich durch die Leute, ob ich Ersatz finden könnte. Also jemanden mit Auto, der mich zum anderen Parkplatz mit nimmt und den ich nach der Wanderung wieder zu seinem Auto fahren konnte. Als ich die Hoffnung aufgegeben hatte, sprach mich der Amerikaner Nick an. Mit demselben Plan und Auto. Er war mit der Indonesierin Linda unterwegs, welche schon eine Mitfahrgelegenheit gefunden hatte und sich deshalb schon am "Start-Parkplatz" befand. Total erleichtert beschlossen wir, mein Auto zu nehmen, damit wir nachher zu dritt gemütlich im Viersitzer zu meinem Auto fahren konnten.
Es stellte sich heraus, dass ich tolle Wanderkomplizen gefunden hatte! Die beiden kannten sich erst drei Tage und deshalb kam ich mir nicht vor wie das dritte Rad am Wagen. Ideal. Und deshalb dachte ich mir im Nachhinein: wer weiß für was das gut war, vielleicht hätte ich mich ganze sieben Stunden lang über schlechte Gesellschaft geärgert ;-)

Das crossing an sich war der absolute Hammer! Erst ging es durch Landschaften, die an den Mond erinnerten:

 

Dann konnte man Krater und alte Lava erkennen und immer wieder stieg Rauch aus Löchern im Boden:

 
Und der Höhepunkt der Wanderung waren die blauen Seen: vier türkise bis blaue Seen, die wirklich so eine intensive Farbe haben! Die Fotos sind nicht bearbeitet!

 

Die ganze Wanderung lang roch es nach Schwefel, mich erinnerte es total an das Schwefelbecken in den Therme Erding - pure Entspannung für meine Seele!
Die letzten der 18 Kilometer zogen sich ganz schön. Das Ziel immer in Sichtweite schlängelte sich der Weg in ausladenden Serpentinen bergab. Da wollte derjenige, der den Wanderweg "erfand" wohl die Wanderer etwas ärgern. Es kam mir oft so vor, als ob wir uns eher dem Ziel entfernten als näher kamen. Da bin ich aber nicht die Einzige, viele sagen das Gleiche!
Nachdem Nick und Linda mich zu meinem Auto fuhren und ich mich auf den Weg zu einem Campingplatz machte, war ich ganz schön fertig. So früh aufgestanden, so viel frische Luft und so viel Bewegung!

Am Campingplatz angekommen freundete ich mich beim Abendessen mit den zwei deutschen Ex-Abiturienten Tobi und Mats an. Die zwei waren echt super nett, wir redeten über Wanderungen, das Leben in Autos/Zelten, andere highlights auf beiden Inseln und vieles mehr. Danach spielten wir noch Karten ("arschloch") und blieben relativ lang wach. Wir tauschten noch Blogs aus, ich finde es sehr interessant, den Blog von anderen Leuten zu lesen. Noch eine Anekdote: als wir uns darüber unterhielten, was wir denn zu Hause in Deutschland so machen würden und ich vom Studium erzählte, fragte Mats: "dann bist du aber auch schon älter oder?" Das fand ich echt witzig weil ich mich noch nicht als "älter" bezeichnen würde. Langsam geht's bergab bei mir ;-) aber klar, in ihren Augen bin ich natürlich älter!

Am nächsten Morgen ging es nach taupo, einer Stadt, die an dem wunderschön blauen Lake taupo gelegen ist. Die Stadt ist ziemlich unspektakulär aber der See ist schön klar und hübsch gelegen:


Ich machte einem Spaziergang am See entlang von einem Badestrand zur Stadt und wieder zurück. Die Sonne brannte bei 25 grad im Schatten ganz schön runter und ich badete eine kleine Runde. Als ich wieder am Strand saß, beobachtete ich eine Familie mit drei kleinen Kindern und Welpen beim Baden. Offensichtlich war es das erste mal Baden beim Hund, zuerst weigerte er sich ins Wasser zu gehen. Später wurde er immer neugieriger und kletterte auf Felsen, auf denen er häufig ausrutschte und sprang euphorisch ins Wasser, von wo aus er mit hektischen Bewegungen ans Ufer schwamm. Süß war, dass er das Wasser nicht einschätzen konnte und deshalb mit seinen Pfoten mehr auf die Wasseroberfläche als auf den Seegrund zielte, weshalb er etwas hilflos lief. Die ganze Familie freute sich und applaudierte. Süß!

Da es am nächsten Tag Richtung Napier gehen würde, suchte ich mir einen kostenlosen Campingplatz auf der Strecke. Ich landete in einem Wald alleine auf einem Campingplatz, umgeben von Bäumen. In der Beschreibung hieß es schon, dass man sich wie der Hobbit vorkäme und so war es tatsächlich. Hören tat ich nichts außer Eulen in der Nacht und kein Licht außer das der Sterne erhellte den Himmel in der Nacht. Toll! Wenn ich mich auch über gute Gesellschaft gefreut hätte, ganz alleine war es ein wenig gruselig...
mein Platz:

 

Alice

Avonstour

Montag, 30.01.2017

Am nächsten Morgen weckte mich seit langem der Wecker auf. Ich hätte noch viel länger schlafen können. Aber naja, ich konnte mich auf meine sechste woofing Familie freuen! Ich stand nach einem Mal Schlummern auf, richtete meine sieben Sachen her um nachher bei der Familie startklar zu sein und das Gepäck schon griffbereit und nicht im ganzen Auto verteilt zu haben. Gegen zehn machte ich mich auf den Weg zur avonstour breeding farm, also eine Farm, die sich auf die Aufzucht seltener Tiere spezialisiert hat. Hier würde ich drei Wochen verbringen:

 

Ich folgte Beschreibung und Navi und fand die Farm problemlos, welche sich eine halbe Stunde von Stratford im nirgendwo befindet - im schönen nirgendwo wohlgemerkt.

Ich kam etwas zu früh an und als ich mich vorsichtig durch den Bauernhof zu einem Haus durchschlug, welches von Menschen bewohnt aussah, reagierte niemand auf mein Geklopfe und mein Gerufe. Ich wartete wenige Minuten und hörte den Motor eines kleinen Fahrzeugs lauter werden. Eine Frau in ihren Fünfzigern saß in diesem offenen vierrädrigen Gefährt mit Ladefläche. Ihr Name ist Fiona, sie ist klein, fahl und schien nicht gerade in smalltalk-Laune zu sein. Das Einzige, was sie an einem ganzen Satz raus brach war: "Ich hoffe du hast keine Angst vor harter Arbeit!". Die Redewendung kommt mir von meinem Vater bekannt vor, aber um Himmels Willen nicht als Begrüßung für einen neuen woofer. Mein Magen zog sich ein bisschen zusammen.
Fiona ist der Kopf der Farm: sie plant und durchdenkt alles und behält Kontrolle über das, was gemacht werden muss. Kurze Zeit später traf John ein, er ist sozusagen die Exekutive der Farm und kümmert sich eher um grobe Arbeiten wie Holz hacken, Schafe scheren und ums Fleisch. Tiere Füttern teilen sie sich auf, da hat jeder seine Präferenzen.
John ist eher der gesprächige und lachende Typ. Die dritte und letzte Person auf der Farm war die wooferin Caroline, eine sympathische und tiefenentspannte deutsche Soziologin in ihren frühen Dreißigern. Ist ja eine interessante Mischung, dachte ich mir.

Als ich mich allen vorgestellt hatte wurde nicht lang rumgetan, so viel Zeit gab es nicht. Ich erfuhr, dass ich in einem riesigen alten Wohnmobil schlafen würde, das auf einer Weide mit Pferden und Eseln stehen würde gemeinsam mit anderen Caravans oder Booten, welche zu woofing-Schlafplätzen umfunktioniert wurden. Als ich das Ding sah, alt, ohne Strom, fließendem Wasser oder Möbeln, die den Komfort gesteigert hätten, war ich erst mal unsicher, was ich davon halten sollte. Außerdem war die Weide einen fünfminütigen Fußmarsch von dem Haus entfernt (ohne Internet oder Netz und zu weit entfernt vom WLAN im Haus) und Caroline schlief in einer Hütte auf einem Hügel wieder ganz wo anders. Meine Koppel:


Zeit für Zweifel gab es auch nicht, es ging sofort ran an die Arbeit. Ich begleitete Fiona und sah ihr dabei zu, wie sie die Aufgaben tat, die ich bald selber machen sollte: Ziegen füttern, Futter nachfüllen und noch paar Sachen mehr. Dann gab es Mittag essen: eine Brühe, in der Kartoffeln, Karotten und Fleisch schwammen. War gar nicht schlecht. Meine Stimmung war eher neutral, aber als mir Caroline erzählte, dass Fiona immer so "grumpy" sei, die Arbeit vier Stunden überschreiten würde und Caroline in wenigen Tagen vorzeitig abreisen würde, dachte ich über einen Fluchtplan nach. Mir viel nichts Gutes ein und ich wollte der Sache einen Versuch geben.

Nach dem Mittagessen bestand Carolines und meine Aufgabe darin, cambucha von großen Eimern, wo er angesetzt wurde und eine Woche verweilt hatte, erst einige Male zu filtern, um eine klare Flüssigkeit zu gewinnen und danach in Plastikflaschen abzufüllen, welche etikettiert und gedeckelt werden mussten. Der Pilz, der den cambucha entwickelt, wird für jede Geschmacksrichtung einzeln in Einmachgläsern gehalten, solange, bis die jeweilige Geschmacksrichtung verwendet wird: der Pilz sieht ein bisschen aus wie eine tote Qualle:

 

Wir bereiteten Brennnessel, Cumera und Verbenna zu. Die Arbeit war ganz witzig, weil Caroline und ich ratschen konnten, wenn Fiona uns nicht gerade zurechtwies oder ermahnte, ja keinen Tropfen daneben zu schütten. Wir nahmen es mit Humor.

Caroline hatte geplant, an diesem Abend auf ein "Festival of lights" im 1 Autostunde entfernten New Plymouth zu gehen. Dort würde unter anderem eine Band aus Amsterdam ("my baby") unter freiem Himmel in einem Park spielen, der mit vielen bunten Lichtern geschmückt war. Diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, deshalb fragte ich vorsichtig, ob für mich noch was geplant sei an diesem Abend oder ob ich Caroline begleiten könne. Ich durfte und Caroline war froh, denn sie fährt nicht gerne alleine nachts durch die Gegend. Sie warnte mich vor, dass sie langsam fahren würde. Das Ausmaß war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Aber ich freute mich riesig, etwas meinem Alter gerechte Action in meinem Leben zu haben. Also fuhren wir los und tatsächlich: statt 100 fuhren wir teilweise 40 km/h und machten damit den ein oder anderen Autofahrer hibbelig - ich nehme es ihnen nicht übel!
In New Plymouth schüttete es wie aus Kübeln und deshalb wurde das Konzert in eine Basketball- Halle verschoben. Weit weniger stimmungsvoll als in einem bunten Lichter-Park unter Sternenhimmel. Ich war froh, ich konnte sitzen. Kaum begann die Band zu spielen (fragt bitte nicht welche Musikrichtung, alternativ und undefinierbar) waren auch schon die ersten Leute auf der Tanzfläche. Ich musste stutzen: Frauen mittleren Alters tanzten neben Grundschulkindern in einer Sporthalle mit Publikum im Nacken zu Musik, zu der man beim besten Willen nicht tanzen kann. Ich war sprachlos. So ein Selbstbewusstsein! Und solche dancemoves! Dabei würde ich mich schon als extrovertierte Tänzerin bezeichnen, aber diese Bewegungen und - ehrlich gesagt Gewagtheit - verblüffte mich sehr. Und als ich gegen Ende alleine (Caroline wagte sich auch vor) mit wenigen anderen Tanzfaulen auf den unbequemen Sportbänken saß, verbrachte ich die Zeit damit, Leute beim Tanzen zu beobachten. Jedes Alter tanzte, im Bauernstyle über high heels zu Müttern mit Kindern in den Armen und Schwangere. Ich war begeistert und belustigt zugleich:

 

Hier sieht man, wie sich die Tanzfläche nach und nach füllt.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz war es schon finster und wir liefen noch an den Lichtern vorbei, die im gesamten Park verstreut Bäume, Brücken, Seen, Laternen, Wasserfälle usw schmückten. Es war herrlich, wenn auch ordentlich frisch:


Auf der Heimfahrt toppte Caroline nochmal ihren zuvor aufgestellten Langsamkeits-Rekord, wir brauchten ohne Verkehr die doppelte Zeit, die das Navi berechnet hatte. Gegen Ende fiel ich vor lauter Müdigkeit in einen kurzen Schlaf. Als ich einschlief, hieß es noch 13 Minuten bis zum Ziel und als ich aufwachte, waren es 35. Ich dachte sie verarscht mich. Sie war tatsächlich trotz Navi nicht von der Hauptstraße auf die Straße abgebogen, in der sich avonstour befindet. Eine einzige Abbiegung! Mehr wäre es nicht gewesen! Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte. Ich war tot müde. Nachdem ich ihr Bescheid gab, sie einen passenden Ort zum Wenden fand ("falls jemand kommt!" Mitten in der Nacht auf einer Straße, die Bauernhöfe miteinander verbindet) und wir mit meiner Unterstützung den Weg heim fanden, war ich sprachlos, wie (halb-)erwachsene Menschen so verballert sein können. Eigentlich wollte ich noch auf sie warten, um in der Düsternis auf meine Koppel zu gehen, weil sie noch irgendetwas von ihrem Auto in einem Caravan verfrachten musste, doch nach wenigen Minuten wurde mir klar, dass es sich noch um Stunden handeln würde. Ich beschloss, mich alleine den Pferden, Eseln und Schafen zu stellen (die waren schon müde und deshalb brav) und als ich im Pyjama und mit geputzten Zähnen in meinem Bett lag, hörte ich sie endlich draußen rumkruscheln. Gute Entscheidung, dass ich alleine vor ging!

Nach einer kurzen aber komatösen Nacht weckte mich mein Wecker um viertel vor acht. Ich zog mir meine Arbeitsklamotten an, die ich von der Farm gestellt bekam und stapfte rüber in Johns Haus. John und Fiona sind zwar ein Paar, leben und schlafen aber in verschiedenen Häusern, welche sich beide auf der Farm befinden. Frühstück wird ohne die beiden eingenommen. Also traf ich Caroline, die kurz nach mir verpennt eintrudelte. Das Frühstück erschien mir etwas fad: es gab zwar frischgemolkene Ziegen- und Kuhmilch (Highlight am Frühstückstisch!), aber dafür nur einfache Haferflocken, Instant-Kaffee oder Schwarztee Beutel. Brot gab es nicht. Ich erfuhr auch warum: John hat eine Glutenunverträglichkeit und Laktose-Intoleranz, Fiona mag/verträgt keinen Zucker. Also essen die beiden morgens mittags und abends Kartoffeln mit Ei oder Fleisch. Immer. Albtraum für einen Feinschmecker wie mich, aufgewachsen mit einem Koch als Vater und einer begnadeten Hobby-Köchin als Mutter. An dem Frühstück musste ich was ändern. Wir hatten Erdnussbutter und selbstgemachte Marmelade, das hatte Potential. Ich beschloss nach der Arbeit Brot zu backen.
Die Arbeit machte mir viel Spaß: wir führten die Pferde auf ein Stück Wiese neben der Straße, wo sie um sonst grasen konnten, molken die Kuh Susi und die Ziege Mrs Brown, fütterten Alpacas, Schafe, Lämmer, Kälber, Enten, Hühner, Schweine, Ziegen und ein Emu.
IEs war toll! Ich wusste, dass mir diese Arbeit trotz allem drum herum Spaß machen würde. Alle Tiere waren äußerst freundlich.
Einige Bilder:

          

Nach dem Füttern wurde ich gefragt, ob ich beim Hackfleisch machen mithelfen wollte. John schlachtet selbst, früher verkaufte er sein Fleisch doch seit neueren Regelungen kann er es nur noch für den Eigenverbrauch verwenden. Ich ließ bereits aus weiser Voraussicht bei meinem ersten gemeinsamen Mittagessen verlauten, dass ich weder beim Schlachten dabei sein möchte noch irgendetwas davon mitbekommen will. Dies wurde akzeptiert. Meine Arbeit bestand darin, Fleisch, welches John von dem enthäuteten und ausgenommenen Tier schnitt, welches von der Decke baumelte (Ziege), in kleine Stücke zu schneiden und dann durch die dafür vorgesehene Maschine zu lassen. Damit hatte ich kein großes Problem. Komisch, dachte ich: sobald das Fell weg ist und es mich nicht mehr an ein flauschiges Tier erinnert, verschwindet auch meine Hemmung. Und eigentlich bin ich ja auch dafür, Fleisch vom Bauern mit glücklichen Tieren zu essen.
Zu Mittag gab es wieder Kartoffeln, Karotten und Fleisch. Nach der Arbeit backte ich ein Haselnuss-Karotten-Brot für Caro und mich und sie bereitete eine Art Ricotta mit Rosmarin aus der überschüssigen Kuhmilch zu:


Es kristallisierte sich heraus, dass Caro zwar unglaublich verplant und in vielen Situationen überfordert war (in der Küche, mit Tieren, bei der Reiseplanung) aber ein sehr liebes und gutmütiges Wesen ist. Außerdem stellte sich heraus, dass wir woofer trotz der überdurchschnittlichen Arbeit (laut woofing Seite sind nur vier Stunden erlaubt!) noch für den gesamten Abwasch, ich wegen meiner Begeisterung am Kochen für Mittag- und Abendessen zuständig war und dass Fiona dauerhaft gestresst und schlecht gelaunt war. Wenn man etwas falsch machte, gab es sofort eins auf den Deckel, wenn man sich bemühte (ich pflückte in meiner freien Zeit Pflaumen, um Obst essen zu können und backte einen crumble, um die Geschmacksknospen zu erfreuen und evtl. die Gemüter zu erhellen) wurde das kaum anerkannt. John schien Fiona auch manchmal nicht wirklich zu verstehen und fragte mich sogar einmal, ob ich wüsste, was er falsch gemacht habe um die schlechte Stimmung seiner Partnerin zu erklären. Fionas Verhalten fand ich unangemessen und unprofessionell. Nachdem Caro gegangen war blieb die ganze Arbeit in der Küche an mir hängen. Ich blieb mit Caro in Kontakt. Sie wollte eventuell wieder kommen, weil ihr die beiden gemeinsamen Tage auf der Farm gefallen hatten. War auch echt schön, sie zeigte mir die gesamte Farm, wir erledigten viele Aufgaben gemeinsam und konnten uns gegen Fiona verbünden.
Die Arbeit mit den Tieren machte mir viel Spaß, ich wurde von Tag zu Tag effektiver beim melken. Ich hatte vor diesem Aufenthalt noch nie gemolken und wollte das schon immer mal machen. Es macht so viel Spaß! Bei der Kuh sind zwar die Euter größer, die "Teile", an denen man letztendlich zieht sind aber kleiner und unhandlicher. Bei der Ziege hat man sozusagen mehr Volumen und ich konnte deshalb mehr Druck ausüben und hatte ein größeres Erfolgserlebnis. Doch auch bei der Kuh ging es von Tag zu Tag besser:


Die Pferde Hero und Sheila und der Esel Blue machten auch jeden Tag weniger Dummheiten, weil sie merkten, dass ich mir ein paar Sachen wie Grasen während dem Laufen nur am Anfang gefallen ließ.
Hero:


Sheila:


Von Blue gibt es ein Video, ich versuche es demnächst einzufügen, vom Handy aus geht das leider nicht. Ich sag euch dann beschied, sobald das Video online ist!!


Ich freundete mich auch immer mehr mit der Ziege Benjamin an. Er war von den anderen Ziegen auf der Koppel gemobbt worden. Wenn einzelne Tiere mit der Gruppe nicht klar kommen, werden sie normalerweise geschlachtet. Doch Benjamin überlebte wegen seines außerordentlich lieben Charakters. Deshalb ist Benjamin abseits der bullies auf einer Grünfläche neben der Straße an einem Häuschen ganz für sich alleine angebunden. Er hat ca 4m Radius und kann sich relativ gut bewegen. Morgens wird er immer an anderen Plätzen festgebunden, um genug grasen zu können. Abends kommt er dann wieder zu seinem Häuschen. Bei einer dieser Aktionen wurschtelte ich an seiner Kette rum, um sie an den dafür vorgesehenen Platz zu befestigen. Dabei kam mir der verschmuste Benjamin Nahe an meinem Kopf und ohne Vorwarnung knabberte er zwar sanft aber mit Zähnen an meinem linken Ohr. Ich erschrak, musste aber gleichzeitig loslachen. Seit diesem Tag verbrachte ich immer ein bisschen mehr Zeit bei ihm und knuddelte ihn. Er ist wirklich eine ganz besondere Ziege:


Auch die anderen Tiere hatten ihren eigenen Charakter. Die Ziege John beispielsweise büxt immer aus seiner gigantischen Koppel aus. Mit seinen langen und gewundenen Hörnern wundert man sich, wie er sich durch die engen Metallseile durchzwängen kann. Einmal beobachtete ich ihn dabei, es funktioniert wirklich, er koordiniert Kopf-, Huf- und Körperbewegung so, dass das Unmögliche möglich wird. Dann macht er sich auf anderen Koppeln geschickt über alles her, was er irgendwie erreichen kann und schlüpft manchmal einfach wieder zurück, wenn er genug hat. Man beachte die Lage seiner Hufe:


Außerdem gibt es ein Alpaca namens Feli, welche sich als Ziege identifiziert. Sie wurde mit der Flasche aufgezogen und liebt deshalb die Nähe von Menschen. Sie mag keine Artgenossen und ist deshalb auf der Ziegenweide von John. Ihr Futter nimmt sie jedoch nicht so wie alle anderen Ziegen vom Teller sondern nur per Hand, wenn es ihr zu stressig wird weil die Ziegen um sie schwirren verzichtet Madam auf ihr Essen.
Der Kater milow trinkt sein Wasser nur aus dem laufenden Wasserhahn in der Badewanne:


Die Alpacas auf der Alpaca-Weide verzichten aufs Essen, wenn man es gewagt hat die Schafe auf ihrer Weide grasen zu lassen. Ich wusste das nicht und wollte wie am Vortag mit Fiona zusammen die Alpacas in Richtung Futterstelle jagen. Als ich von der Schafherde verfolgt auf die Alpacas zu rannte, bewegten sich die stolzen Tiere kein bisschen. Irritiert gesellte ich mich in ihre Mitte und versuchte, sie zum Laufen zu bewegen. Als sie begannen, komische Bewegungen mit ihren Mündern zu machen und mir dämmerte, dass Spuckgefahr drohte (die spucken noch mehr als Lamas!!) nahm ich schleunigst Reisaus:


Eines Abends warnte mich John vor, dass sich ein Stier auf meiner Koppel befand, ich werde einen Stock brauchen. Der Stier sei auch mit der Flasche aufgewachsen und stürze sich deshalb auf alle Menschen um mit ihnen zu spielen. Mittlerweile sei er aber zu groß zum Spielen und deshalb eine Gefahr für Menschen, auf die er zurennt/die er umrennt. Leicht panisch leuchtete ich meinen Weg durch die Dunkelheit. Ich horchte ganz genau, sehen konnte ich nicht so weit. Doch anscheinend schlief er schon und interessierte sich auch nicht in den frühen Morgenstunden für mich, als ich aufs Klo und später wieder zur Arbeit stapfte. Dies war mir ganz recht. Ansonsten verfolgen einen ständig Enten und Hühner.

Gegen Ende der Woche traf ein junges Pärchen aus Kanada ein, um zu woofen und das Farmleben kennenzulernen. Da sie nur einen Monat in Neuseeland verbringen und deshalb nur 3 Tage woofen einplanten, wurden sie nicht in das Tiere Füttern eingearbeitet, sondern kümmerten sich um das Holz. Davon waren sie etwas enttäuscht und verließen die Farm früher.
Am selben Tag beschloss ich, dass ich trotz meiner Liebe zu den Tieren auch schon früher gehen würde. Meine letzten 8 Wochen in Neuseeland wollte ich nicht auf einer Farm verbringen, auf der ich mich nicht richtig wohl fühlte. Dafür war die Zeit einfach zu schade. Schweren Herzens verabschiedete ich mich von den Tieren, warnte Fiona und John vor und verschwand eine Woche nach Ankunft. Ich bin sicher das war die richtige Entscheidung.

Alice

Mein Geburtstag

Montag, 23.01.2017

In der Nacht auf meinen Geburtstag hatte es stark geregnet. Davon wachte ich zwar zwei mal auf, fühlte mich aber wohlig warm in meinem Schlafsack und schlief bei dem entspannenden Prasseln gleich wieder ein. Gegen acht wachte ich auf, öffnete meine Vorhänge und hatte den schönen See mit ganzen Truppen von Enten vor mir. Manchmal -wenn ich noch ganz schlaftrunken bin- ist es morgens eine Überraschung wo ich denn gerade bin: am Meer, See, im Wald? Wo hat es mich denn gestern nochmal hin verschlagen?
Aber an diesem Morgen wusste ich wo ich war und was für ein Tag es war. Zur Einstimmung hörte ich mir ein Geburtstagsständchen an, welches mir eine Freundin der Familie zum letzten Geburtstag geschickt hatte. Internet hatte ich nämlich keines und deshalb konnte ich mich auch noch nicht an aktuellen Glückwünschen und Ständchen erfreuen.
Vorsorglich schmierte ich mir drei dicke Nutellabrote - es ging ja auf den Berg ; ) .
Auf halber Strecke zum Mount taranaki (als ich wieder Empfang hatte) wurde mein Handy von Nachrichten bombardiert. Ich konnte es nicht abwarten, fuhr links ran und verschaffte mir einen Überblick über die ganzen Glückwünsche. Dann bekam ich einen Anruf von Mama, Papa und meiner Schwester und freute mich sehr über Ihre Stimmen. Meine Schwester ist schon schwer im Bali-Fieber, in gut zwei Monaten treffen wir uns dort und machen drei Wochen gemeinsam Urlaub. Mein Vater fragte mich, ob ich nicht schon die Schnauze voll hätte vom Kiwiland - noch nicht lieber Papa ; ) aber ich freue mich auch schon wieder auf daheim. Meine Mama und ich stehen jeden Tag im Kontakt über WhatsApp und telefonieren jeden Sonntag - ich weiß also über alles Bescheid was gerade zuhause passiert, ganz so, als ob ich auch da wäre :-).
Nach dem Telefonat setzte ich die Autofahrt fort und der Berg, welcher eigentlich ein inaktiver Vulkan ist, verschlag mir den Atem:

 

So schön sich die Schneekuppe auf den Bildern machte (es hatte genau in dieser Nacht geschneit!), hielt der Schnee mich davon ab, den Gipfel zu erklimmen. Das Informationszentrum riet stark von dem Summit Track ab, da die kleinen Pfade bei Schnee sehr rutschig und gefährlich sind. Trotzdem lief ich den Beginn des Tracks und wollte mir ein eigenes Bild machen, denn als Deutsche würde ich das bisschen Schnee vielleicht unwesentlich finden. An der Schneegrenze angekommen ließ ich mich auch erst noch nicht abschrecken, als die Wege dann aber schmaler und die Abgründe steiler wurden und statt Schnee mehr Schneematsch und die Pfade zu Bächen wurden, beschloss ich, dass das iCentre recht hatte und bog auf einem anderen Track ab. Insgesamt war ich 3 Stunden unterwegs und beim bergab Laufen merkte ich, dass meine Beine zitterten. Also waren die drei Stunden gerade richtig, der Summit Track hätte ganze 6 Stunden gedauert. Auf meinem Weg nach oben hatte ich einen tollen Ausblick:

   

Wieder beim Auto angekommen fuhr ich in die kleine Stadt Stratford, wo ich mir hungrig wie ich war meinen eigenen Geburtstagskuchen kaufte: chocolate fudge mit cookies, der war gut:


Zu meinen Geburtstag gönnte ich mir wieder einen "guten" Campingplatz, einen mit tollen Einrichtungen und sogar einem Pool! Nachdem ich also einen Teil meines Kuchens gegessen hatte, begab ich mich schwerfällig ins Wasser und schwamm ein paar Runden. Danach waren meine Kräfte wieder alle da und ich fühlte mich danach, nochmal an die frische Luft zu gehen. Da schoss ich dann noch ein tolles Foto von dem mt taranaki:


Zur Feier des Tages gönnte ich mir in Stratford eine Pizza, die ich genüsslich verspeiste. Meine Hoffnung, mit den Mitarbeitern etwas Italienisch sprechen zu können bis meine Pizza fertig war, wurde jäh enttäuscht: der Besitzer war Inder, der Rest Kiwis.
Mein Essen schmeckte trotzdem gut, auch wenn mein lieber papà bestimmt etwas auszusetzen gehabt hätte ; )

 

Mit vollgeschlagenem Bauch rollte ich wieder zum Campingplatz zurück und tat etwas, was ich schön wochenlang nicht mehr getan hatte: Fernsehen. Es gab einen schönen und modernen Aufenthaltsraum mit Flachbildschirm und Sofas, und das beste: ich hatte alles für mich! Also breitete ich mich auf der Couch aus und sah mir Teile von Filmen an, die gerade liefen, bis mir die Augen zu fielen und ich ins Bett/Auto ging. Was für ein Luxus-Tag! Eigentlich waren es nur Pizza und Fernsehen, daheim wäre das völlig unspektakulär gewesen. Aber ich fand es toll.


Schon fielen mir die Augen zu
Alice

Whanganui National Park

Montag, 23.01.2017

Ich verbrachte die nächsten 1 1/2 Tage hauptsächlich mit Autofahren. Das einzig Spannende, was es zwischen Wellington und whanganui gibt, sind weitläufige Strände mit schwarzem Sand. Klingt toll, als ich aber da war machte das Wetter nicht so wirklich mit, ich hob vor lauter Wind fast ab und über die Wellen würden sich wohl auch nur Surfer freuen. Außerdem lagen überall angeschwemmte Holzstämme rum. Ich beschloss weiter zu fahren und stürzte mich wieder in den Verkehr. Ich muss sagen, dass die Autofahrer in dieser Region bisher die gestresstesten sind. Wenn man sich nicht auskennt und deshalb eine Sekunde lang zögert wird man sofort derb angehupt. Deshalb war ich froh, als ich wieder in ländlichere Gebiete fuhr. Mein Ziel war der Whanganui Nationalpark. Whanganui an sich ist eine unspektakuläre Stadt, laut lonely planet für ihre Glasbläserei bekannt, wovon ich aber leider nichts mitbekommen habe. Durch die Stadt fließt ein breiter Fluss, auf dem viele Leute Wassersportarten wie Rudern, Wasserski usw betreiben. Interessanter wird es jedoch, wenn man der Whanganui River Road am Fluss entlang folgt, die sich durch den Nationalpark schlängelt. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich mit der Nordinsel versöhnt. Ich konnte wieder richtig atmen. Ich war begeistert von der Natur.
Was mir auffiel: man hatte das Gefühl, die Vegetation konnte sich nicht zwischen Nadel- und Regenwald entscheiden. Deshalb wechselten sich Areale mit Palmen mit Tannen ab:

 

Sonst gab es noch ein paar Wasserfälle, exotische Vögel mit ihrer Brut und wilde Ziegen zu beobachten, die ganz schön laut kommunizierten ; ).
Hier noch ein paar Bilder:

 

Die Straße führte nicht nur in pure Natur sondern auch an einigen maori-Dörfchen vorbei. Es hätte mich schon sehr interessiert, in so ein Dorf zu gehen. Doch schon mein Reiseführer warnte davor, ungefragt in die Kultur einzutauchen; als ich dann kurz anhielt und aussteigen wollte, wurde ich von paar Einwohnern kritisch beäugt und deshalb widerstand ich und fuhr weiter. Ich fände es an ihrer Stelle wahrscheinlich auch nervig, wenn sich ständig Touristen einschleichen würden und das Dorfleben zur Touristenattraktion werden würde.

Und schon war der Vorabend meines Geburtstages gekommen. Ich hatte für "meinen Tag" eine Wanderung auf dem Mount taranaki geplant, einem Vulkan. Deshalb wollte ich an einem schönen ruhigen Platz nicht allzu weit entfernt vom Vulkan übernachten. Meine camping-app "campermate" half mir dabei, neben wenig idyllischen Plätzen wie Supermarktparkplätzen einen kostenlosen Campingplatz am Lake rotokare zu finden. Um hier her zu gelangen, musste ich durch zwei elektrische Tore durch, die Hunde, Katzen und andere Tiere davon abhalten, die Vögel zu stören. Im und um den See herum tummeln sich viele verschiedene Enten, Gänse usw und sogar Kiwis soll es hier geben! Nach einer kalten Dusche unter freiem Himmel spazierte ich eine Stunde einmal um den kleinen See herum. Ein toller Spaziergang:


Nach meinem Abendessen (Gemüsepfanne mit feta im Gegensatz zu Tofu am Tag davor ; ) ) viel ich tot müde ins Bett!

Wellington

Montag, 23.01.2017

Am nächsten Morgen war ich schon früh wach und etwas nervös. Um 11:15 Uhr setzte die Fähre ab und das gab mir ein komisches Gefühl. Ich war aufgeregt, weil ich keine Ahnung hatte, wie es ist mit dem Auto auf die Fähre zu kommen und hoffte, dass nichts schief ging. Ich freute mich, weil ich viele schöne Orte und neue Bekanntschaften vor mir hatte. Und ich war traurig, weil ich die wunderschöne Südinsel mit all den lieben Menschen und tollen Erfahrungen hinter mir ließ. Das Auto auf die Fähre bzw von der Fähre runter zu bekommen war schon mal easy, also konnte ich mich entspannen. Auf dem Deck angekommen, hatte ich eine tolle Aussicht auf den Hafen pictons:

 

Die Überfahrt dauerte 3 1/2 Stunden. Am Anfang saß ich draußen und konnte gar nicht aufhören, die bezaubernden marlborough sounds zu bestaunen, durch die sich die Fähre durchschlängelte:


Doch irgendwann wurde es windig und frisch draußen und ich begab mich nach innen. Dort war die Klimaanlage auf gefühlt -10 Grad eingestellt und ich gönnte mir fish&chips, die ich genussvoll aber frierend aß. Beim Essen lernte ich ein älteres Pärchen aus England kennen, welches sich ihren Lebenstraum erfüllte, nachdem sie endlich in Rente und ihr ganzes Leben lang für eine Weltreise gespart hatten. Sie sprudelte geradezu vor Euphorie und zählte mir alle Orte auf, ab denen aus bisher gewesen waren und er sah ihr entspannt und schmunzelnd dabei zu. Süßes Pärchen. Der Rest der Fahrt zog sich etwas und ich war froh, als ich endlich in mein Auto steigen und ans Land fahren konnte.
Die Freude legte sich sofort, als ich auf das Verkehrschaos zusteuerte. Wellington ist im Berufsverkehr mit seinem Einbahnstraßen-Labyrinth, steilen und engen Straßen und den überteuerten Parkplätzen ein echter Albtraum. Deshalb peilte ich eine Wohngegend etwas außerhalb vom Zentrum an und fand nach langer Suche einen Parkplatz, für welchen ich nicht 15$ pro Stunde zahlen oder einen Ausweis für eine Residenz hier haben musste. Dafür musste ich aber auch 20 Minuten zurück ins Zentrum laufen. Bergab. Dabei ergab sich dieses Bild mit der tollen Aussicht:

 

Im Zentrum angekommen schreckten mich Baulärm (teilweise vom Erdbeben in Mitleidenschaft gerissene Häuser/Straßen), Polizeisirenen und Menschenmassen ab. Ich merkte, dass ich müde und ko war und dass es mir schon vor der Fahrt auf den Campingplatz grauste, welcher sich eine halbe Stunde auswärts befand. Ich beschloss, dass ich die Stadt jetzt nicht in ihrem Umfang schätzen und bewundern konnte und begab mich in mein Auto zurück. Sobald ich aus der Stadt draußen war, war das Autofahren auch schon etwas angenehmer.
Als ich abends mit vollem Bauch in meinem kuscheligen Bett lag, musste ich grinsen: durch die drei Monate im ruhigen und natürlichen Süden war ich ein richtiges Landei geworden! Ich vermisste die unkomplizierten Straßen und Campingplätze, auf denen ich fast alleine schlief. Hier war es voll und eine Gruppe von pubertierenden Deutschen, die die Gemeinschaftsküche in Beschlag nahm, laut Musik hörte und sich in furchtbarem Slang über Einfältigkeiten unterhielten, gab mir den letzten Rest. Um nicht total zu verzweifeln, ging ich schlafen.
Am nächsten Morgen hatte ich einen friseurtermin im Zentrum. Als ich aufwachte, hatte ich ein gutes Gefühl für den Tag. Gott sei Dank! Ich war zwar wieder im Berufsverkehr, aber ausgeschlafen und mit freien Parkplätzen im Visier (wo ich am Vortag geparkt hatte), wurschtelte ich mich durch. Auf dem Fußweg zurück ins Zentrum und zum Friseur viel mir auf, wie schön Wellington war. Die Straßen sind gepflegt, es gibt tausende Bars, Cafés, Restaurants, Clubs, Geschäfte und Boutiquen und einen schönen Hafen, wo sich viele Leute tummeln. Als ich den Friseursalon betrat, wusste ich, dass ich in guten Händen war (Empfehlung des deutschen Mädchens, welche ich wenige Tage zuvor kennengelernt hatte) und tatsächlich bekam ich einen tollen Haarschnitt nach meinen Vorstellungen verpasst. Und eine göttliche Kopfmassage beim Haarewaschen auf einem Massagestuhl! Tag gerettet!
Wieder auf den Straßen angekommen verliebte ich mich in einige Geschäfte, besonders in einen, in dem ich mir im Sommersale einen Blouson, zwei Röcke und Flipflops kaufte. Im topshop hätte ich mich mit genügend Geld totshoppen können, da hat mir jedes Teil gefallen. Ich dachte an mein Ich in 10 Jahren und sah mich in all diesen wunderschönen Klamotten.

Glücklich legte ich eine Pause ein und machte ein selfie von mir und meiner neuen Frisur:

 

Danach ging es noch weiter in den botanischen Garten, zur Universität, zum Parlament und in eine deutsche Bäckerei, wo ich mir gutes Brot und eine Käsestange kaufte. Solch herrliches Brot hab ich schon Ewigkeiten nicht mehr gegessen. In Neuseeland ist jedes Brot weich (auch die Kruste!!! Warum??), ist nicht wirklich Vollkorn auch wenn es drauf steht und schmeckt fad und ungesund. In der Bäckerei arbeitete tatsächlich ein junger Mann aus Berlin und wir hielten kurz smalltalk auf Deutsch.
Das ist die Standbahn zum botanischen Garten:

 

Nachdem ich die wichtigsten Straßen und den schicken Hafen abgeklappert hatte, ging es wieder zurück zum Auto. Ich hatte zwar noch längst nicht alles gesehen und könnte noch Tage damit verbringen, andere Ecken der Stadt zu erkunden und in Museen zu gehen (da hatte ich überhaupt keine Lust drauf), aber ich wollte nicht noch eine Nacht auf dem Campingplatz übernachten und außerdem hatte ich einen Zeitplan, den ich einhalten musste. Und ich brauchte frische Luft.


Alice

Meine letzte Woche auf der Südinsel

Montag, 16.01.2017

Der Abschied von meinen neu gewonnen Freuden viel mir etwas schwer und nach 3 Wochen mit 24 Stunden Geplauder am Tag grauste es mir fast, wieder ganz allein im Auto zu sitzen!

Meine erste Tat in "Freiheit" war, im post Office in Punakaiki nach meiner Weihnachtspost zu fragen, welche drei Wochen früher hätte ankommen sollen - kurz vor Weihnachten halt. Leider gibt es um Weihnachten rum Engpässe bei der Besetzung der Kiwi Post, da Weihnachtspost auf Weihnachtsurlaube der Angestellten aufeinanderprallen. Eine Woche nach meiner Abreise bekam ich eine Nachricht von Marine, der Managerin im Hostel, dass meine Briefe endlich angekommen seien. Jetzt werden diese an meine nächste wwoofing Familie gesendet... bin ja schon gespannt ob ich meine Post jemals in Händen halten werde...

Danach ging es an den nördlichen Teil der Westcoast, wo ich einen Track lief, der zu einer Robbenkolonie führte. Diese roch man bevor man sie sah. Wer nicht riechen kann, ist hier klar im Vorteil. Doch beim Anblick der kleinen Robbenbabies, die in kleinen Salzwasserbecken im Felsen gemeinsam spielten oder sich zu ihren faulenzenden Müttern kuschelten, könnte man über den stechenden Geruch zumindest eine Weile hinwegsehen ;-) :

 

Abends probierte ich zum ersten Mal den Campingkocher aus, welchen ich zusammen mit meinem Auto gekauft hatte. Da ich erst etwas überfordert mit dem Gerät war, fragte ich ein kompetent aussehendes Pärchen (Deutsch, was sonst?) um Rat und bekam idiotensicher erklärt, wie man dieses Ding verwendet. Anfangs etwas skeptisch freundete ich mich ziemlich gut mit dem mobilen Sternekochgerät an. Ehrlich gesagt koche ich bei schönem Wetter jetzt viel lieber unter freiem Himmel wo ich Platz und Ruhe habe als in einer vollen und stickigen Küche.
Seitdem gehe ich fast nur noch auf günstige Campingplätze, Geld und Nerven sind kostbar!

An meinem zweiten Tag fuhr ich wieder nach Motueka, wo ich mich mittlerweile schon sehr gut auskenne. Dort sah ich bei meiner heiß geliebten Jogging-Runde reife Mirabellen und Blutpflaumen an Bäumen hängen. Also war klar: ich werde zurück kommen und ernten. Leider regnete es am selben Abend, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Mental bereitete ich mich an jenem Abend auf das vor, was ich am nächsten Morgen vor hatte: skydiving aus 16.500 ft Höhe. Das entspricht der Höhe, auf der gewöhnliche Linienflugzeuge fliegen. Ein Geschenk an mich selbst, zu Weihnachten (in gewisser Weise finanziert von meinem Onkel, danke!).
Der Morgen war gekommen und komischerweise war ich nicht nervös. Aber ich freute mich wie ein Schnitzel. Als ich dort ankam, sah ich schon die ersten in ihren Overalls in das Flugzeug einsteigen, das Flugzeug abheben aber die Leute springen konnte ich nicht sehen, viel zu hoch und klein für meine schlechten Augen. Na super, dachte ich mir. Jetzt werde ich das erste mal in meinem Leben skydiven und ich werde die Landschaft unter mir nicht erkennen, weil ich kurzsichtig bin!
Nachdem ich angemeldet war, bekamen wir ein kleines Briefing von einem sympathischen Kiwi und als er uns ein Video davon zeigte, was uns erwarten würde, wurde mir klar, dass ich die Höhe eindeutig falsch eingeschätzt hatte. Es sah abartig aus. Ich konnte nur noch lachen, vielleicht ist das auch meine Art und Weise, mit Aufregung umzugehen. Kurz darauf durfte ich mir auch schon meinen rot weißen Overall und ein dämlich aussehendes Hütchen anziehen, jetzt sah ich wie ein vollkommener Trottel aus; alle anderen Gott sei dank auch. Bald bekam ich meinen Sprung-Partner zugewiesen, ein netter und entspannter Kiwi, welcher schon 13000 mal gesprungen ist. Er war so tiefenentspannt, ich fühlte mich auf Anhieb sicher. Das ist das Team: "Meiner" ist derjenige, der sich von der hinteren Reihe nach vorne beugt:

 

Was ich ziemlich witzig finde: natürlich werden die Partner nach Körpergewicht zugewiesen. Deshalb war "meiner" (hab leider den Namen vergessen!!) groß und stark. Ein anderer großer und voluminöser Springer bekam einen sehr kleinen und drahtigen Profi zugewiesen. Das sah lustig aus. Der Springer kam mir etwas nervös und verzweifelt vor ;-)
Nachdem "meiner" mir mein Geschirr angelegt und nochmals kontrolliert hatte, erklärte er mir, wie ich mich während des Sprungs verhalten sollte. Ich war so mit Lachen beschäftigt, sodass er sich vermutlich a) dachte, dass ich leicht verrückt bin und b) dass ich mir das eh nicht eine halbe Stunde merken könnte bei meiner Konzentrationsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt. Wir stiegen als erstes ein, da wir als letztes sprangen. Das Innere des Flugzeuges war recht eng und wir saßen zu zehnt in zwei Reihen Rücken an Bauch hintereinander. Vier "Freiwillige" sprangen mit jeweils einem Profi und zwei wurden während ihres Sprunges gefilmt, da fliegt dann extra ein Profi mit um dich frontal zu filmen. Das habe ich mir nicht gegönnt, fands aber auch nicht schlimm weil ich mich nicht auch noch auf eine Kamera konzentrieren wollte. Nachdem das Flugzeug abgehoben hatte, erklärte mir "meiner" die Landschaft von oben und ich erkannte viele Strände und Orte wieder! Ich war begeistert! Sogar die Nordinsel konnte man erkennen! Als es mir schon recht hoch vorkam, meinte er, wir wären bei 4.000 ft. Und ich sollte bei 16.000 springen! Wieder wurde mir bewusst, wie falsch ich die gigantische Höhe eingeschätzt hatte. Im Flugzeug war ich die einzige Springerin, die redete und lachte. Alle anderen kamen mir sehr konzentriert und bleich vor. Die Profis sahen aus, als ob sie U-Bahn fahren würden. Ganz normal. Zwei aus der Gruppe sprangen bei 13.000 ft. Also öffnete sich nach 20 minütigem Flug zum ersten Mal die Tür. Und da dachte ich mir: oh mein Gott! Wenn man das noch nie gemacht/gesehen hat, kann man sich nicht vorstellen, wie abartig das aussieht, wenn bei solchen Höhen Türen aufgehen! Also setzte sich das erste Pärchen an den Absatz und als sie sich fallen ließen, musste ich mitschreien. Ich glaube sogar, dass ich die Einzige war, die schrie. Beim zweiten Pärchen flog ein Filmer mit. Das sah noch abartiger aus, denn diese hängen sich mit Händen und Füßen an die Seite des Flugzeugs wie James Bond auf einer Mission. In diesem Moment kamen mir diese Männer vor wie Superhelden. Ich hatte eine Mischung aus James Bond und Superman an meinem Rücken festgeschnallt. Wieder musste ich mitschreien. Dann schlossen sich die Türen und wir gewannen Höhe. Jetzt bekam ich eine Sauerstoffmaske aufgesetzt. Die Türen gingen wieder auf, ein Filmer und ein Pärchen sprangen raus und wir blieben übrig. Ich wollte sitzen bleiben, aber Superman hievte mich zum Ausgang. Ich vergaß, dass ich meine Arme vor meinem Körper verkreuzen sollte, weil ich mich reflexartig an der Tür festhielt. Natürlich bekam ich gleich eins auf den Deckel und bevor ich zu Gott, Allah oder Buddha beten konnte, stürzten wir bei drei in die Tiefe. Es war das krasseste Gefühl, das ich je in meinem Leben hatte. Superman klopfte mir auf den Helm, ich bekam es vor lauter Aufregung nicht mit. Deshalb riss er meine Arme auseinander. Ach ja, ich sollte mit meinen Armen spielen. Um ihn glücklich zu machen, machte ich ein Mal die Superman-Pose. Ich schrie, doch ich konnte nicht länger als ein paar Sekunden, da es einem in kürzester Zeit die Spucke wegtrocknet. Ich schrie wieder. Das selbe ein paar mal. Also verbrachten wir etwa 1 1/2 Minuten im freien Fall bei ca 400 km/h. Mir kam es vor wie zehn Sekunden. Man bekommt nur halb mit, dass man eine atemberaubende Landschaft unter sich hat, die immer näher kommt. Bald taten mir die Ohren weh und mir wurde schlecht, was wohl öfter vorkommt. Der Schirm öffnete sich und es kommt einem wie eine Vollbremsung vor. Ist es auch, von 400 auf 40 km/h. Wir machten Übungen, damit sich der Druck in meinen Ohren ausgleichen konnte und wir flogen gemütlich auf die Landewiese zu. Wir drehten uns noch ein paarmal im Kreis und ich dachte ich müsste mich sofort übergeben. Musste ich aber nicht. Landen taten wir sanft auf dem Allerwertesten und nach einem kurzen Geplauder verabschiedeten wir uns. Ganz von den Socken berichtete ich den Engsten vom Flug, erholte mich bisschen und fuhr dann los zum Mirabellen pflücken. Irgendwas mit Bewegung, frischer Luft und festem Boden unter den Füßen. Mir war insgesamt noch eine Stunde schlecht. Nächstes mal nehme ich davor Übelkeitstabletten ;-)
Hier ein paar Fotos:

 

Die Leute im Flieger sind nicht wir, aber auf dem Bild sieht man ganz genau wie das in echt aussieht, mit dem Superman-Filmer am Flugzeug und dem Pärchen am Absatz.

Erst am Abend, nach einem langen Strandspaziergang und einem Abendessen wenige Meter vom Meer entfernt, begriff ich, dass ich das wirklich getan hatte. Ich war durchströmt von Glückshormonen. Euphorisch wie ich war, musste ich meine Sterneküche fotografieren:

 

Bei einem meiner vielen Strandspaziergänge vor dem wunderschönen Campingplatz, auf dem ich gleich zwei Nächte verbrachte, sah ich einen Rochen zwei Meter entfernt im seichten Wasser schwimmen. Durchmesser halber Meter. Ich war total aus dem Häuschen, ich hatte noch nie einen wilden Rochen gesehen. Weise hielt ich Sicherheitsabstand von dem Tier und erzählte allen Leuten, denen ich begegnete, von dem Rochen. Keiner war beeindruckt. Jetzt weiß ich auch warum: hier in der Gegend ist das keine Seltenheit. Und paar Tage später im Hafen von Picton sah ich einen noch größeren schwimmen:

 

Am Tag nach meinem skydiving hatte ich ein zweites Highlight und ich kam gar nicht mehr runter von meiner Euphorie. Auf meinem Weg nach Motueka war ich an einem kleinen und unscheinbaren Schild für ein Tattoostudio vorbei gefahren, welches mich optisch wegen des dekorativen Mandalas ansprach. Ich hatte schon geplant, mir ein kleines Tattoo als Andenken an meine Reise stechen zu lassen. Doch ich war nie begeistert bei meinen Recherchen nach Studios in Nelson oder Wellington. Deshalb legte ich eine Vollbremsung an den Start und bog von der Hauptstraße in eine kleine Dorfstraße mitten im Nirgendwo ein. Ich lief zurück zum Schild, tippte die Nummer ins Handy und rief an. Eine sehr freundliche Frau war am Apparat. Nachdem ich ihr die Umstände kurz geschildert hatte, lud sie mich in ihr Haus ein, welches sich genau vor meiner Nase befand. Es begrüßte mich eine junge, hübsche und herzliche Frau, deren kunstvolle Tattoos an Armen, Fingern und Schultern mir sofort ins Auge fielen! Genau die Art von Tattoos, die ich haben möchte! Also hatte die lange Suche ein Ende, es sollte so kommen, dass ich zufällig das kleine Schild entdeckte, ab welchem ich schon mal vor vier Wochen vorbei gefahren sein musste, ohne es zu bemerken! Manche Dinge passieren einfach ganz unkompliziert! Das Haus war sehr schön, hell und luftig eingerichtet und ich fühlte mich auf Anhieb wohl. Ihre zwei Kinder rannten (der kleinere nackt) durch die Gegend rum und fanden es glaub ich nicht so toll, dass ich ihnen ihre liebe Mama wegnahm. Doch sie fanden Beschäftigung im Garten bei diesem wunderschönen Wetter.
Wir unterhielten uns erst über Allgemeines, dann über meine Reise, meine Vorstellungen von meinen Tattoo und welche Bedeutung es für mich haben sollte. Ich zeigte ihr Fotos von Tattoos, die ich im Internet gefunden hatte. Sie verstand sofort was ich wollte. Eine tolle Künstlerin.
Wir verblieben dabei, dass ich ihr bis zum selben Abend weitere Beispiele sendete und sie mir am nächsten Tag eine selbst angefertigte Skizze schickte und mich nach meiner Meinung fragte. Das war der Tag meines skydives. Ich war begeistert von ihrer Skizze! Was für ein ereignisreicher Tag! Also fuhr ich am Tag nach dem skydive zum Studio, ein kleines Zimmer (ehemalige Garage?) auf dem selben Grundstück wie das Haus, in dem wir das Gespräch hatten. Das Zimmer war sehr gemütlich mit allen möglichen Buddhas und Räucherstäbchen ausgerüstet und ich vertraute ihr meinen linken Innenknöchel an. Das tätowieren dauerte zwei Stunden, was viel ist für ein 8cm-Tattoo wie meines. Das liegt daran, dass Nishkama (so nennt sie sich) ohne Maschine sondern mit Nadel sticht. Dies dauert zwar länger, soll aber weniger schmerzhaft, permanenter und verträglicher für die Haut sein. Richtung Achillessehne und Ferse wurde es leicht unangenehm aber noch locker zum aushalten. Währenddessen unterhielten wir uns über Privates und lachten viel. Das Ergebnis raubte mir den Atem - Genau so, wie ich es mir gewünscht hatte:

 


Es ist eine Feder mit dem koru eingebaut, ein Symbol, was in der maori-Kultur sehr beliebt ist. Über die Bedeutung meines Tattoos sprecht ihr mich vielleicht persönlich an, wenn es euch interessiert, das ist mir hier im Internet etwas zu privat. Nishkama war selber ganz begeistert, so ein natürliches und fröhliches Wesen! Deshalb freuten wir uns zu zweit!

Am nächsten Morgen ging es Richtung Marlborough Sound, die so entstanden sind wie der Milford Sound und deshalb Ähnlichkeiten aufweisen (Berge, die aus dem Meer ragen). Da die Vegetation hier aber anders ist, sind die Berge mit z.T. Palmen, Büschen mit fleischigen Blättern oder Pinien bewachsen. Ich verbrachte zwei Nächte an zwei unterschiedlichen Buchten, bei denen es außer Natur ein paar Ferienhäuser, Boote und jeweils einen Campingplatz gibt, wo man sich selbst registrieren muss. Kurzum: es ist super ruhig! Und es ist so entlegen, sodass man nicht ein mal mehr Netz oder Internet hat! Also verbrachte ich viel Zeit mit Wandern, am Steg Rumsitzen und die atemberaubende Schönheit des türkisfarbenen oder grünen Wassers mit den saftig grünen Bergen/Hügeln zu bestaunen:

 


Ein kleines Igel-Erlebnis:
An meinem ersten Abend in diesem Nationalpark machte ich einen kleinen Abendspaziergang und sah einen sehr jungen Igel auf der Straße sitzen. Hier in Neuseeland habe ich schon viele überfahrene Igel gesehen, deshalb hatte ich ein blödes Gefühl bei der Sache. Auf der einen Straßenseite ging es hinab ins Meer, auf der anderen hinauf in den Wald. Er musste runtergefallen sein. Also ging ich auf ihn zu, bückte mich und zu meinem Erstaunen lief er nicht weg. Also nahm ich ihn in in meine Hände (besser gesagt in eine Hand, so klein war er!) und hob ihn auf. Zuerst war er komplett ruhig, doch als ich zum laufen anfing, wurde er etwas nervös und begann rumzuwuseln. Da ich weit und breit keinen anderen Igel sah, lief ich zum Campingplatz runter, um Leute nach Rat zu fragen. Dort wurde mein kleiner Igel bewundert und wir beschlossen, es sei das beste, ihn im Wald freizulassen. Also lief ich zurück, kletterte mit einer Hand in den steilen Wald und kämpfte mich durch die Bäume, bis ich ungefähr auf der Höhe war, wo ich ihn gefunden hatte. Der Igel war wieder komplett ruhig und als ich ihn absetzte, rührte er sich nicht vom Fleck sondern atmete ganz tief (so tief, dass man es von außen sehen konnte). Nach einer Weile hinterließ er zwei Häufchen und ging fix und zielstrebig in eine Richtung davon. Ich freute mich, weil ich dachte, er würde sein Zuhause wiedererkennen und heim laufen. Am Ende meines Spaziergangs kam ich wieder an dem Ort vorbei, wo ich den Igel gefunden hatte (Straße) und da saß der kleine schon wieder. Also nahm ich ihn wieder hoch und dachte schon drüber nach, zukünftig einen Gefährten auf meiner Reise zu haben. Er war wirklich so süß! Jetzt schleckte er sogar schon meine Finger ab! Richtig niedlich! Doch als ich einer Familie mit jugendlichem Sohn und Hund begegnete, sprach ich sie an und sie versprachen, ihn unter ihre Fittiche zu nehmen. Ich war sehr dankbar, da ich weder einen Karton, noch Internet zum Nachschlagen, noch besonders viel Auswahl für Igel-taugliches Essen dabei hatte. Froh, jemand nettes gefunden zu haben der sich um ihn kümmert und gleichzeitig mit bisschen schwerem Herz gab ich meinen Igel in die Hände des Jungen. Und hoffe dass sie sich gut um ihn kümmern. Die Familie hat in der Bucht ein Ferienhäuschen und gewiss bessere Vorraussetzungen als ich.
Das ist der/die Kleine:

 


Am nächsten Tag ging es Richtung Picton, wo am Montag meine Fähre zur Nordinsel abfährt. Da ich mich nach Internet oder zumindest WLAN, einer warmen Dusche und einem menschenreichen Ort sehnte, ging ich auf einen "teureren" Campingplatz. Und es zahlte sich aus. Bei meiner Ankunft bekam ich einen selbstgebackenen Bananenmuffin und Futter für die Schafe dazu. Und nachdem ich mein Auto geparkt hatte im dafür vorgesehen Spot quatschten mich zwei Mädchen an, die sich auch eben erst kennen gelernt hatten, ob ich mit ihnen einen Teil des Queen Charlotte Track laufen wollte. Also nur ein paar Stunden des mehrtägigen Great walks. Ich sagte zu, obwohl ich schon drei Stunden gewandert war am selben Morgen. Ich war dankbar, mit Menschen zu reden. Wenn man so viel alleine ist wie ich in den zwei Tagen zuvor ist man echt froh, wenn man mal mit jemandem anderen als mit sich selbst spricht. Die drei Stunden gingen auch echt schnell rum und dir Mädels waren sehr aufgedreht (Engländerin und Amerikanerin). Wir beschlossen, abends einen kleinen Track auf dem Gelände des Campingplatzes zu laufen, wo man bei Dunkelheit viele Glühwürmchen finden kann. Nach einer heißen Dusche (endlich!) kochten wir unser Abendessen und ich lernte noch zwei deutsche junge Frauen kennen, welche zur Zeit in Wellington leben. Diese zwei waren etwas weniger girlie-haft und ich gesellte mich zu Ihnen. Wir unterhielten uns sehr gut und machten uns gegen neun zu den glowworms auf.
Dort traf sich fast die ganze Camping-Gesellschaft und wir wurden nicht enttäuschst: viele leuchtende Würmer befanden sich in kleinen Einbuchtungen an Felswänden und gaben schöne Lichtmuster in der Dunkelheit. Wie die Sterne! Super! Aber auch der Rückweg im Dunkeln mit der Taschenlampe war ein Abenteuer an sich. Ein gelungener Tag! Ich war dankbar, mir diesen Campingplatz gegönnt zu haben.

Kleine Anekdote zum Duschen: wenn man auf einem freien Campingplatz übernachtet, hat man da zwei Möglichkeiten: manche Leute duschen einfach tagelang nicht. Manche werden einfallsreich. Ich gehöre zu der zweiten Sorte. Also bin ich immer wieder auf der Suche nach kalten Duschen am Meer oder in öffentlichen Bädern. Deshalb duschte ich einmal im Bikini (wie nervig!) im Freien bei einer Kaltwasser-Dusche (langweilig... aber:) In den Marlborough Sound gab es aber keine Dusche, nur einen Wasserhahn unter freiem Himmel, wo man normal sein Geschirr wäscht. Ich zog mir wieder mal meinen Bikini an (Gott sei dank wars warm!), setzte mich unter den Wasserhahn und duschte vor versammelter Mannschaft mit gelegentlichem Geschmunzle der Anwesenden. Ehrlich gesagt hat das was! Und das bisschen Shampoo wird die Natur hoffentlich auch aushalten ; )

An meinem letzten ganzen Tag auf der Südinsel lief ich einen kurzen Track mit einer der beiden deutschen Mädels in Picton, wo sie gegen Mittag ihre Fähre nahm. Wir hielten fest, uns in Wellington zu treffen sobald ich da wäre. Nachdem ich ihre Fähre beim Wegfahren vom Strand aus beobachtet hatte, sonnte ich mich noch ein bisschen und schlenderte durch Picton. Ganz hübsch und niedlich eigentlich, viele Yachten schippern herum oder rasteten im Hafen:

 


Dann ging es zum Duschen in ein öffentliches Bad und danach auf einen Campingplatz, wo neben am Meer rumlaufen, entspannen und kochen/essen nicht mehr viel angesagt war.
Morgen gehts auf die Nordinsel!

Alice

Meine restliche Zeit in Te Nikau

Sonntag, 08.01.2017

Es tut mir echt leid, dass ich so schreibfaul geworden bin. Aber ich habe einfach so viel Spaß hier und die Zeit rast. Mittlerweile sind Katie und Mona abgereist und ich habe Elsa (Spanien) , Anne (England), Sandra (Schweden) und Marion (Frankreich) kennengelernt. Obwohl wir jedes Mal am Anfang starke Zweifel hegen, welche Menschen auf uns zukommen, werden wir jedes mal positiv überrascht. Manchmal von ihrer unerwarteten Verrücktheit, manchmal von ihrer entspannten Lebenseinstellung und immer von ihrer Herzlichkeit.

An Silvester regnete es leider und deshalb verbrachten wir den Rutsch in das neue Jahr nicht draußen am Strand sondern drinnen mit Frühlingsrollen, chinesischen Ravioli und (m)einem sensationellen Schoko-Erdnussbutter-Marmelade-Kuchen. Mit dem ganzen Essen und dem nicht ganz politisch korrekten Spiel namens "cards against humanity" brachten wir den Abend fix rum.

Meine Highlights in Te nikau:
- Durch Verständnisschwierigkeiten taufte ich Ian unbeabsichtigterweise zu Ehan. Seit diese kleine Panne ans Licht kam, wird keine Gelegenheit ausgelassen, einen Scherz über "Ehan the vegan" ausgelassen und ich glaube der Name bleibt ihm auf ewig...
- Am ersten Januar wurden wir durch einen Weka geweckt, der sich offensichtlich durch die versehentlich offen gelassene Türe schlich und uns beim Schlafen beobachtete. Besser gesagt wurde Elsa geweckt, da der Weka direkt neben ihrem Ohr saß, sie dadurch aufschreckte und alle Anwesenden weckte. Als sie vom Weka erzählte, war ich mir sicher, sie hätte nur geträumt weil wir am Abend davor über Weka-Pannen geredet hatten. Doch als ich komische Geräusche aus der Küche hörte und ich diesen folgte, wurde Elsas Behauptung bestätigt. Ich öffnete die Tür und ließ ihn in Ruhe. Er verließ uns auch irgendwann in den frühen Morgenstunden, aber nicht, ohne zwei Haufen auf dem Tisch zu hinterlassen =D
- Kate, Mona, Elsa, Ehan und ich liefen nach der Arbeit einen vierstündigen Track, bei dem wir zwei Flüsse durchqueren mussten; der erste ging, beim zweiten mussten wir mit Shorts und barfuß durch das kalte Wasser auf unangenehmen Steinen laufen... Ein wirklich schöner und gleichzeitig unterhaltsamer Ausflug:

- An Monas letztem Tag gingen wir zusammen an "unseren" Strand, an dem wir rumsaßen und aufs weite Meer blickten. Nicht Mona, welche sich mit Begeisterung den ganzen Strand entlang rollte. Wenn mir Mona fremd wäre, würde ich das sehr seltsam finden. Da ich sie kennenlernen durfte, weiß ich, dass sie liebenswert verrückt ist. Mit ihr hab ich mich einfach nur kaputtgelacht.
- An meinem letzten Tag haben wir gemeinsam die Caves besichtigt, ziemlich weitreichende, düstere und nasse Grotten, die wir mit Stirn- und Taschenlampen erkundeten. Teilweise mussten wir ganz schön klettern. Alleine hätte ich das nie gemacht. An dem Tag ist folgendes Bild entstanden:

- Zahlreiche Nachmittage, die ich mit fleißigen Helfern mit Backen und Kochen verbracht habe. Ich habe drei mal Plätzchen und ca genauso oft Kuchen gebacken, darüber hinaus noch Lasagne, selbstgemachte Gnocchi, Risotto und vieles mehr.

Es war eine wirklich schöne Zeit!!

Weihnachten

Sonntag, 08.01.2017

In den letzten Tagen habe ich mich hier super eingelebt, die Arbeit fällt mir immer leichter und ich bin ein Teil der verrückten und unglaublich witzigen Gruppe geworden :-)

Heute ist Weihnachten, was echt ein bisschen komisch ist. Zur Feier des Tages hörten wir den ganzen Tag laut Weihnachtsmusik - auch während der Arbeit, hatten größten Spaß an gelegentlichen Tanz- und Gesangseinlagen - und unterhielten damit Chefs und Gäste. Nach der Arbeit fuhren Katie und ich zum Strand, lasen und entspannten mit eiskaltem neuseeländischen Bier in der Sonne. Danach schossen wir obligatorische Weihnachts-Fotos am Strand:

 

Nach einer Dusche, die mich von dem öligen sandfly-Spray befreite (sogar am Strand greifen die einen an!), kleidete ich mich weihnachtlich mit einem kurzen bunten jumpsuite und Flipflops. Weihnachtsdeal war, dass jeder etwas zu dem Abendessen beiträgt. So gab es eine leckere chinesische Vorspeise (Mango, Karotten und Gurke eingerollt in ein durchsichtiges etwas, garniert mit Knoblauchsauce), Hauptspeise waren gebackene Bohnen in Süßkartoffel-Boot, als Nachspeise gab es abartig leckere vegane Schoko- und Käsekuchen. Mein Beitrag backte ich schon am Tag zuvor: Vanillekipferl und Spitzbuben. Ich hielt es für eine gute Idee, weil ich keine Lust auf Küchen-Chaos hatte, Problem war dann aber, dass die Hälfte der Plätzchen am Vorabend schon aufgegessen war! Die Leute hier lieben Plätzchen! So sehr, dass ich zwei Tage später eine zweite Ladung machte. Der Weihnachtsabend verlief sehr harmonisch, wir erzählten uns lustige Geschichten über alles mögliche, unter anderem über die lokalen Vögel hier: die Wekas:

Es sind flugunfähige Vögel bisschen kleiner als ein Huhn, die gerade an der Westcoast weit verbreitet sind. Die Vögel sind wild, aber viele sind Menschen gewöhnt und gerade hier mit dem vielen Kompostmüll, der am Hostel anfällt, streunern die Wekas ständig in unserer Nähe herum. Wekas haben die ungünstige Eigenschaft, Haufen zu machen, wenn sie in Panik geraten. Letztens verirrte sich einer von ihnen ins Hostel und hinterließ vor lauter Aufregung eine Fährte von ca 20 Häufchen im ganzen Haus, sogar im Obergeschoss!! Und Mauro erzählte, dass sich am Anfang seiner Karriere ein Weka im Wäscheraum aufhielt und Mauro ihn aus Spaß mit Geklatsche und Lärm in die Ecke trieb. Der Weka machte daraufhin einen unglaublich großen und flüssigen Haufen -größer als man erwarten würde - mitten vor die Waschmaschine. Er gab selbst zu, dass dies Aufzuwischen eine gerechte Strafe für sein Verhalten war und hatte damit gelernt, dass mit Wekas nicht zu spaßen ist ;-)

Am Höhepunkt des Abends - gegen 11 Uhr - gab es einen Stromausfall und für ganz Punakaiki endete Heiligabend im Dunkeln. Da Katie und ich noch nicht bereit zum Schlafen waren, schauten wir uns auf ihrem Laptop "Tatsächlich Liebe" an. Letztendlich war ich die Einzige, die den Film zu Ende sah und ging deshalb als Letzte schlafen.

Am nächsten Morgen ging der Strom wieder und deshalb hatte ich auch wieder WLAN und konnte mit meiner Familie skypen, die mitsamt Oma und Freund meines Vaters aus Italien (Cosimo) hungrig auf ihr Weihnachtsfestmahl warteten. Und als ich dann so in die Gesichter meiner Lieben sah, die alle versammelt an einem Tisch den schönsten Tag im Jahr verbrachten, hatte ich das erste Mal seit meiner Abreise richtig starkes Heimweh. Ich hätte viel gegeben, um in diesem Moment bei ihnen zu sein.

Nächstes Jahr wieder

Meine ersten Tage in Punakaiki

Dienstag, 20.12.2016

Am Montagmorgen um 9:30 Uhr stand ich geschniegelt und gebiegelt an der Rezeption des Hostels, in dem ich drei Wochen arbeiten werde. Eigentlich ist es weniger ein Hostel sondern mehr ein Urwald, in welches neun kleine bis größere Häuschen gebaut wurden, in welchen bis zu zehn Leute übernachten können. Die Häuser sind sowohl von außen als auch von innen total niedlich bis sehr modern. Am ersten Tag lernte ich alle meine drei Chefs kennen (2 junge Männer, eine junge Frau) und die drei aktuellen wwoofer: Kate, eine nette Kanadierin in den frühen Dreißigern, welche ihr Leben total umkrempelt und hier im Frühjahr eine Ausbildung zur Skilehrerin macht; Mona, eine junge Hongkongerin, die so wie ich ihr Studium zum Reisen unterbricht und zuletzt Ehan, ein junger Amerikaner, der sein College nach der Reise fertig macht. Meine Chefs sind Mauro und Marine, ein Pärchen aus Uruguay und Frankreich, beide vegan und am Vormittag verreist, an dem ich angekommen bin, sehen sehr sympathisch aus und KC, ein gemütlicher und super entspannter Kiwi in seinen Mitte Zwanzigern. Das ganze Konstrukt nennt sich te nikau retreat und befindet sich mittig an der westcoast in der Nähe der berühmten pancake Rocks.

Nachdem ich meine Sachen in den Schlafsaal brachte, in welchem alle woofer schlafen und ich mich den Leuten hier vorstellte, ging es um Punkt 10 los. Die Arbeit umfasst 4-5 Stunden voll Bettzeug wechseln, saugen, wischen, Bad putzen, Küche säubern, entmüllen... Am Anfang war ich etwas überfordert mit der Fülle der Aufgaben und den vielen Häusern mit komischen Namen an versteckten Orten, es geht aber bergauf. Insgesamt kommt es einem nicht so lange vor, weil man immer paarweise unterwegs ist und ratschen kann und natürlich weil man alle Hände voll zu tun hat. Mittags kochen die Chefs - vegan versteht sich und abends wechseln sich die wwoofer ab und kochen für alle :-)

Die ersten zwei Tage sind erfolgreich überstanden und heute nach der Arbeit sind wir drei Mädels an einen Strand zum relaxen und bräunen gefahren und haben uns danach die pancake Rocks angeschaut. Für mich war das das erste mal, für die anderen nicht aber sie waren so lieb und sind nochmal mit. Die Felsen haben ihren Namen wegen der Optik: die Erosion formt die Rocks zu Pfannkuchenstapeln, die aus dem tosenden Meer ragen! Toller Anblick:

 

Abends wird gemeinsam gegessen, Karten gespielt und spät geschlafen. Aber da man morgens erst um 10 antreten muss, ist das ein sehr gemütlicher Tag-Nacht-Rhythmus ;-)

Alice

Rückkehr zur West coast

Montag, 19.12.2016

Die letzten beiden freien Tage bestanden hauptsächlich darin, zur West coast zurück zu fahren und auf dem Weg dort hin ein paar Sachen abzuklappern: und die pupu Springs haben mich sofort umgehauen! Es ist eine Quelle mit sehr reinem Süßwasser. So rein, dass es nicht erlaubt ist, das Wasser zu berühren. Man kann an der Wasseroberfläche beobachten, dass das Wasser irgendwo aus dem Grund raussprudelt und in einen Art See mit angeschlossene Flusssystem mündet. Das Wasser ist so klar, dass man das Gefühl hat, man würde in ein Aquarium blicken! Ich konnte mich nur schwer von diesem Anblick losreißen! Ein echtes Highlight:


Danach lief ich noch einen knapp zweistündigen Track namens pupu hydro walkway. Es ging erst hinauf und oben angelangt auf einem sehr schmalen Steg an einem künstlichen Bach entlang und auf der anderen Seite ging es steil abwärts. Höhen- oder Platzangst darf man nicht haben, in diesem Fall hätte man keinen Spaß dort. Ich fand es toll!:

 


Ich ließ den Tag am Strand ausklingen, sah ein paar Verrückten zu, wie sie in einem Schwimmreifen von einem Boot durch das Meer geschliffen wurden, wurde Zuschauer bei dem Einzug einer Braut mit sämtlichen Brautjungfern und ihren Kindern auf Pferden zu ihrer Hochzeit, die direkt am Strand stattfand und kühlte mich im Wasser ab. Herrlich!:

 

Der restliche Tag bestand aus einer langen Autofahrt nach motueka zurück, wo ich übernachtete. Dort besuchte ich am nächsten Morgen den Sonntagsmarkt, wo man neben Gemüse und Obst (Aprikosen und Kirschen!) auch Hippie-Klamotten, Bücher, Kunst, Antiquitäten, Essen und vieles andere kaufen kann.
Ich unterbrach meine dreistündige Autofahrt für einen kurzen Track, der zwar schön aber nicht so besonders war. Und dann kam ich in charleston an, einem Kaff in der Nähe von punakaiki, dem Kaff, wo ich ab Montag für drei Wochen in einem Hostel arbeite. Da es in Strömen regnete, ließ ich den Tag gemütlich mit einem Buch in meinem Auto ausklingen. Immerhin wird jetzt drei Wochen gearbeitet!

Lg und bis bald
Alice

Ein weiterer Tag an der Golden Bay

Freitag, 16.12.2016

Am Morgen nach meinem aufwühlenden Tag weckte mich die Sonne schon um halb sieben, und als ich meine Augen öffnete bot mir sich dieser traumhafte Blick:


Nach einer Joggingrunde am Strand (barfuß versteht sich), dachte ich darüber nach, wie ich den drei Kindern sind Freude machen könnte. Da Schokolade immer geht, kaufte ich drei Packungen an Süßigkeiten im Shop des Campingplatzes, auf dem ich übernachtete und schrieb eine Dankeskarte.

 

Bewaffnet mit Zucker fuhr ich nochmal zu dem zusammenfallenden Haus -bei Sonnenschein schien es nicht ganz so trostlos wie am grauen Vortag. Die Gesichtsausdrücke der Kinder beim Anblick der Süßigkeiten wärmten mir das Herz. Ohne Diskussionen traf jeder seine Wahl und hielt seine Packung ganz fest. Die Mutter bedankte sich vielmals, betonte aber dass dies nicht nötig gewesen sei. Sie hatte sich einfach nur darüber gefreut, dass ich Edward zu ihnen gebracht hatte. Nachdem sich jedes Kind einzeln bedankt hatte, erschien der Vater in der Tür, erblickte meine Mitbringsel und meinte: so viel Zucker reicht für ein ganzes Jahr, aber vielen Dank trotzdem! Klar, meine Wahl war vielleicht nicht medizinisch empfehlenswert aber dafür moralisch notwendig. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht fuhr ich zu einem kleinen Track. Oben am Berg angekommen waren Cape farewell und wairaki Beach ausgeschildert, zwei Orte, die ich für den Vormittag geplant hatte. Erheitert, dass sich die Dinge so gut fügten, zweigte ich vom Track ab und folgte roten Stäben durch steile grasbewachsene Hügel, mit Schafen drauf natürlich. Anfangs fand ich es noch ganz witzig, doch mit der Zeit fegte mir ein immer stärker werdender Wind um die Ohren. Und die Hügel wurden immer steiler, man brauchte beinahe schon die Hände, um stärkeren Halt zu haben. Ich musste meine Capy festhalten, damit sie nicht weg flog. Rechts von mir ging es immer steilere Klippen hinab ins tosende Meer und als der Wind noch stärker wurde und ich nicht mehr unter Kontrolle hatte, wo mein Fuß landete, beschloss ich: ich sollte lebensverlängernde Maßnahmen ergreifen und schleunigst von hier verschwinden. Trotzdem sind schöne Bilder entstanden:


Zur Erklärung: Cape farewell ist der nördlichste Punkt der Südinsel ;-) und dort in der Bucht schwammen und spielten Robben im Wasser, so herrlich!
Unten auf einer Straße angekommen lief ich nicht ganz zielgerichtet umher, fand mein Auto aber bald und fuhr zum wairaki beach, den ich nicht so besonders fand und außerdem konnte man nichts sehen, da man auf Reflex die ganze Zeit die Augen zu hatte, weil der Wind den Sand umher blies.

Ich hatte genug von Wind und Sand und beschloss zum kahurangi national Park zu fahren und einen kleinen Teil des heaphy Tracks zu laufen, wieder einer der Great Walks. Etwas schlapp kehrte ich nach anderthalb Stunden wieder um, ich fand den Park aber sehr schön und deshalb fand ich es schade, nicht mehr davon zu laufen. Der Park hat einen tollen junglebuch-Flair:


Danach beschloss ich, wieder auf dem fantastischen Campingplatz zu übernachten, entspannte im Auto, aß und machte einen letzten Strandspaziergang.
Gute Nacht

Achtung, dieser Eintrag regt zum Nachdenken an. Bitte nur lesen, wenn ihr genug Zeit für sowas habt!

Donnerstag, 15.12.2016

Heute sind zwar viele schöne Dinge passiert, das Einzige, was mich aber beschäftigt, ist ein Ereignis, auf das ich wirklich nicht vorbereitet war: Konfrontation mit Armut.
Es begann damit, dass ich einen maori Mitte vierzig auf der Straße aufgabelte, dessen Auto stehen geblieben war. Nach einer kurzen Fahrt erklärte mir, er wolle Richtung farewell Split, um seinen Cousin zu besuchen. Ich wollte ursprünglich nach collingwood abbiegen und später, wenn es aufhörte zu regnen erst nach farewell Split. Doch wollte ich den netten maori Edward nicht bei dem starken Regen rausschmeißen. Also verwarf ich meinen Plan und wollte ihn zu seinen Verwandten bringen und anschließend Zeit mit einem Buch in meinem Auto totschlagen, bis es aufzog (Wetterbericht) und ich einen schönen Track machen konnte. Das Gespräch mit Edward war sehr interessant, ich hatte mich zuvor noch nie mit einem maori unterhalten. Er erzählte mir von typischen Traditionen wie den tattoos , den Zusammenhalt der Familie usw. Bei diesem Thema erfuhr ich, dass sein Cousin eine japanische Frau und drei Kinder habe. Da sich Edward in der Gegend nicht so auskannte und wir kein Netz zum telefonieren hatten, verfuhren wir uns ziemlich und gurkten ewig rum. Irgendwann fanden wir das Haus dann doch und er lud mich als Dank auf eine Tasse Tee ein - im Haus seines Cousins. Da es immer noch regnete und ich keine Lust hatte, alleine im Auto zu sitzen sagte ich zu. Als wir an dem Grundstück vorbei fuhren und er mich zum anhalten bewegen wollte, fuhr ich weiter zu dem nächsten Grundstück, was eine Einfahrt hatte und bewohnt aussah. Er musste dieses Grundstück meinen. Nein nein, es war sehr wohl das Grundstück zuvor, nur sah es dort folgendermaßen aus: viel Schlamm, ein großes Schlammloch mit dreckigem braunen Wasser und ein paar Ziegen. Er öffnete das sogenannte Tor - ein windiger loser Maschendrahtzaun und ich fragte mich, ob ich da wohl wieder raus käme oder ob ich im Schlamm stecken bleiben würde. Da ich aber mitten auf der Straße stand mit meinem Auto und weit und breit kein Parkplatz zu sehen war, fuhr ich rein und parkte. Etwas verärgert dachte ich daran, dass mein Auto und meine Schuhe nachher voller Schlamm sein würden. Trotzdem zog ich es durch. Wir gingen einen erdigen Hügel von Gebüsch umsäumt hinauf und ich sah ein altes, beinahe zusammenfallendes Haus und einen "Garten", der vollgestellt war mit alten kaputten Autos, Fahrrädern und Sofas und sonstigem Schrott. Eine mittelalte Asiatin bahnte ihren Weg durch den Schrott und sah uns etwas fragend an. Auf einer genauso vollgestellten Veranda standen drei Kinder, zwei Jungs mit 9 und 7 Jahren und ein kleines Mädchen mit 3. Abgelenkt von dem, was ich sah, erklärte ich notdürftig, wer ich war und warum ich hier war und fragte, ob es okay sei, dass ich hier einfach auftauchte. Die freundliche Japanerin lud mich in ihr Haus ein und ich erklamm mit einem großen Schritt die Veranda, die keine Stufen hatte. Die drei Kinder sahen mich interessiert an und machten den Weg frei in das erste Zimmer, das Schlafzimmer. Es war ein großer Raum mit zwei Einzel- und einem Ehebett. Die ganze Familie schläft in diesem Raum. Der Boden war an vielen Stellen kaputt und hatte Löcher, ganz zu schweigen von dem Dreck, der ihn belegte. Da die vier alle barfuß rumliefen, fragte ich, ob man in diesem Haus die Schuhe auszog. Die Kinder sagten ja und ich tat das auch, wenn ich auch nicht über den Dreck nachdenken wollte, der danach an meinen Socken kleben würde. Mehr als das konnte ich erst mal gar nicht wahrnehmen. Ich fragte die Kinder, wer wo schlief und es stellte sich heraus, dass die kleine bei ihren Eltern im Bett schlief. Etwas irritiert folgte ich den Erwachsenen in das Wohnzimmer. Der Gang, der diese beiden Zimmer verband, war genauso zugestellt und dreckig wie der Rest und die Kleider der Familie hingen von der Decke. Das Wohnzimmer war wieder ähnlich, viele alte Sofas standen an den Wänden des kleinen Zimmers und in der Mitte war ein viel zu kleiner Esstisch für eine fünfköpfige Familie, der vollgestellt war. Da sich alle setzen und ich nicht die Einzige sein wollte, die stand, ließ ich mich widerstrebend auf einen Sessel nieder. Das Wohnzimmer war trotz allem wohnlicher als der Rest, den ich bisher von diesem Grundstück gesehen hatte und ich begann mich zu entspannen. Mit der Entspannung kamen auch meine Sinne wieder und ich bemerkte, dass es unangenehm roch. Doch ich wurde von den Kindern abgelenkt, die mir stolz ihre Stifte-Sammlung präsentierten und bald durfte ich meine Meinung dazu abgeben, welche Sonne ich am schönsten fand von einer Auswahl, die der älteste alle selbst gemalt hatte. Danach malten die zwei Jüngsten und ich, der Älteste beobachtete ganz genau, wie ich mit seinem Geschwistern umging. Zwischen der Kleinen und mir brach das Eis recht schnell und sie lachte sehr viel und wir trieben unsere Scherze. Der Zweitjüngste schloss sich bald an, auch wenn er weniger lebhaft war. Nach einer Weile beschoss anscheinend auch der Älteste, dass ich ok sei, und taute auf. Zwischen dem ganzen hin und her mit den Kindern fragte der maori Edward, ob ich mit essen würde. Besser gesagt fragte er nicht, sondern stellte er es fest. Ich lehnte dankend ab, da ich kurz zuvor gefrühstückt hatte und wirklich keinen Hunger hatte, aber auch, weil ich mich nicht besonders wohl fühlte bei dem Gedanken, dort etwas zu essen. Das Gespräch wiederholte ich und ich lehnte wieder ab. Barscher im Tonfall erklärte er mir, dass es respektlos sei, Essen abzulehnen. An dem Gesichtsausdruck der Japanerin konnte ich ablesen, dass da was Wahres dran sei und ich sagte also doch zu. Ich entschuldigte mich bei den Kindern und wollte mich in der Küche behilflich machen, aber das war nicht wirklich nötig, da nur Edward und ich aßen und zwar das Essen vom Vortag. Und wieder ein Punkt, der mich zweifeln ließ ob es eine gute Idee gewesen war, hier aufzukreuzen. Ich brachte Edward sein Essen und Besteck und bat die sympathische Japanerin, meine Portion klein zu halten, da ich wenig Hunger hatte. Es gab eine Tomatensuppe Suppe mit Graupen, Kartoffeln und etwas Fleisch drinnen und Nudeln mit Sardellen. Zu meiner Erleuchtung schmeckte es ganz gut. Während ich aß unterhielt ich mich mit der Frau und erfuhr, dass sie vor ca 10 Jahren genau wie ich als Reisende nach Neuseeland kam. Und blieb. Ihr Mann war übrigens gar nicht zuhause, das habe ich vorhin vergessen, deshalb sah sie uns auch so erstaunt an als wir ankamen. Sie ist eine ausgesprochen freundliche Frau. Edward begann etwas zu nörgeln, da er gerne eine Zigarette hätte und sein Handy-Akku beinahe leer war. Er suchte erfolglos eine Steckdose und der zweitjüngste erklärte, dass sie keinen Strom hätten. Ich fragte, was sie nachts machten ohne Licht und er erklärte ganz selbstverständlich: wir benutzen eine Taschenlampe! Natürlich zeigte er seine gleich her und das hielt mich von dem Gedanken ab, dass die Familie ohne Strom lebte. Er erklärte, dass sie das Auto benutzten, wenn der Vater sein Handy aufladen wollte. Nach dem Essen wollten die Kinder mir ihr Lamm und ihre Ziegen zeigen. Und mir wurde bewusst, dass mir weder die Ziegen im Garten noch das Lamm, das an der Veranda angebunden war, aufgefallen waren. Ich war blind daran vorbei gelaufen. Der Zweitjüngste machte mich darauf aufmerksam, dass ich Schuhe brauchte und die Kinder sprangen barfuß drauf los. Durch den Matsch. Die Kleine führte das Lamm dabei Gassi und da das Lamm zu schnell für sie war, stürzte sie zweimal längs in den Matsch und war vollkommen dreckig. Sie erklärten mir die Namen und Verwandtschaftsverhältnisse der Ziegen und reizüberflutet fragte ich, ob wir wieder rein gehen würden. Das taten wir auch ich spielte noch eine Weile mit den Kindern. Aber diesmal weniger ausgelassen, weil mir langsam dämmerte, was ich da gerade erlebte. Ich begann auch nach und nach, mehr Details wahrzunehmen. Zum Beispiel, dass einige Sofas mit Plastikfolie bedeckt waren, eine kaputte Kindergitarre rumlag, die Betten voll mit schmuddeligem Decken waren, überall dreckige Klamotten rumlagen und dass alle vier kaputte Klamotten hatten, die Kleidung der Jungs war viel zu groß. Und plötzlich hatte ich das dringende Bedürfnis, das alles so schnell wie möglich zu verlassen. Es traf sich gut, dass Edward voll und zufrieden war und aufbrechen wollte. Und in einer etwas zu schnellen Verabschiedung setzte ich mich in mein Auto und erklärte Edward, dass ich jetzt in die entgegensetze Richtung fuhr. Die Kinder taten mir sehr leid, da sie ziemlich traurig aussahen, dass ich so schnell ging. Aber ich hielt es keinen Moment länger aus. Im Endeffekt war es mir total egal wo ich hin fuhr, ich wollte einfach nur alleine sein.

Der restliche Tag war etwas verschwommen und erst jetzt - es ist abends - verstehe ich, was passiert ist. Ich habe eine sehr arme Familie besucht. Ich verstehe jetzt auch, dass ich im Auto sehr laut Musik gehört habe, mich bei meinem Track an eine fremde Gruppe angeschlossen und geredet habe und am frühen Abend intensiv Muscheln am Strand gesucht habe. Mein Kopf hat versucht, es zu verdrängen. Und erst, als ich mich auf einem Campingplatz mit Blick auf das schöne Meer in mein Auto setzte und ich Ruhe fand, begann ich zuzulassen, darüber nachzudenken. Und als ich es begriff, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Das Komische ist, dass man weiß, dass es arme Menschen gibt und man es sich aber nie wirklich vorstellt, wie das dann aussieht.
Und mir wurde klar, dass mich keine einzige Erfahrung in meinem ganzen Leben in irgendeiner Weise auf das vorbereitet hat. Diese Kinder sind ganz genau wie alle anderen Kinder, die ich kennenlernen durfte, und als Babysitterin, Nachhilfe und Ex-Hausaufgabenbetreuerin sind das schon eine Menge. Diese drei Kinder sind total zufrieden und glücklich mit dem, was sie haben (zumindest schließe ich das aus ihrem Verhalten heute, klar kann es sein, dass sie bei Freunden eine andere Welt kennenlernen und sich schon bewusst sind, dass es mehr gibt als das, was sie haben!). Klar, es ist ja auch ihre Realität. Und es geht mir wirklich Nahe, dass sich Welten zwischen ihrem Leben und dem, wie ich aufgewachsen bin und was ich bis heute für normal gehalten habe, befinden.

So wenig wie es mir heute Mittag bewusst war, so entscheidend erscheint es mir jetzt: es öffnet mir die Augen und bringt mich zum ersten Mal aus meiner kleinen Welt in die wirkliche Realität - so plötzlich wie ein Sprung ins eiskalte Wasser. Ich fühlte mich wirklich naiv, als es mir dämmerte. Nicht nur naiv, sondern auch eitel, weil ich die ganze Zeit nur daran dachte, dass meine Klamotten dreckig werden könnten oder ich mir meinen Magen verderben könnte. Dabei waren diese vier Gestalten so entzückend und einfach nur glücklich, mich als Gast in Ihrem Heim willkommen zu heißen. 

Ich weiß, das war jetzt keine leichte "ach wie schön ist es doch hier in Neuseeland"- Kost. Und ich weiß es ist Weihnachten, zumindest für euch. Für mich ist Sommer. Und heute ist wahrscheinlich ein markanter Tag in meinem Leben. Ich weiß nicht, wie das jetzt bei euch in Deutschland rüber kommt aber wenn ich meine Bewegung irgendwie an euch weitergeben konnte, dann wünsche ich mir von euch, dass ihr euch heute noch kurz einen Moment Ruhe gönnt von eurem Alltag und euch bewusst macht, wie gut es euch geht. Und auch wenn Mal was so richtig Kacke läuft, denkt einfach daran, was wirklich zählt und was ihr alles habt und wie glücklich ihr euch eigentlich schätzen könnt. Wir sind alle Glückspilze!


In diesem Sinne,
Gutes Nachdenken

Takaka

Mittwoch, 14.12.2016

 Am nächsten Morgen pflanzte ich mich gemütlich ins Auto und fuhr ins Gebiet "Golden Bay", der nördlichste Zipfel der Südinsel. Auf dem Weg lag ein zweistündiger Wander-Loop namens Takata Hill Track, an dem ich nicht vorbei fahren konnte. Der Weg führte durch Wald und Schotter auf einen Berg mit toller Aussicht:


Danach ging es dann endlich nach Takata, einer kleinen Hippie-Stadt, in der alle mit bunten schlabber-Hosen und Dreadlocks rumlaufen. Natürlich klapperte ich jeden Laden ab, konnte mich diesmal jedoch zurückhalten Gott sei dank! :


Beinahe hätte ich Räucherstäbchen gekauft, aber im Auto wäre das wahrscheinlich bisschen zu intensiv. Ich nahm mir vor, in Deutschland welche zu kaufen und meine Wohnung einzuräuchern ;-)

Nachmittags gings dann noch zu einem Labyrinth aus Felsen, einem kleinen und kühlen Spazierweg ganz besonderer Art. Die Leute aus Takaka haben dort viele bunte Plastikmännchen verteilt, was ich irgendwie bisschen gruselig fand (im Bild links):


Völlig erschöpft und von der Hitze erschlagen suchte ich mir einen Campingplatz aus und legte mich mit einem Buch auf ein schattiges Plätzchen auf der Wiese und bewegte mich erst vom Fleck als ich Hunger bekam. Als Abrundung vom Tag machte ich noch einen kleinen Abendspaziergang ins Zentrum und entspannte auf einer Bank mit Blick auf einen kleinen Brunnen und studierte das Graffiti an der Wand:

Sommer Sonne Strand

Mittwoch, 14.12.2016

Da ich am Morgen schon früh wach war und mich noch nicht fertig machen wollte, drehte ich eine Joggingrunde auf einem kleinen Rundweg, der direkt am Meer entlang lief. Die salzige Meeresluft erinnerte mich sehr an meine Familien-Sommerurlaube in Italien. Ich war keineswegs die Einzige, viele andere Jogger, Radler und Hundebesitzer belebten den schönen Weg.

Nach einem verdienten Frühstück war mir nach Strand zumute und es traf sich, dass kaiteriteri, ein Strand- und Ferienparadies auf dem Weg zum Abel tasman lag.
Viele Leute erkundeten kleine Inseln mit Kajak oder auf einem stehboot, einige Erwachsene sonnten sich am Strand und zahlreiche Kinder spielten im Wasser. Mir war nicht nach schwimmen und deshalb machte ich einen kleinen Strandspaziergang. Herrlich:


Danach fuhr ich in den Abel tasman Nationalpark und lief einen kleinen Teil des berühmten 3-5-tägigen Tracks. Meine fünfstündige Wanderung war traumhaft schön und ich bereute fast, nicht den ganzen Track zu machen. Ein solcher Ausblick ist schon was ganz besonderes:


Am Ende meiner Wanderung konnte ich nicht anders und erfrischte mich im angenehmen Wasser, da ich das aber nicht eingeplant hatte, lief ich dann mit nasser Unterwäsche unter meinen Klamotten den restlichen Weg... Hat sich aber voll rentiert!

Wie ihr euch vorstellen könnt waren nach diesem Tag meine Kräfte ziemlich am Ende und dann war ich auch noch auf einem gigantischen Campingplatz, bei dem man allein 5 Minuten laufen musste um Toilette und Küche zu erreichen! Grausam!

Lg

Motueka

Montag, 12.12.2016

Diesmal verschlug es mich ganz in den Norden hoch, nach motueka. Die Stadt ist richtig süß mit wahnsinnig tollen Läden! Nach meiner Woche in einfachen Verhältnissen sehnte ich mich geradezu nach Luxus, und ich enttäuschte mich nicht: zuerst ging ich in einem Café Mittagessen, es gab Fish&chips und ich genoss es, das köstliche Essen einfach serviert zu bekommen:


Danach überkam mich ein Shoppingrausch in ungeahntem Ausmaß, ich kaufte insgesamt 8 Kleidungsstücke, Insektenspray gegen die miesen sandflies, UV-labello, silbernen lidschatten, Kirschen vom Straßenrand und eine rosa Perücke. Ich shoppte bis mein Bargeld, was mich durch die nächsten Tage bringen sollte, ausgeschöpft war. Und es war jeden Cent wert. Aber man hat als Frau auch eine moralische Verpflichtung, in einem Laden wie diesem Kleider zu kaufen:

 

Zufrieden brachte ich meine Ausbeute zum Auto und spazierte Kirschen essend zum Meer, wo ich auf einem angeschwemmten Baumstamm verweilte und die Endorphine in meinem Körper genoss:


Nach dem bitteren Gebrauch von einem Cash-Automaten ging ich Essen einkaufen und tanken und suchte mir einen hübschen Campingplatz. Und es ist plötzlich so schön, so viele junge Leute um sich zu haben!
Gute Nacht

Thomas/Chris White

Montag, 12.12.2016

Am Montag führte mich mein Weg zu meiner vierten wwoofing- Familie. Alle Infos die ich hatte: älterer Mann mit multipler Sklerose braucht Unterstützung in Haus und Garten aber vor allem Gesellschaft. Er hat kein Internet, deshalb soll man ihn anrufen statt mailen. Klang interessant, besonders weil er viele gute Kritiken von zahlreichen wwoofern hatte. Die Wegbeschreibung war etwas vage: 3 km nach springs junktion bei dem 15 km/h Schild auf eine Straße ohne Schild abbiegen und 15 km fahren, das Haus liegt nach einer blue-grey river bridge auf der linken Seite, man erkennt es an dem gelben Müllsack am Zaun. Ah ja... Ok. Natürlich bin ich beim ersten Versuch an der unbefestigten Straße vorbei gefahren. Da die nächsten paar Kilometer keine andere Straße von der Hauptstraße abging, kehrte ich um und wagte mich auf den steinigen Weg mit zahlreichen Schlaglöchern. Nach einem langen Weg durch den Wald (bin ich richtig?) und zwei Brücken, die brown-grey River bridge und upper grey river bridge hießen und ich die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, da ich natürlich kein Netz hatte, um Thomas anzurufen und nochmal nachzufragen, fiel mir die gelbe Plastiktüte ins Auge! Was mich erwartete war Folgendes: 

 

Ein selbstgebautes Holzhaus in einem verwilderten Garten mitten im Nirgendwo. Mutig verließ ich mein Auto und wurde von einem sympathischen 61-jährigen Mann mit langen Haaren und einem Gehwagen begrüßt. Die Krankheit ist schon so weit fortgeschritten, sodass Gehen nur noch schwer möglich ist und nur mit Stütze. Thomas, der sich eigentlich Chris nennt, ist außerordentlich cool und Hippie-mäßig drauf und wurstelt sich als Überlebenskünstler durchs Leben. Strom gibt es nur wenn die Sonne genug auf die Solar-Platten geschienen hat, Kochen und warm Duschen kann man nur solange die Gasflaschen voll sind, Wasser wird aus einem Bach abgeleitet, welches man aber im Moment nicht trinken sollte, weil es Gift-Warnungen gibt. Außerdem lebt hier eine Maus im Haus und eine Ratte irgendwo im Dach/-boden, dort wo ich schlafe... Mein Zimmer ist ein Raum mit Vorhang statt Tür und Matratze als einziges Möbelstück. Spinnennetze dekorieren die Decken:


Beim Abendessen (Kartoffeln, Süßkartoffeln, Karotten und Mangold) erzählte er mir viel von seiner Krankheit und seinem früheren und jetzigen Leben, von seiner Ex-Frau, seinen vier Kindern, seiner ersten Liebe, seiner Kindheit in England und seiner Liebe zu Neuseeland. Eigentlich war Neuseeland nur als 3-wöchiger Urlaub geplant, aber er kehrte nie wieder zurück. Zu dem Zeitpunkt war er 18. Er arbeitete lange Zeit als Guide für ein großes Gebiet hier (Wandern und Fischen), er ist immer noch stolzer Besitzer dieses Ausweises, kann seiner Passion aber nicht mehr nachgehen durch seine Krankheit. Er besitzt ein Auto, welches er nicht mehr bedienen kann und ist deshalb auf wwoofer wie mich angewiesen, um in eine Stadt zu fahren um Essen zu kaufen und Wasser abzufüllen. Ich weiß nicht was passiert, wenn er mal niemanden da hat. Seine Kinder leben relativ weit entfernt und zu seiner Ex hat er keinen Kontakt mehr. Aber er meint er hält 2-3 Wochen durch. Das Leben ist sehr einfach hier und ich bin wahrlich beeindruckt wie er das schafft mit seiner Krankheit.
Ich muss ehrlich zugeben, es war gestern ein harter Schock für mich. Aber irgendwie hat es auch was sehr Friedliches. Bis auf die Ratte, die nachts aktiv wird und irgendwo ganz in der Nähe von meinem Bett rumtippelt, daran muss ich mich noch gewöhnen. Thomas fragte mich, ob ich sie umbringen will, er erklärt mir wie das geht (er würde es machen wenn es sein Körper zulassen würde), aber das kann und will ich nicht. Und solange sie meinen Koffer und mich in Ruhe lässt, habe ich auch kein größeres Problem mit ihr. Mal sehen ;-)

An meinem zweiten Tag fuhren wir eine Stunde durch die menschenleere Landschaft, weil Thomas eine Einladung zum tea hatte, organisiert von der Krankenschwester, die alle Menschen mit neurologischen Krankheiten hier in der Gegend betreut. Der Andrang war nicht besonders groß, wir waren zu neunt. Davon 4 Patienten. Eine Dame mit ms, ein Mann mit Parkinson und einer mit einem Gehirntumor. Das Ganze dauerte nicht besonders lange, was ich schade fand. Thomas redete mit Abstand am meisten, weshalb ich wenig über die Anderen erfuhr. Die Dame mit ms war in einem guten Zustand, der Mann mit Parkinson nicht, er redete nicht und agierte krankheitsbedingt sehr langsam und der Mann mit dem Tumor war relativ jung (mittleres Alter) und ziemlich gut drauf.
Nach dem tea machten Thomas und ich unsere Einkäufe und füllten bei einer Tankstelle eine 10-Liter Flasche mit Wasser auf. Das sollte reichen für die nächsten Tage.

In den folgenden Tagen lernten wir uns immer besser kennen - ich weiß jetzt über jede Einzelheit aus seiner Vergangenheit Bescheid - und verbrachten viel Zeit mit Essen. Das genieße ich sehr, denn auf Campingplätzen bin ich ziemlich unmotiviert, mir abwechslungsreiches Essen zu machen. So gab es schon pancakes, Süßkartoffel-Püree, Burger, Linsen, Gemüse in vielen Varianten und heute selbstgebackenes Maroni-Vollkornbrot. Mittlerweile habe ich mich auch voll an das Leben hier gewöhnt und genieße es fast, hier weder Netz noch Internet zu haben. Auch die Ratte kann ich akzeptieren, damit ist aber Schluss sobald sie in meinem Koffer sitzt. Bei schönem Wetter schnitt ich Gras per Hand (nur das in der Einfahrt, damit mein Auto nicht so in Mitleidenschaft gezogen wird...). Am Donnerstag fuhren wir nochmal nach reefton wegen eines Arzttermins (mein guter Einfluss) und besuchten bei der Gelegenheit einen Freund von Chris, Andrew. Andrew ist ein sehr freundlicher Mann mit Parkinson und Chris verfiel sofort in alte Gewohnheiten. Also rauchte er und trank Wein, und das in Sichtweite von dem Krankenhaus, deren Schwestern und Ärzten er 10 Minuten zuvor erzählt hatte er würde nicht mehr rauchen... ;-) Außerdem ist Chris ganz eindeutig süchtig nach Schokolade, er aß innerhalb von 4 Tagen 3 Tafeln (mehr gab es nicht) und bezeichnete mich als wenig kontrolliert, als ich ein Viertel meiner Tafel gegessen hatte während er 1 1/2 Tafeln seiner Schokolade vertilgt hatte. Auf diese Frechheit wies ich ihn natürlich sofort hin und entschuldigend meinte er, er würde kein Fett ansetzten, ich vielleicht schon. Das machte es nicht besser, aber so ist es halt mit Männern: stürzen sich von einem Fettnäpfchen ins nächste. Immerhin gibt es dann noch mehr Gründe zu lachen. Ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die von schweren Krankheiten geplagt werden, die ironischsten und coolsten sind. So ist es auch mit Chris und ich bin sehr gerne hier.

An meinem letzten vollen Tag fuhren wir nach Springs junction, das nächste Anzeichen von Zivilisation hier in der Gegend. Es besteht aus paar kleinen Einfamilienhäusern, einer Tankstelle und einem kleinen Häuschen mit Briefkästen, wo Leute, die so entlegen wohnen wie Chris, ihre Post abholen. Wir kauften eine Glasflasche und füllten nochmal 10 Liter Wasser ab. Das sollte 2 Wochen reichen, bis die nächsten wwoofer kommen. Auf dem Weg dorthin übersah ich eine weiße Schnur, die ein Bauer quer über die Straße gehängt hatte, um die Kühe auf die richtige Weide zu lotsen. Rasant und nichts ahnend fuhr ich auf die Schnur zu, die Rufe von Chris halfen nichts mehr und ich fuhr sie nieder. Peinlich berührt stieg ich aus, hielt Ausschau nach einem wütenden Bauern (Gott sei dank war keiner da), befestigte die abgerissene Schnur an ihren Haken und stellte die Absperrung bestmöglich wieder her. Ist aber auch echt dämlich dafür eine weiße dünne Schnur zu verwenden, die man erst sieht wenn es schon zu spät ist! Deshalb hielt sich mein schlechtes Gewissen in Grenzen. Dann durften wir noch warten, bis sich die Kühe gemütlich von der Straße bequemten. Die nächste Schnur übersah ich nicht und deshalb konnten wir die Fahrt reibungslos fortsetzen.

Am Montag Morgen verabschiedete ich mich von Chris und dem einfachen Leben, mit einem weinenden und einem lachenden Auge ;-)

Hanmer Springs

Sonntag, 04.12.2016

Am Donnerstag kam ich in hanmer Springs an und gönnte mir gleich ein paar Stunden in den legendären Thermen! Herrlich! Lauter kleine bis größere beheizte Pools draußen mit Themen wie Schwefel oder Felsen usw :) es war wirklich sehr entspannend!
Ich bin auch sehr begeistert von dem Hostel, für das ich mich entscheiden habe, das hanmer backpackers! Es ist klein, mit viel Liebe eingerichtet und die Besitzerin (Yoko) ist super lieb und immer für eine Frage oder ein Pläuschchen bereit :-) also bleibe ich dort bis voraussichtlich Montag.
Hier in hanmer war das Erdbeben ziemlich stark, deshalb hing dieser Zettel im Eingang:


Außerdem habe ich dort eine nette Allgäuerin kennengelernt, die um paar Ecken die Freunde von meiner besten Freundin Theresa kennt (sie kommt aus dem Allgäu)! Was für ein Zufall!
Leider geht es mir gesundheitlich gerade nicht so gut, deshalb gehe ich es hier etwas ruhiger an. Gestern wollte ich zB eine kurze Wanderung machen und musste auf halber Strecke umkehren. Ich war schon beim Arzt, welcher ein paar Tests gemacht hat, Ergebnisse kommen am Montag. Bis dahin entspanne ich und schlafe viel.
Bis bald

Akaroa

Sonntag, 04.12.2016

Da der Regen erst in Christchurch endete, fuhr ich die komplette Strecke durch, tankte dort und machte Paar Besorgungen und fuhr auf die Banks Peninsula, die schöne Halbinsel nahe christchurch. Die Landschaft dort testete das Durchhaltevermögen meines Autos, hier schlängeln sich sehr enge Straßen durch steile Berge und Täler.
Mit brummendem Kopf gelangte ich endlich am hinewai Reserve an, ein privater Wald mit vielen schönen Tracks. Endlich in der frischen Luft laufen, dachte ich mir. Die erste Stunde war es auch ein toller Spaziergang, doch irgendwann fing es auch hier an zu regnen und ich suchte Schutz unter den Bäumen. Der Regen ließ aber schnell nach und auf dem Rückweg, bei dem es ausschließlich bergauf ging, war mir leichter Nieselregen ganz recht, es hatte immerhin 20 grad. Der Ausblick war toll:


Ich übernachtete auf einem günstigen, dafür aber auch rustikalen und recht ursprünglichen Campingplatz. Küche und Bad sind in einer kleinen nicht isolierten Holzhütte untergebracht und neben den Campingautos grasen Schafe und gschaftln Hühner mit ihren Sprösslingen:


Dadurch, dass das Wetter so schön war und ich den Flair und den gigantischen Blick auf Halbinsel und Meer genoss, blieb ich dort für 3 Nächte.
Am nächsten Morgen lief ich ein Paar Tracks auf dem Grundstück, die durch Schaf- und kuhweiden und Palmenwälder führte. Höhepunkt der Wanderung war eine Höhle in einem Fels, der ins hellblaue Wasser ragte:


Am letzten ganzen Tag lief ich nach akaroa downtown, der Weg dauert mit Auto knapp 20 Minuten, zu Fuß war ich aber überrascht, wie weit es doch ist. Ich hatte aber keine Lust, das Auto zu nehmen, davon hatte ich immer noch die Schnauze voll, gerade bei den engen Straßen, bei denen man ein Problem hat, wenn einem ein anderes Auto entgegen kommt. Akaroa ist ein hübsches Dörfchen mit einer langen Promenade. Die Straßen haben französische Namen und auch die Geschäfte sind französisch angehaucht und mit entsprechender Flagge geschmückt:

 

Während meiner Zeit auf dem Campingplatz habe ich eine junge Familie aus Frankreich kennengelernt, sehr sympathische und gesprächige Eltern mit einem frechen 3- und einem kleinen 1- jährigen. Bei den gemeinsamen Frühstücken erzählten sie mir, dass sie 6 Monate lang in einem kleineren Auto als meins herumreisen und zu viert in diesem Auto auf den zurückgelegten Sitzen schlafen! Das fand ich sehr beeindruckend, als vierköpfige Familie! Ihre Wanderungen machten sie dann mit je einem Kind auf dem Rücken :-) tolle Familie!

An meinem letzten Tag in akaroa war das Wetter nicht so toll und ich beschloss, uns Kino zu gehen. Wie ich vermutet hatte, war das Kino recht klein und persönlich und ich war die einzige, die sich dessen Film "the fantastic beasts" von J.K. Rowling ansah! Das war auch mal eine coole Erfahrung :-) :

 

Am selben Abend ging es wieder durch christchurch, wo ich Berufsverkehr vom Feinsten erleben durfte. Da ich meine Reserven wieder auffüllen musste, ging ich zu Pak'n'Save einkaufen, wo sich die Autos um Parkplätze stritten und ganze Reihen blockierten, nur um einen demnächst frei werdenden Parkplatz zu ergattern. Im Laden war es dann auch nicht viel besser, da gab es dann stop and go mit den Einkaufswägen. Komisch, an einem gewöhnlichen Mittwochabend...
Da die Zeit dann schon merklich vorangeschritten war, fuhr ich nur noch eine halbe Stunde aus christchurch heraus und übernachtete in einem motorcamp in kairaki. Nach dem Essen wartete ich noch in der Küche, bis mein Handy voll aufgeladen war und dürfte die Prozedur miterleben, wie drei junge Syrer muffins backen. Da ich Ihnen ab und zu dabei half, schenkten sie mir einen:


Bis bald

Franz Joseph Glacier

Samstag, 26.11.2016

Kübelweise Regen und Hagel hielten mich nachts vom schlafen ab, ich hatte meine eigene Heavy-Metal-band auf dem Dach! Morgens war es unwesentlich besser, deshalb verwarf ich die Idee mit dem Fox-glacier und fuhr direkt zum Franz-Joseph-Gletscher, wo das Wetter unerwartet gut war (es schneite oder regnete nicht, vorerst...). Also raffte ich mich auf und nahm den einstündigen Weg zum Gletscher auf mich. Und ich wurde dafür mehr als belohnt!


Die Farbe des Eises wirkt in echt noch intensiver als auf dem Bild! Wahnsinn! Nach und nach kamen immer mehr Touristen dort an und gegen Ende meiner Tour glich es schon mehr einer Völkerwanderung...

Durch den vielen Regen gab es viele schöne Wasserfälle zu bestaunen:

 

Leider wurde mir der ganze Niederschlag zum Verhängnis, denn unvermittelt begann es zu schütten und innerhalb von 2 Sekunden war ich komplett durchnässt. Also raus aus den nassen, rein in trockene Klamotten. Das selbe passierte mir am selben Tag nochmal, wie ärgerlich!! 


Etwas gerädert von der schlechten Nacht fuhr ich die West coast hoch nach Hokitika. Der Name hört sich so schön an, aber die Stadt ist im Vergleich dazu ziemlich unspektakulär. Ist aber eh nur ein Zwischenstopp, morgen geht's zum Arthurspass, wo das Wetter besser sein soll. Der Arthurspass verbindet Westen mit Osten und bietet wunderschöne Wanderungen in Wäldern, Bergen und entlang von Seen. Ich freue mich schon sehr!

Bis bald

Fox Glacier

Samstag, 26.11.2016

Noch am Abend des letzten Eintrags versuchte ich meine linke hintere Autotüre zu öffnen, eine nervige Schiebetür die mir schon mal einen Streich gespielt hat, weil sie zwar nicht auf aber auch nicht mehr ganz zu gehen wollte und ich dann ständig mit blinkendem Warnzeichen durch die Gegend gefahren bin. Trotzdem versuchte ich es nochmal - wieder das selbe Problem... Also hielt ich Ausschau nach einem starken Mann, der mir helfen konnte. Und, so einfach ist das: ich bekam gleich 2! Tobi und Tobi, Stiefbrüder aus Rosenheim, einer sympathischer als der andere. Als meine Retter in der Not verwendeten sie mein gutes Salatöl, rieben die staubigen Teile an der Tür ein und tada: die Tür funktioniert wieder einwandfrei! Bei solchen Sachen ist es echt super praktisch, einen Mann dabei zu haben, dachte ich.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zufällig in der Küche und frühstückten zusammen und es bestätigte sich: nicht nur praktisch was Autos betrifft, auch noch richtig nett! Beide! Und optisch ansprechend auch noch. Sachen gibt's...

Nach dem etwas lang geratenem Frühstück kam eine dreistündige Autofahrt zu dem Fox glacier auf mich zu, einem der beiden bekannten Gletscher an der West coast. Leider regnete es dort in Strömen und zwar pausenlos, der Wetterbericht zeigt für den nächsten Tag dasselbe an. Deshalb ist der Plan, kurz im Regen den Gletscher von einer Aussichtsplattform zu betrachten anstatt Wanderungen zu machen (schade...), dann dem Franz Joseph Gletscher einen Besuch abzustatten, wo es schneien soll (ih gitt!) und dann schnell hoch in den Norden, um den Arthurspass zur Ostküste zu nehmen, wo das Wetter gut sein soll die nächste Zeit. Hier an der West Coast soll es die nächste Woche nur regnen. Schell weg!
Gute Nacht!

Wanaka

Donnerstag, 24.11.2016

Wanaka:
Am Mittwoch ging es nach dem Frühstück und einem schweren Abschied (ich soll für immer bleiben ;-) ) nach Wanaka, das kleinere und weniger touristische Queenstown. Nachdem ich die "Innenstadt" abgeklappert habe, marschierte ich den Mount Iron hoch wegen des schönen Ausblicks auf den Lake Wanaka:


Für den nächsten Tag nahm ich mir den Minoret Burn Track vor, eine siebenstündige Wanderung am Lake Wanaka entlang. Das ganze begann schon ziemlich abenteuerlich, da die Straße zum offiziellen Parkplatz des Tracks durch eine Schaf- und Kuhweide mit vielen Lämmer und Kälbern führte. Es dauerte zwar bisschen, bis sich die Tiere von der Straße erhoben und den Weg frei machten, dafür waren die Aktionen der Lämmer aber ziemlich gut einzuschätzen, da sie genau das taten was ihre Mama tat. Dabei muss man sagen, dass ich Lämmer zwar richtig süß aber auch bisschen seltsam finde weil sie ziemlich unberechenbar sind... Nicht dass sie irgendwas tun würden, aber sie rennen panisch weg, stehen oder "määhen" manchmal ohne für mich ersichtlichen Grund. Naja, deshalb war ich eben froh, dass die Fahrt unfallfrei verlief. Der Nachteil an der Straße war, dass ich 3 Tore passieren musste, also 6 Mal aussteigen musste um Tore auf und zu zumachen... Naja ;-)

Der Parkplatz war recht unspektakulär (ein Schild, sonst Wildnis) und mein Auto war das zweite dort, aber ich wusste schon, dass der Track ziemlich unbekannt ist. Umso besser :-)
Es war eine traumhafte Wanderung mit unschlagbarem Blick auf den See, Inseln und Berge und ich genoss jeden einzelnen Schritt!

 

Während meiner Wanderung erschreckte ich versehentlich eine Herde Rotwild, die dann in großer Zahl einen kleinen Berg hinuntergaloppierte. Leider konnte ich so schnell nicht mein Handy zücken...
Immer wieder verliefen kleine Bäche durch den Wanderpfad, aber mit wachsender Entfernung wurden die immer breiter. Zwei Bäche konnte ich noch überqueren dank großen Steinen, die aus dem Wasser ragten. Dann kam ein breiter aber seichter, den ich barfuß durchwatete aber der letzte war so tief, breit und reißend, mehr schon ein kleiner Fluss, sodass ich umkehren musste und die letzten Meter nicht mehr sehen konnte. Schade, aber wer weiß für was es gut war.


Auf der Heimfahrt lief mir ein (wieder mal, warum sehen die Franzosen hier alle so gut aus? Ich wäre ja nie auf die Idee gekommen, nach Frankreich zu fahren um optisch interessante Männer zu sehen!!) hübscher Franzose winkend entgegen und fragte mich mit entsprechendem Akzent, ob ich Kabel fürs Auto hätte, sein Wohnmobil sei stehen geblieben. Also gabelte ich ihn auf und fuhr zu dem Auto, in dem eine genauso hübsche und freundliche Freundin wartete. Erst versuchten wir es mit meinem Auto, aber meine Batterie war zu klein und zu schwach, der zweite Versuch mit einem anderen Camper gelang dann und das Auto sprang an. Er gab mir das Gefühl, die Welt gerettet zu haben und wollte mir unbedingt irgendetwas schenken als Dankeschön, ich fand aber das Gespräch mit dem superlieben Pärchen nett genug und lehnte dankend ab, was er beinahe nicht akzeptieren wollte. Froh darüber, eine schöne Wanderung gemacht und jemandem geholfen zu haben, fuhr ich auf den selben Campingplatz wie in der Nacht zuvor.

Morgen früh geht's zur West Coast, zum Fox Glacier :-)
Gute Nacht

Elizabeth&Colin

Dienstag, 22.11.2016

Am nächsten Morgen wachte ich schon um 6 auf, weil ich so früh eingeschlafen war. Als ich mein Handy anschaltete, wurde ich von Nachrichten überhäuft wie es mir ginge. Nach und nach erfuhr ich, dass in eben dieser Nacht ein starkes Erdbeben Neuseeland erschüttert hatte. Das Zentrum des Erdbebens befand sich weit nordöstlich von meinem Standpunkt, in der Nähe der Stadt kaikoras, genau der Ort, wo ich in genau 2 Wochen meine vierte Familie habe. Das Erdbeben kostete 2 Leben, weit weniger als das weniger starke Erdbeben 2011 mit knapp 200 Todesopfern.
Queenstown wurde komplett von dem Erdbeben verschont, niemand hatte was gespürt. Bis auf die Nachrichten von dem Erdbeben schien der Tag wie jeder andere.
Mittags lernte ich meine dritte Familie kennen. Es handelt sich um ein älteres Pärchen, die 20 min von queenstown entfernt am Lake Hayes in einem wahnsinnig schönen und riesigen Anwesen leben:

Die beiden waren mir auf Anhieb sympathisch. Sie ist eine recht selbstbewusste und kecke Lady, er ist ein total lieber "Opi". Die beiden haben insgesamt vier erwachsene Kinder und 14 Enkelkinder zwischen 6 und 21 Jahren. Diese leben zum Teil in Neuseeland verstreut, ein Paar in Amerika. Nicht nur in der Hinsicht ist das Pärchen beeindruckend: der "opi" (Colin) war früher Pilot eines kleinen Flugzeugs, in das die ganze Familie passte (die beiden, die vier Kinder und ihr damaliger Hund). So eine coole Familie habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht kennengelernt! Ständig werden sie angerufen oder bekommen Besuch von irgendeinem Nachbarn/Verwandten/Freund/ Enkel und trinken gemütlich Kaffee. Ich fühle mich seit der ersten Sekunde zuhause, habe mir schon sämtliche Bilder auf dem neuen Laptop ansehen dürfen, welcher Colin noch etwas Schwierigkeiten bereitet. Colin ist momentan mit einem gebrochenen Unterschenkel gehandicapt, weshalb ihn Elizabeth (seine Frau) herzallerliebst umsorgt. Und aus diesem Grund bleibt weniger Zeit für den Garten, den ich 9 Tage lang von Unkraut befreite Nachmittags entspannte ich je nach Lust im infinity-garten mit traumhaften See- und Berg-Blick oder erkundete Arrowtown, ein beliebtes Dörfchen mit süßem Zentrum und vielen schönen Geschäften. Abends nahm ich an dem Ritual "Essen, Nachrichten, Kakao" Teil und frage mich, wie die Welt ohne abendlichen Kakao ausschaut. Insgesamt fühlten sich die 9 Tage, eigentlich waren 7 geplant, wie Urlaub bei Oma und Opa an und ich verlasse Elizabeth und Colin schweren Herzens. Aber ich habe noch ein Paar Dinge vor mir, bevor ich hoffentlich in das Erdbebengebiet fahren kann, um meiner vierten Familie so gut es geht zu helfen. Seit wenigen Tagen sind vereinzelte Straßen wieder geöffnet, freigeschaufelt, während andere noch von tiefen Kratern gezeichnet oder verschüttet sind.

Sonnige Grüße von einer gebrutzelten Alice, deren Bräune an den Händen ausgespart ist, wo sie die Gärtner-Handschuhe trug ;-)

Queenstown

Donnerstag, 17.11.2016

 Heute Morgen weckte mich die Sonne schon recht früh und deshalb ging's fix los nach queenstown. Ab Montag habe ich dort eine Familie, ich werde also viel Zeit haben, die Stadt zu erkunden. Deshalb beschloss ich (Sonntag), eine Tageswanderung auf den Berg Lomond zu wagen. Um 10 ging es los und gefühlt um halb 11 fragte ich mich, wie lang es denn noch bergauf ginge. Aber gut, ich ermahnte mich, kein Schwächling zu sein und hielt durch. Der Weg führte durch einen Wald, dann durch alpine Landschaften mit niedrigen Gewächsen und am Ende gab es nur noch Felsen und Schutter, da war teilweise eher klettern als wandern angesagt. Obwohl ich im Wandern nicht besonders trainiert bin, konnte ich nicht anders und schleppte mich auf den in 1748m gelegenen Gipfel. Dort war es eiskalt und es lag Restschnee, die Kälte fraß sich sofort durch meine durchgeschwitzten Klamotten. Aber die Aussicht auf den Lake wakatipu und queenstown war Hammer:

Genüsslich und stolz (aber auch halb erfroren) aß ich meinen Schokoriegel als Belohnung. Zu meiner Beunruhigung war ich nicht die Einzige auf dem schwindelerregenden Gipfel - ca 15 andere Wanderer machten es sich dort oben bequem. Zu meiner Verärgerung sprach die Hälfte davon Deutsch (wenn ihr irgendwo auf der Welt Deutsche treffen wollt, dann klettert einfach auf einen möglichst hohen Berg und lasst euch überraschen). Und zu meinem blanken Entsetzen sprachen 2 davon über Medizin. Da saß ich also, körperlich verausgabt, und verschluckte mich halb an meinem billigen Riegel. Ich konnte nicht anders: "Sagt mir bitte nicht, dass ihr beide Medizin studiert! Wo muss man bitte hin gehen, um keine deutschsprachigen Medizinstudenten zu treffen?" Ich dachte ich wäre 18237 km von daheim entfernt auf der sicheren Seite. Es stellte sich heraus, dass die beiden sich auch gerade auf dem Gipfel kennengelernt hatten, er studierte in Deutschland, sie in Österreich. Da mir die Gesprächsthemen nicht angemessen für diesen idyllischen Ort vorkamen, war mein Gesprächsanteil minimal. Kennt ihr diesen Punkt in einem Gespräch, wenn man ein Thema abgeschlossen hat, eine kurze Pause Eintritt und man dann beschließt, sich wiederzusehen oder zusammen weiterzulaufen? Ich habe genau den Augenblick vor besagtem Moment genutzt, um mich zu verabschieden mit der Floskel "Vielleicht sieht man sich ja wieder, queenstown ist ja nicht so groß", ich schätzte die Gefahr nicht so groß ein, da beide am nächsten Tag weiterreisten (und behielt dabei auch recht). Damit waren sie zwar nicht so ganz einverstanden, ich machte mich aber flott auf den Weg. Sie wagten die Kühnheit und brachen direkt nach mir auf, sodass ich sie mit ihren Gesprächen im Nacken hatte. Angetrieben durch Wörter wie "praktisches Jahr", "Examina", "Viszeralchirurgie" und "Radiologie" rannte ich in ungeahnten Geschwindigkeiten den Berg hinab und wagte es kaum, mich umzudrehen, einen Schluck aus meiner Flasche zu nehmen oder gar ein Foto zu machen. Den Harndrang konnte ich komplett unterdrücken und das will bei meiner Blase schon was heißen... Erst, als ich den Albtraum weder hören noch sehn konnte, konnte ich mich etwas entspannen und ging nur noch zügig. Sogar ein Jogger, den ich oben am Gipfel gesehen hatte (er joggt den Berg runter, wie abgefahren ist das denn?) rief mir am Vorbeilaufen zu, dass ich ganz schön schnell unterwegs sei. Und das will schon was heißen aus dem Mund eines Bergjoggers ;-) den ganzen Weg hinab ging es mir nicht aus dem Kopf, wie verrückt und abgefahren es ist, dort, wo man es am Wenigsten erwartet, von seinem Alltag eingeholt zu werden. Auf so freche Art und Weise. 5 Stunden nach meinem Aufbruch war ich wieder bei meinem Auto, suchte eine Übernachtungsgelegenheit, duschte und erkundete queenstown mit schweren Beinen und Augenlidern. Queenstown ist eine sehr hübsche Stadt, gefällt mir sogar noch mehr als dunedin. Sie besitzt schöne Strände, einen kleinen Hafen, eine niedliche Fußgängerzone mit stylischen Geschäften, süßen Cafés, coolen Clubs und urigen Bars und Pubs. Als Abendbrot gönnte ich mir den legendären Ferg-Burger, den man in einem klitzekleinen und total überfüllten Burgerladen kaufen kann. Man wartet erst ca 15 min in der Schlange, die bis auf die Straße reicht (die Schlange wird von speziellem Personal geregelt), dann wartet man 15 min, bis die eigene Bestellnummer aufleuchtet, was heißt, dass der Bürger fertig ist und am Schluss wartet man nochmal 10 min in einer nächsten Schlange, um sich den Burger dann endlich abzuholen. Bei der ganzen Warterei hat man natürlich ausreichend Zeit, um sich den ganzen Laden anzuschauen: hinter den Tresen arbeiten ca 10 Leute, 2 nehmen Bestellungen auf, einer kümmert sich um für Pommes, einer brät die Bürger und den Speck, einer schneidet Semmeln, zwei belegen sie, einer wickelt sie in Papier, einer hilft aus, wo er gerade gebraucht wird und ein Paar spülen ab und kümmern sich um die restlichen Zutaten. Und das alles auf einer klitzekleinen Fläche! Dabei läuft laute Musik, zu der die vielen Mitarbeiter mitgröhlen ("don't speak" von gwen stefani unter anderem). Viele Hungrige sitzen oder stehen rum und warten. Ich fand das ganze so cool, dass ich meinen Burger gleich dort an der Bar aß und ihn nicht mit raus auf die Wiese/an den Strand nahm. Ich hab die Stimmung und die guten Düfte genossen. Bis zum letzten Bissen meines herrlichen Southern swine (zusätzlich zum Klassiker mit bacon, Salat und Avocado) mit herrlichen Pommes.


Danach schleppte ich mich noch in mein Auto und zwei Sekunden später fielen mir die Augen zu. 

Milford Sound

Donnerstag, 17.11.2016

Am Freitag ging es auf nach Milford Sound! Naja, davor ging es zum tanken, weil auf dem Te Anau-Milford- Highway keine Tankstelle gibt, und immerhin ist das eine 2 1/2 Stunden Tour, wenn man non stop durchfährt. Der Highway alleine ist schon ein Erlebnis für sich, er schlängelt sich durch Sumpftäler, Regenwälder und am Schluss durch die Fiorde, so wie man sie sich vorstellt. Natürlich bin ich nicht stur durchgefahren, sondern habe insgesamt 2 Stopps gemacht. Als erstes hielt ich am divide an und machte eine 3 h-Tour durch Wälder und oben durch alpine sumpfige Gebiete:

Obwohl man ständig durch unterschiedliche Umgebungen und einen fantastischen Ausblick auf die Berge und Täler belohnt und abgelenkt wurde, kam ich ganz schön ins Schwitzen und bewunderte die vielen Leute, die teils locker flockig unterwegs waren. Darunter ältere Herrschaften, Schwangere oder stolze Väter mit Baby vorne und Rucksack hinten! Nicht schlecht sag ich da nur!

Mein zweiter Halt war dann weniger energieraubend, nur ein kurzer Walk zu einem Fluss, der interessante Formen in die Felsen geschmirgelt hat:

Der war mir allerdings viel zu touristisch, der Ort wimmelte nur so von Chinesen und Italienern, die wohl anstrengendste Kombi, die man erwischen kann. Bisschen heimelig fühlte ich mich insgeheim jedoch auch wieder, denn ich vermisse schon manchmal das feurige Lärmen meiner Großfamilie.
Am Parkplatz hatte es sich dann ein großer und hübscher Vogel neben meinem Auto bequem gemacht und bettelte um Krümel, hübscher Kerl:

Gegen Nachmittag kam ich dann in milford an, wo es ehrlich gesagt nicht so viel zu sehen gibt außer einen kleinen Teil der versprochenen Fiorde, die jedoch gewaltig Sind:

Jetzt flacke ich gerade auf einem sehr bequemen Sofa in einer super moderne Anlage, die zwar teuer, aber ihr Geld wert ist, schreibe diese Zeilen, werde gleich was kochen und dann wie ein Baby schlafen. Kein Empfang, WLAN überteuert und schlecht (deshalb spare ich mir das) und mitten in der Natur, direkt in milford. Ja, mir geht's gut ;-)

Gute Nacht

Te Anau

Donnerstag, 17.11.2016

Nach einem netten und gemütlichen Frühstück mit dem Pärchen und einer deutschen Medizinstudentin, die schon paar Jährchen weiter ist als ich und in Neuseeland ihr praktisches Jahr macht, ging es los nach Te Anau, bekannt für drei der beliebtesten Great Walks Neuseelands: Kepler Track, Hollyford Track und Milford Track. Geplättet vom vorigen Tag und von der Autofahrt, die sich dank meines blöden Handy-Navis zog, suchte ich mir als erstes einen Campingplatz in direkter Lage zum Lake Te Anau:

Doch bei der Aussicht hielt ich rumsitzen nicht lang aus und lief einen kleinen Teil des Kepler-Tracks, der in voller Länge mehrere Tage dauert. Mir reichten 3 h Wandern, durch exotische Wälder (Kiwi-Zone, habe leider keinen Kiwi gesehen...) immer am See entlang:

Nach einem Großeinkauf, bei dem ich meine Reserven wieder auffüllte, ging auch dieser Tag schnell vorbei und ich bereitete mich mental auf den nächsten Tag vor, bei dem es nach milford ging...

The Catlins

Donnerstag, 17.11.2016

So meine lieben, wie angekündigt habe ich mich jetzt eine Zeit lang nicht gemeldet, ich hatte nämlich weder Internet, noch WLAN, noch Netz. Aber ehrlich gesagt habe ich das auch ein wenig genossen, weil man genau dann so richtig abschaltet. Am Mittwoch verabschiedete ich mich gleich ganz in der Früh von meiner zweiten Familie und machte mich auf den Weg Richtung Süden, das letzte mal, danach ging es nämlich nur noch aufwärts Richtung Norden. 

Mittlerweile durchströmt mich schon immer ein Glücksgefühl, wenn ich mich in mein Auto setze und neue Orte erkunde - so auch an diesem wunderschönen und sonnigen Tag. Mein erster Stopp war der Nugget Point, ein Leuchtturm, den mir John empfohlen hatte. Das Wetter zog in der halben Stunde, als ich zum Leuchtturm lief, ziemlich zu und unterstrich die abenteuerliche Atmosphäre, die der Ort wegen der tiefen Abgründe und dem tosenden Meer eh schon hatte:

Danach fuhr ich verzwickte Schotterwege zu den Purakanui falls, ein sehr schöner Wasserfall inmitten eines wilden Urwaldes:

 

Da ich noch nicht genug hatte von Wasserfällen, aber viel Zeit, sah ich mir die mcleans falls an, die ich sogar noch schöner fand als die vorigen, vor allem weil man einen längeren Track durch den Wald machen musste, um dort hin zu gelangen. Ich kam mir vor, als ob man mich ins Jungle Buch gezaubert hätte:

Danach ließen die Gezeiten zu, dass man die Cathedral Caves betreten darf, die sonst unter Wasser stehen. Die Höhlen liegen an einem wunderschönen Strand, an dem ich einen langen Spaziergang machte, solange, bis mich der Wind heimwärts blies:

 
Die Höhlen waren zwar wunderschön, ich hatte aber ehrlich gesagt etwas Angst, weil ich die erste und einzige in den düsteren Höhlen war und ich hinter jeder Ecke einen schlecht gelaunten Seebären erwartete. Deshalb verbrachte ich mir Zeit am Strand ;-)

Zu guter Letzt machte ich einen letzten Abstecher zur curio bay, einer schönen Bucht mit vielen Hector-Delfinen (die kleinsten Delfine der Welt), die im seichten Wasser dümpeln. Ein paar waren zu meiner Begeisterung ziemlich aufgedreht und spielten in den Wellen, sodass ich teilweise mehr als nur ihre Rückflossen sehen konnte. Leider habe ich kein Foto von einem Delfin, dafür aber von der Bucht:

Schlapp und fast verhungert ließ ich mich an einem süßen kleinen Campingplatz nieder, der zu einer Farm gehört. Deshalb befanden sich genau hinter meinem Stellplatz Kälber und Lämmer, bei deren Fütterung ich zuschaute. Richtig süß :-)

Nach meinem Abendessen, bei dem ich ein sehr nettes schwules australisches Pärchen kennengelernt hatte, die mir von milford vorschwärmten und mir ans Herz legten, was ich dort alles anschauen und machen sollte, machte ich mich ein letztes Mal auf den Weg, um am südlichsten Punkt Neuseelands zu stehen, Slope Point:

Durch die Tatsache, dass es jetzt nur noch hoch geht, und wegen dem traumhaften Sonnenuntergang, denn ich an besagtem Punkt erlebte, wurde ich etwas emotional.

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich an diesem Abend tot ins Bett gefallen bin :-)

Sandfly Bay

Sonntag, 06.11.2016

So, das ist wohl mein letzter Nachtrag fuer heute, keine Sorge ;-)

Am Samstag war ich schon recht frueh auf den Beinen, da ich frei hatte und ich mir voller Tatendrang vorgenommen hatte, Walrosse oder Robben zu sehen. Deshalb machte ich mich auf den Weg nach Peninsula, einer Halbinsel bei Dunedin, die bekannt fuer Wildtiere wie Pinguine, Walrosse, Robben und Albatrosse ist.

Nach einer 30 minuetigen Autofahrt vom Stadtzentrum aus war ich am Beginn eines etwas versteckten Tracks angekommen, der ueber sandige und steile Pfade zu einem Sandstrand fuehrt, dem Sandfly Bay. Sowohl auf dem Hin- als auch beim Rueckweg kam ich ganz schoen ins Schwitzen, denn das Laufen im Sand ist um Einiges anstrengender als auf festen Boden (naja, gut fuer die Pomuskeln ;-) ). Die Aussicht hat aber gut abgelenkt von den schwaechelnden Muskeln:

Erst realtiv weit unten entlarvten sich vermeintliche Algenbueschel oder Felsen als faule Walrosse:

 ich muss sagen, dieses riesige Exemplar verkoerperte meinen Zustand.

Ausserdem sorgten vereinzelte Robben oder sogar ein ganzer Clan fuer etwas Action: (im Moment, als ich das Foto gemacht habe, war die Action bei der Familie schon wieder vorei und sie lagen wieder faul nebeneinander, wie von den Wellen angeschwemmt)

Dabei fand ich es so ungewohnt, dass man ganz ohne Abtrennung ziemlich nah an die Tiere kam, ganz in ihrer natuerlichen Umgebung. Sehr erfrischend irgendwie. Aber Schilder legen einem Nahe, nicht allzu nah zu kommen, gerade die Maennchen fuehlen sich angeblich schnell auf die Pelle gerueckt und koennen dann ungemuetlich werden. Tja, typisch Mann halt ;-)

Weil ich spater noch nicht genug Bewegung hatte, machte ich noch einen langen Spaziergang am Meer 30 Gehminuten vom Haus und lief in der untergehenden Sonne dem Abend entgegen:

Auf dem Heimweg begeneten mir dann noch suesse Schafe:

Ciaociao

 

Zweite Familie

Sonntag, 06.11.2016

Meine Lieben,

weil meine Blog-App jetzt total den Geist aufgegeben hat, schreibe ich heute von dem Computer meiner zweiten Familie aus, den Koens. Ich muss sagen, die ist ein wirklicher Gluecksgriff! 

Erster Pluspunkt: sie haben drei verrueckte aber sehr liebenswerte Hunde: 

Darf ich vorstellen: Ruby, Bean und Annie. Ueblicherweise verbringen sie den Tag damit, sich gegenseitig durchs Haus zu jagen und ihr Heim zu beschuetzen, vor Eindringlingen wie mir zum Beispiel, aber auch vor Brieftraegern oder der eigenen Familie. Am Anfang war das etwas unheimlich, denn besonders Ruby hat bei Fremden anfangs immer Startschwierigkeiten, das bedeutet sie schaut und knurrt dich an, fletscht dabei ihre Zaehne. Bei einem Hund in ihrer Groesse ist das schon ziemlich respekteinfloessend. Aber Gott sei Dank hielt das gerade Mal 10 Minuten an und jetzt kommt sie regelmaessig zu mir, um sich Streicheleinheiten abzuholen. Tja, so sind sie halt, die Maedels. Da sind die anderen zwei schon wesentlich unkomplizierter =) Insegsamt sind sie wirklich zum Knuddeln und ziemlich schlecht erzogen, sie sind naemlich wahre Meister, was den ultimativen Dackelblick betrifft, und betteln was das Zeug haelt. Und das erfolgreich ;-) Was man noch zu Ruby sagen muss: Sie ist ausserordentlich klug und ausdrucksstark, Debbie (die Mutter der Familie) und sie fuehren eine ganz enge Beziehung und Ruby reagiert auf alles, was Debbie sagt. Wenn beispielsweise das Wort "Maus" faellt, auch in einem ganz anderen Zusammenhang, wird Ruby total quirlig und beginnt zu suchen, wo sich die Maus befindet =)

Zweiter Pluspunkt: das Essen

Hier wird jeden Abend aufs Feinste aufgetischt: aufwaendige Hauptspeisen mit mehreren Beilagen und stets eine andere Nachspeise, darunter Creme brulee, Schoko-Tarte, Pavlova, Rhababer-Baiser usw. Und sowas ist ganz nach meinem Geschmack. Wie auch nach dem Geschmack der anderen Bewohner dieser kleinen Farm: Debbie, John (Vater), Tom, Andrew (Soehne), Min und Nick (Gastschueler aus Suedkorea und Thailand, die Namen sind von ihnen selbst gewaehlt worden fuer ihren Aufenthalt hier in Neuseeland). Insgesamt ist das Haus voll von Harmonie, nach dem Essen wird beispielsweise oft noch Poker gespielt oder einfach nur geratscht.

Ausserdem ist Debbie ein grosser Fan von Italien, deshalb haben wir auch schon gemeinsam Focaccia gebacken:

Dritter Pluspunkt: die Arbeit

Hier wird stark darauf geachtet, dass man nicht mehr als 4h pro Tag arbeitet oder man 8h schuftet und dafuer den naechsten Tag frei nimmt. Nicht nur das, sondern auch die Aufgaben an sich sind schoen und abwechslungreich. Zum Beispiel Eselhaufen einsammeln (das stinkt nicht), welche dann gesammelt werden und sich Wuermer bilden, die dann wiederum an die Huehner ferfuettert werden und der Rest als Duenger verbraucht wird. Klingt vielleicht bisschen skurril, ich finde das System aber echt gut. Es wird nichts weggeworfen und da die Esel nur Gras fressen, ist auch alles sehr natuerlich und frei von Schadstoffen. Man hat mich zu Beginn daruber aufgeklaert, dass Esel launisch sind, deshalb hatte ich erst Respekt. Manchmal legen sie ploetzlich ihre Ohren an, was mir erst Angst gemacht hat, weil das bei Pferden ja nichts Gutes bedeutet, bei Eseln hat das aber erst Mal nichts zu sagen, wie ich jetzt weiss. Einer der beiden zwickt ganz gerne, mich bisher noch nicht, und der andere ist etwas scheu. Anfangs haben sie mich ignoriert, mittlerweile hab ich beim morgendlichen Kacke Aufklauben einen steten Begleiter.

Andere Aufgaben sind Unkraut Jaeten, Rindenmulch Rumkarren, Buegeln, Backen, Kochen (aber nur als Gehilfin ;-) )...

Vierter Pluspunkt: die Lage

die Farm befindet sich auf einem Huegel 20 Min entfernt von Dunedin, deshalb hat man eine tolle Aussicht und ist schnell in der Stadt, man kann seine freie Zeit also schoen nutzen ;-) Deshalb habe ich beispielsweise Dunedins botanischen Garten, einen Bauernmarkt und die steilste bewohnte Strasse der Welt, Baldwin Street, erklommen: 

Liebe Gruesse

Ps: wenn ich Mal eine Zeit nicht schreibe, heisst das wahrscheinlich nur, dass ich Probleme mit meiner Blog-App und keinen Computer verfuegbar habe, nicht, dass es mir schlecht geht oder ich verschollen bin, keine Sorge ;-)

Dunedin

Sonntag, 06.11.2016

Hallo meine Lieben,

wahrscheinlich wundert ihr euch, dass auf ein mal so viele neue Einträge online sind. Das liegt nicht etwa daran, dass ich faul bin oder keine Lust hatte zu schreiben, sondern daran, dass die blogseite Faxen gemacht hat und meine neuen Einträge recht kompliziert versteckt waren. Außerdem habe ich zu wenig Internet, um Bilder hochzuladen und arbeite bereits an einer Lösung. 

So, ich habe drei Nächte in Dunedin verbracht, einer schottisch angehauchten Stadt mit vielen Studenten. Deshalb ist die Innenstadt hier von Bars, Clubs und Pubs übersäht und ich fühle mich hier ziemlich wohl. Ich muss sagen, bisher ist dunedin die schönste Stadt Neuseelands für mich:

Als ich hier ankam, buchte ich drei Nächte in einem großen Ferienpark in direkter Nähe zum weitläufigen Sandstrand, wo viele Leute mit ihren Hunden spazieren/joggen gehen. Passend zur Lage und gleichzeitig sehr unverhofft lernte ich an meinem zweiten Tag bei einem gemütlichen Mittagessen in der Gemeinschaftsküche Joe kennen, einen smarten Surfer aus England. Nach etwas smalltalk fragte er mich, was ich an diesem Tag noch so vor hätte und da ich mich schon seit dem ersten veröffentlichten Trailer darauf freute, "Bridget Jones Baby" anzuschauen und ich Gefahr witterte, die Chance zu verpassen, wenn ich eine Notlüge erfunden hätte, beschloss ich, die etwas peinliche Wahrheit zu sagen: ich schau mir den Film an, und nicht mal du kannst mich davon abhalten (Bridget Jones geht in jeder Lebenslage VOR Dates mit irgendwelchen Jungs, auch wenn es sich um Surfer handelt!). Zu meiner großen Überraschung gab er sich die Blöße und ging mit mir in diesen Film. Zusammengefasst sah ich mir mit einem wildfremden gutaussehenden Engländer einen Film über die verplante Bridget an, die schwanger wird und dabei nicht weiß, wer der Vater ist, wobei wir zwischen lauter gackernden Frauengrüppchen in einem kleinen Kinosaal saßen. Tja, das nennt man dann wohl Einsatz! Und noch witziger finde ich, dass ihm der Film gefiel (zumindest hat er das behauptet), unter Anderem wegen dem britischen Humor. 

Wir verabredeten uns auch für den nächsten Tag - wohlgemerkt nach seinen 6 Stunden Surfen - und freundeten uns dafür, dass wir uns gerade mal 2 Tage gesehen haben, ziemlich gut an.

Was ich sonst noch so unternommen habe hier in Dunedin: barfuß Joggen am Meer: 

Tunnel Beach Track Laufen (zwar kurz, dafür knackig steil mit toller Aussicht auf das Meer):

Und Schwimmen in dem Saint Clair Hot Salt Water Pool. Wie der Name sagt, schwimmt man seine Bahnen in geheiztem Meerwasser. Das alles ist ein Freibad direkt am Meer und ich hatte das Pech, einen sehr windigen Abend zu erwischen. Deshalb frohr jedes Körperteil unverzüglich nach Auftauchen aus dem Wasser ab, aber das lustige an dem Wind war, dass ab und zu die hohen Wellen aus dem Meer in das Freibad schwappten :-) 

Ansonsten habe ich mir noch die Innenstadt angesehen, die wie oben beschrieben echt süß ist, die Museen habe ich mir allerdings gespart, da bin ich nämlich nicht so ein Fan von ;-)

Liebe Grüße 

Oamaru

Donnerstag, 03.11.2016

Nachdem ich meinen letzten Beitrag geschrieben hatte, lag ich in meinem Bett und war schon dabei einzuschlafen. Eigentlich eine Schande, denn lake tekapo ist für seinen unschlagbaren Sternenhimmel bekannt. Als Ausrede legte ich mir bereit: es ist eh bewölkt, man wird bestimmt nichts sehen. Dann ergriff ein Mädchen aus meinem 6-Bettzimmer Initiative und fragte, wer raus gehen und die Sterne ansehen möchte. Als ob alle darauf gewartet hätten, sagten wir alle gleichzeitig "Ja" und sprangen aus unseren Betten, sodass wir lachen mussten. So stiefelten wir zufünft, eine Brasilianerin, zwei Französinnen und ein Südkoreaner in die dunkle Nacht zum See hinab und wurden gleich für die Mühe belohnt: es war wirklich atemberaubend! Sogar eine Sternschnuppe flog über uns hinweg :-) der Südkoreaner bekam ungewollt noch eine Dusche von einer Sprenkelanlage ab und dannwar alles Eis gebrochen. Beim Heimweg beschlossen wir, uns noch auf einen Tee im Gemeinschaftsraum zu treffen und erzählten uns unsere witzigsten Erfahrungen auf unseren Reisen. Es war ein total witziger Abend. Leider führen alle ihre Reisen in unterschiedliche Richtungen fort, aber wir tauschten Nummern, um notfalls Hilfe zu bekommen. 

Am nächsten morgen wachte ich früh auf und fuhr 200 km in eine Stadt namens oamaru, die für ihre Pinguine bekannt ist, welche bei Dunkelheit an den Strand gewatschelt kommen. Deshalb musste ich den halben verregneten Tag noch irgendwie rumkriegen und erkundete die Altstadt. Diese ist zwar klein, dafür aber ziemlich cool: hier befinden sich ausgefallene Galerien mit seltsam gekleideten Menschen. Hier fahren sie sogar mit ganz alten Fahrrädern durch die Straßen:

 

Außerdem findet ein Mal im Jahr ein Fest statt, wo alle Leute in antiken Kleidern rumlaufen. Insgesamt kann man also sagen, dass die Stadt etwas in der Vergangenheit stecken geblieben ist, was sehr charmant ist. Der neue Stadtteil ist dafür eher weniger interessant. Abends drehte ich viele Runden am Strand - schon halb erfroren und ziemlich wenig zuversichtlich, einen einzigen Pinguin zu sehen. Doch dann, in der Finsternis, sah ich an einem Ende des Strandes Leute in orangen Leucht-Jacken aufgeregt rumwurschteln. Und siehe da, kleine süße 

Zwergpinguine watschelten aus dem kalten Wasser: 

 

Die Aufpasser machen hier ein Wahnsinns Theater mit ihren nicht fliegenden Vögeln: man darf sie nicht fotografieren, am liebsten sollte man gar nicht atmen, um ja die kleinen Racker nicht zu stören. Dabei halten die sich am ganzen Strand auf, auf meinem Campingplatz und auch in der Stadt. Ich glaube also nicht, dass die große Probleme mit Menschen haben ;-). Außerdem habe ich mir eine Frechheit erlaubt: um die Pinguine an ihrem Haupt-Ankunftort optimal sehen zu können, muss man 40 Dollar bezahlen. Da dort schon große Aufbruchsstimmung herrschte, waren die Ausgänge geöffnet und ich wagte es, ihn als Eingang zu benutzen. Die funktionierte auch, und ich konnte noch einige sehen. Um neun Glück noch weitere herauszufordern, wollte ich bei dem guten Licht ein Bild machen. Sofort kam eine Aufseherin angehetzt und teilte mir in unhöflichen Ton mit, sofort mein Handy in meine Taschen zu stecken. Scheinheilig behauptete ich, dass ich nicht gewusst hätte, dass man keine Bilder machen darf und die Dame wird mich darauf hin, dass man mir das beim Ticketkauf bestimmt gesagt hätte und ich beließ es dabei. Eigentlich hätte ich zu gerne gesehen, wie die Frau sich aufregt, wenn sie erfahren hätte, dass ich gar keinen Eintritt bezahlt hatte.

Naja, lassen wir Ihnen doch ihren einzigen Stolz, die Pinguine. 

Liebe Grüße 

Lake Tekapo

Donnerstag, 27.10.2016
Nach einem herrlichen Porridge sollte es heute Morgen los gehen in Richtung Süden. Damit dies auch pannenfrei geschehen konnte, checkte Robin (das Männlein des Pärchens) die wichtigsten Dinge unter der Motorhaube meines Autos: Öl, Kühlwasser, Stabilität der Batterie und erklärte mir, wie ich das selber nachprüfen oder ggf. nachfüllen kann. Dafür war ich sehr dankbar, ich wusste nämlich über die Motorhaube nur, dass man sie öffnen kann.  Danach verabschiedeten wir uns und beschlossen, in Kontakt zu bleiben, um uns vielleicht gegen Weihnachten oder Silvester zu verabreden, falls die Wege sich einigermaßen kreuzen. 

Unterwegs machte ich dann meine erste Fahrgast-Erfahrung: ein junger Mann stand am Straßenrand und streckte seine Hand raus. Beim Vorbeifahren (Männer will ich eigentlich nicht aufgabeln) bemerkte ich, dass er einen Hund dabei hatte - natürlich konnte meine tierliebe Seele nicht anders, ich legte eine Vollbremsung hin, kehrte um und ließ die beiden einsteigen. Im ersten Moment bereute ich es, denn sie brachten einen deftigen Kuh- und Hundegestank in mein wohlriechendes Auto. Aber ich wurde durch die freundliche Art des Ethans besänftigt. Er erzählte mir, dass er Neuseeländer sei und zwei Kinder hätte (seine Tochter heißt Alissa), was mich sehr überraschte, weil er kaum älter als ich aussah, aber da kann man sich ja immer leicht täuschen. Er arbeitet auf einer Farm (deshalb der Gestank) und wollte nach Tiamaru. Da das nur begrenzt auf meinem Weg lag, konnte ich ihn nur ein kleines Stück mitnehmen und dann ging wieder jeder seine eigenen Wege. 

Auf meiner weiteren Autofahrt fiel mir auf, dass ich schon insgesamt 600 km gefahren bin in Neuseeland (das hat mir mein Auto verraten), was ich viel finde. Und dann kam ich endlich an am Lake Tekapo und war im ersten Moment enttäuscht, weil man mir türkisblaues Wasser versprochen hatte und es von meiner Perspektive eher vorkam wie ein ganz gewöhnlicher, langweiliger See. Auch das "Dörfchen" kam mir sehr lieblos vor, eher wie eine große Autobahnraststätte mit vielen Reisebussen und Chinesen, die in 10 Minuten Busstop Rekorde im Fotos Schießen aufstellen können. Außerdem konnte ich keinen Campingplatz mit passendem Preis-Leistungs-Verhältnis auftreiben. Etwas genervt erschien mir die einzige Lösung aus diesem Schlamassel fish&chips, hoffentlich frisch vom See: 
Nachdem ich meinen Magen mit dem guten Zeug vollgeschlagen hatte und ich sogar freche vorbeiwatschelnde Enten mit Pommes glücklich machen konnte, hellte sich meine Laune auf und ich beschloss, für den selben Preis wie ein Campingplatz mit Dusche und Küche, ein nettes Hostel aufzusuchen. Nachdem ich eingecheckt hatte, gab ich mir einen Ruck und ließ mich darauf hinab, den "ach so tollen" See mit einem 2 1/2 stündigen Mt John-Track zu beehren. Und wer hätte das gedacht (ich nicht), vom Berg aus, also von oben herab, nahm der See wirklich eine wunderschöne Farbe an und ich genoss eine atemberaubende Aussicht auf türkisblaues Wasser, Hügel und teils schneebedeckte Berge: 





Ganz unten: die Schafherde mit der wahrscheinlich schönsten Aussicht unter allen Schafherden

Also hatte sich die Anstrengung doch gelohnt, und zwar so richtig :-) 

Jetzt sitze ich gemütlich in dem Hostel mit Blick auf den Garten, wo sich ein Hühner- und ein Hasen-Gehege befindet und bin froh, dass ich heute ganz ohne Verrenkungen meinem Schlafanzug anziehen und dann schlafen kann. Und zwar nicht so spät wie in den letzten beiden Tagen, da ich morgen wieder so Einiges vor mir habe...

Gute Nacht, oder euch einen guten Morgen :-)

Ersatzprogramm bei Regen

Donnerstag, 27.10.2016
Wie angekündigt regnete es gestern die meiste Zeit, deshalb entschloss ich mich kurzerhand nach einem gemütlichen Frühstück auf dem Campingplatz nach Geraldine zu fahren, einer Stadt in der Nähe. Eigentlich war der Plan, das dort gelegene Link zu besuchen. Leider verriet das Kinoprogramm, dass dort pro Tag ein Film gespielt wird und gerade an diesem Tag gar keiner. Also bummelte ich durch Geraldine-downtown, eine 500m lange  Einkaufsstraße - und wer sagt's denn, ich hab es geschafft einen fleecepulli und ein erstes Mitbringsel zu kaufen. Shoppen stand eigentlich nicht auf dem Plan, aber ich konnte einfach nicht widerstehen, gerade bei dem Schmuddelwetter. Danach gönnte ich mir eine schöne Tasse heiße Schokolade in einem süßen Café namens "the Running duck": 


Abends war ich mit dem netten Pärchen vom Vorabend auf ein Monopoly-Spiel mit "Games of Thrones-Edition" verabredet und ich gewann das erste Spiel sehr unverhofft (ich verliere normal jedes Spiel) haushoch. Das zweite dann nicht mehr, aber so genau nehmen wir es ja auch wieder nicht ;-)

Lg

Mount Somers

Mittwoch, 26.10.2016
Gestern war es endlich so weit: ich hab meine sieben Sachen gepackt und bin in mein Auto gestiegen. Und einfach losgefahren in Richtung Mount Somers. Das war ein total schönes Gefühl, so frei. Denn bisher hatte ich ja immer schon feste Orte, wo ich hin gefahren bin: vom Flughafen ins Hostel, was ich vor einem halben Jahr gebucht habe und von dem Hostel zur ersten Familie, was auch schon lang geplant war. Nach einer knappen Stunde Autofahrt war ich dann in dem kleinen Dorf Mt Somers am Fuß des gleichnamigen Berges. Nachdem ich in einem kleinen Campingplatz  eingecheckt hatte, wollte ich meine Einkäufe machen. Hier gibt es nur einen kleinen Tante-Emma-Laden, der keine Kreditkarten nimmt und einen Bankautomaten haben die hier auch nicht. Also - gerade erst angekommen - machte ich mich gleich wieder auf den Weg in die nächste kleine Stadt namens ashburton, um meine Einkäufe in einem Supermarkt namens New World zu erledigen, eine Kette vergleichbar mit Rewe. 70 Dollar leichter fuhr ich wieder auf den kleinen Campingplatz. Endlich -dachte ich - einfach mal in Ruhe lesen. Aus reiner Vorsicht checkte ich den Wetterbericht für den nächsten Tag, an dem ich eine große Bergwanderung geplant hatte: Regen, den ganzen Tag. Und zwar mit 100% Wahrscheinlichkeit nach meiner Wetter-App. Da es erst früher Nachmittag an einem schönen sonnigen Tag war, schälte ich mich also aus meiner bequemen Jogginghose und begann im strammen Wanderlook den Mount Somers zu erklimmen. Auf meiner gesamten dreistündigen Wanderung begegnete ich einem einzigen Wanderer, sonst wär ich ganz für mich. Es war eine tolle Wanderung und es sind wunderschöne Bilder entstanden:




Abends lernte ich dann in der Küche noch ein total süßes deutsches Pärchen kennen, mit denen ich noch bis spät in die Nacht ratschte. Die beiden sind schon seit vier Monaten unterwegs, haben schon die gesamte Nordinsel und den Großteil der Südinsel gesehen und schon so Einiges erlebt. Sie hatten also viel zu erzählen, zB dass ihr Auto bei langen steilen bergauf-Fahrten anfängt zu qualmen. Deshalb soll man bei alten Autos die Heizung auf Maximum stellen, wenn man bergauf fährt. Das hat ihnen dann ein Mechaniker erklärt. Scheinbar heizt der Motor stark an bei solchen "Anstrengungen" und muss die Hitze irgendwie los werden, zB über die Heizung :-) Mann muss schon so Einiges beachten bei solchen Backpacker-schrottkarren. Mein Auto schließt neuerdings hinten nicht mehr richtig. Es regnet zwar nicht rein, beim Fahren merkt man aber, dass die Geräusche auf der Seite lauter sind... Und das entsprechende Zeichen leuchtet beim Fahren fett auf. Aber sonst passt alles. 

Dafür ist das Bett in meinem Auto so gemütlich! Das hätte ich gar nicht gedacht! Man muss sich zwar beim hinlegen und umziehen etwas verrenken (hält jung und fit solang man sich nicht die Hüfte auskugelt wie ich beinahe...) aber sobald man liegt ist es eine echte Wohltat für den Körper! 

Hier ein Einblick: 


Bis bald 

Abschied von Familie Richards 

Dienstag, 25.10.2016
Heute bin ich wie geplant abgereist. Einerseits bin ich froh, denn jetzt kann ich ganz alleine bestimmen was ich mache, andererseits ist es schade, denn jetzt kann ich mich nicht mehr an einem vollgestoften Kühlschrank bedienen. Nein, das ist nicht das Einzige. Die Familie ist nett, aber hat auch ihre Eigenheiten. Insgesamt betrachte ich es als gute Erfahrung und werde bei meinen nächsten Familien darauf achten: festgelegte Stundenanzahl und Arbeit mit Tieren (hier habe ich nur mit Pflanzen gearbeitet, dabei besitzt die Familie eine Schaf- und Rinderfarm, deshalb war ich etwas enttäuscht...). 

Hier habe ich noch ein Paar Eigenheiten aufgelistet: 

- um Geld zu sparen, wird wenn möglich nur der mit Holz beheizte Herd verwendet, der braucht aber ewig um Wasser zum Kochen zu bringen

- das Wasser für das ganze Haus  wird aus einem Bach abgeleitet, deshalb befindet sich manchmal bisschen Erde im Tee oder im Wasserglas

- der Müll wird auf dem Gelände in einer Grube gesammelt und danach verbrannt 

- die Eltern stoßen Kriegsruf- ähnliche Laute aus, um Emma dazu zu bewegen, sich zu beeilen um den Schulbus zu erwischen/ zum Essen zu kommen/ endlich schlafen zu gehen

- Neuseeland ist das tollste Land, in jeder Hinsicht: Natur, Tiere,  Schule, Politik, Wesen der Menschen 
Aber eine wird mir besonders fehlen:

 

Und Emma, mit der ich gerade in den letzten Tagen noch viel Zeit verbracht habe. 

Liebe Grüße 

Tontaubenschießen

Sonntag, 23.10.2016
Gestern bekam die Familie Richards Besuch von einem befreundeten Pärchen. Meiner Meinung nach sind beide, aber ganz besonders ER ziemlich versnobt, aber die "Alten" verstehen sich prächtig und das ist die Hauptsache. Das bedeutet für mich, dass ich von einer Palmblättersammlerin zur Emma-Animateurin und Küchenhilfe aufgestiegen bin, was nicht unbedingt weniger anstrengend ist. Da unsere Gäste so exquisit sind, gingen wir gestern zum Lunch in eine Golfanlage. Leider muss ich zugeben, dass die Aussicht traumhaft war:



Ich gönnte mir einen Chickenpie mit Pommes, die vornehmen Gäste einen Caesar-Salat. Nachdem für unser leibliches Wohl gesorgt war, ging es zum Tontaubenschießen. Natürlich schossen nur die Männer, die Frauen durften die geschmeidigen Schießkünste der männlichen Prachtexemplare bewundern und gegebenenfalls klatschen. 


Ihr könnt euch vorstellen, dass ich bald nach anderen Aktivitäten Ausschau hielt und da kam der Hund Ted des Schießtrainers wie gerufen. Er ist ein total aufgedrehtes Kerlchen und war heilfroh endlich jemanden gefunden zu haben, der ihm Stöckchen schmeißt. 

Dann fuhren wir heim und meine Aufgabe war es, Emma zu unterhalten, damit die Erwachsenen in Ruhe Wein und Käse kosten konnten (die Gäste sind Klischee-konform Weinkenner. Also tranken wir einen 20 Jahre alten Wein aus Neuseeland und einen aus Australien). Ich verbrachte den restlichen Tag auf dem Riesentrampolin mit Emma oder flocht ihr Zöpfe:



Abends wurde dann groß aufgetischt: Lammkeule mit Gemüse, gegessen wurde aber auf der Couch, weil man dort am bequemsten Rugby schauen kann. Da die neuseeländische Mannschaft gegen die australische gewann und das Spiel scheinbar wichtig war, war der Abend gerettet. 

...

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen

Pets day 

Samstag, 22.10.2016
Jetzt ist es offiziell, die Leute hier aus Windwhistle sind total durchgeknallt! Denn:

Es ist ein ganz besonderer Tag für die kleine Dorfschule mit allen 34 Schülern. Ganz Windwhistle ist auf den Beinen: Eltern, Geschwister, Großeltern der Kinder. Der eigentliche Gedanke ist "pets day", das heißt jedes Kind hat ein Tier dabei: Katzen (arme Holly), Hunde, Frösche, Lämmer... Ja, richtig gehört, Lämmer. Und diese mussten nicht einfach nur anwesend sein, sondern einen Wettkampf veranstalten: wer trinkt seine Flasche Milch am schnellsten. Ich will nicht wissen, wie lange die armen Lämmchen dursten mussten, um besonders scharf darauf zu sein und sie besonders schnell zu trinken. Trotzdem war es ein goldiger Anblick: 


Außerdem wurden Wettläufe mit rohen Eiern auf Löffeln veranstaltet: 


Eine Jury entschied, welches Kind die schönsten muffins/pancakes/gemüsetiere gebacken/gebastelt hatte: 


Außerdem gab es Plätze zu vergeben für die schönsten selbstgemachter Blumen-Arrangements:


Und damit den Vätern nicht langweilig wurde, durften sie an einem Gummistiefel-Weitwurf teilnehmen.: 


Dabei lachte Cheryl ihren Mann lauthals aus und machte sich über ihn lustig, weil er nicht unbedingt ein begnadeter Weitwerfer ist. 

Auch ich durfte nicht die Ruhe genießen, sondern wurde wie ein bunter Hund allen Müttern als "Deutsche" vorgestellt und alle machten große Augen und fragten, ob es sowas wie den pets day auch in Deutschland gebe. Als ich "definitely not" antwortete, freuten sie sich des Lebens und fühlten sich geehrt, so einzigartig und verrückt zu sein. Was ich auch noch lustig fand: eine Mutter reagierte witzig auf meine Herkunft: "Ah, German! So you must be really hard working". Naja, dachte ich mir da bloß, immerhin bin ich immer noch 50% Italienisch, und die haben selbst hier einen faulen Ruf ;-) 
Da habe ich also wieder einmal eine gute Ausrede gefunden 

Ciaociao ragazzi 

Ein zwei Schritte weiter 

Freitag, 21.10.2016

Hallo meine Lieben, 

Ich konnte gestern leider nicht schreiben - ich hätte es wirklich gern getan weil ich gefallen daran finde - aber ich habe das WLAN der Familie ausgelaugt. Und zwar das WLAN des ganzen Monats allein in 4 Tagen, ich glaube ich hab somit einen Rekord gebrochen und einen Preis verdient! Deshalb sitze ich jetzt immer in meinem Auto 500 m von der Farm entfernt im Auto, um Kontakt zu Leuten aufzunehmen. So wie ich es jetzt tue :-) heute bin ich guter Dinge, weil ich organisatorisch ein paar Schritte voran gekommen bin und das will schon was heißen. Ich habe mit Unterstützung von meiner lieben Mama das Problem mit meiner Kreditkarte gelöst. Nachdem ich diese Reise, meine Bank und die ganze Welt verflucht habe, war die Lösung des Problems reicht simpel: ich hatte mein Kreditkarten-Limit erreicht. Und deshalb hätte ich einfach nur Geld von meinem Girokonto auf die Kreditkarte umbuchen müssen, was mir aber im Leben niemand erzählt hat, ich dachte das geht automatisch. 30 min Telefonat mit einer deutschen Bank später (das war wahrscheinlich teuer für die dkb, aber das haben sie davon, wenn sie mich nicht richtig aufklären) war alles geklärt und ich sehr erleichtert. So lang hielt diese Glückssträhne jedoch auch wieder nicht an: ich hatte mein Passwort für die TAN-App vergessen und deshalb meine Fehlversuche voll ausgenutzt - kurzum: der Account war gesperrt und ich sollte nochmal anrufen. Da ich nicht wusste ob ich lachen oder weinen sollte, entschied ich mich für schlafen. Also ging das Theater mit dem Rumtelefonieren am nächsten Abend von neuem los: meine Mama ruft bei der Bank an, erklärt das Problem, gibt meine Nummer durch, die rufen mich an. So ein Chaos. Das alles läuft über das Festnetz-Telefon der Familie, weil ich auf der Farm kein Netz habe, was mir wegen der WLAN-Panne etwas unangenehm war. Dennoch, jetzt ist alles geklärt.  

Deshalb entschied ich mich heute, erneut in das Kaff zu fahren um einen zweiten Versuch zu starten, einen bankaccount zu gründen. Nach langem hin und her hat das nicht funktioniert, mich wundert es schon gar nicht mehr. Es liegt daran, dass ich a) so kurz in nz bin b) keine feste Arbeit habe und c) meine deutsche Adresse nicht auf der Kreditkarte vermerkt ist 

Um mein Glück herauszufordern rufe ich bei einer Autoversicherung an, die mir empfohlen wurde und die sagen mir unerwarteterweise, dass man auch ohne neuseeländisches Konto eine Versicherung abschließen kann. Nach 20 min Telefonat, wo mir echt seltsame Fragen gestellt wurden (waren sie im Gefängnis? Haben sie einen Mann oder Freund?) kurve ich nun endlich versichert durch dieses komplizierte Land. 

Gott sei dank 

Und hier sieht man noch die gestrigen Resultate, präsentiert von Emma und mir: 

 

Jetzt muss ich endlich heim, Ben hat mich schon entdeckt wie ich hier zwischen den nassen Schafweiden im Auto sitze und ich glaube er ist der Meinung ich sollte mich noch ein bisschen in den Haushalt einbringen heute! 

Lg Alice ;-)

Schöner Tag mit Pannen 

Mittwoch, 19.10.2016

"Heute ist ein richtiges Gute-Laune-Wetter", dachte ich heute Morgen... Dabei ahnte ich natürlich nicht, dass er mir ein Paar Stunden Nerven kosten würde. 

Er begann mit den typischen Aufgaben, mit denen ich mittlerweile vertraut bin. Um mich nicht zu überanstrengen, nahm ich mir gelegentlich Pausen, in denen ich die atemberaubende Aussicht genoss:



Der Plan für den restlichen Tag sah folgendermaßen aus: in ein Dorf "in der Nähe" fahren, dort ein Paar Zutaten besorgen, Geld abheben, davon tanken gehen (was bitter nötig ist!), einen Bank-Account abschließen um die Autoversicherung zu bezahlen und auf dem Heimweg Emma vom Schulbus abholen (und zwar pünktlich da sein, da sonst der Bus weiter fährt), weil ihre Eltern etwas in der Stadt erledigen und erst abends nach Hause kommen. 

Also machte ich mich auf den Weg, - musste leider doch den Weg durch den Bach nehmen, aber das Auto und ich haben es überlebt- und fuhr in das nächste Kaff namens methven, was 30 km und eine Million Schafe entfernt liegt. Endlich dort angekommen, stand ich etwas unter Zeitdruck, da ich eine Stunde später wieder los musste. Also erst Mal zum Bankautomaten, um Geld abzuheben... Komisch, Vorgang abgebrochen. Dann zu einem zweiten Automaten einer anderen Bank... Nicht genug Geld auf dem Konto... Das kann nicht sein! Ich kontrollierte mein Guthaben und es war mehr als genug laut online Banking. Also doch in die Bank: zwei nette Angestellte starteten einen Versuch, das Geld am Schalter  abzuheben, vergebens. Sie verstanden das Problem auch nicht und rieten mir, die dkb telefonisch zu kontaktieren. Mein Handy hielt das für keine gute Idee, denn das Guthaben sei dafür viel zu gering. Kein Geld bedeutet kein voller Tank, wofür ich eigentlich dort hingefahren war. Also erledigte ich meine Einkäufe mit Bens Geld (Zutaten für muffins) und tankte für 25 Dollar, alles Cash, was ich besaß. Und das macht ungefähr ein Viertel des Tanks aus... Zusammengefasst war dieser Trip ein kompletter Reinfall, denn ich hab das letzte bisschen Benzin verbraucht, kein Geld abgehoben und dann aus Zeitmangel keinen bankaccount gegründet. Und dabei wollte ich letzteres bald hinter mich bringen, da ich mich ohne Autoversicherung unsicher auf den Straßen fühle. Toll. Auf dem Heimweg bekam ich dann noch einen Moralischen und verfluchte, dass hier aber auch gar nichts auf Anhieb funktioniert. Auf dem Heimweg würde ich dann noch von einer Herde Schafe aufgehalten: 


Gott sei dank habe ich den Schulbus trotzdem noch erwischt. Um das Eis zwischen Emma und mir zu brechen, habe ich pancakes als Mittagessen gemacht... Und auch bei Emma  gilt: Liebe geht durch den Magen :-) danach haben  wir noch muffins für die Schule gebacken, waren Trampolin springen draußen im Garten und haben abends Pasta  gegessen: 


Ich war so dankbar, endlich wieder einen schönen Teller Nudeln mit selbstgemachter Soße zu essen! Herrlich! 

Und nach diesen schönen Erlebnissen erscheinen mir die heutigen Pannen ziemlich unspektakulär, wenn auch etwas ärgerlich. 


Ach ja, mit der verpennten Holly habe ich mich auch schon angefreundet :-)

Komm doch, du kleines Lamm!

Dienstag, 18.10.2016
Heute begann der Tag mit einer aufgedrehten Emma, die ganze 5 Dollar von der Zahnfee bekommen hat! Noch im Bett liegend, wurde mir der Muskelkater in meinem Rücken bewusst und ich wünschte mir einfach noch ein bisschen liegen bleiben zu können... Aber nein, nach dem Frühstück haben Ben und ich Emma zum Schulbus gebracht, wo sie als erstes Kind zustieg und deshalb ziemlich verloren aussah. Ich vermute wir sind schon eine sehr entfernte Farm, selbst für neuseeländische Verhältnisse. Danach trieben wir Lämmer ein, die irgendwie aus ihrem Gehege ausgebüchst waren und dann einsam auf der sogenannten Straße standen. Da besteht jedoch keinerlei Gefahr, weil Ben wahrscheinlich der einzige ist, der dort durch die Gegend kurvt. Die Lämmer stellten sich etwas quer, indem sie immer weiter weg liefen, immer am Zaun entlang, parallel lief ihre Mama mit. Deshalb musste ich recht weit laufen, bis ich sie endlich eingeholt hatte und sie in die andere Richtung treiben  konnte. Ich sah wahrscheinlich ziemlich lustig aus, wie ich klatschend und schreiend auf die armen Tiere zurannte, aber immerhin hat es funktioniert. Die süßen Kleinen wurden schon sehnsüchtig erwartet von Mama und Geschwisterchen. Auf dem Heimweg fuhren wir mit Bens Truck über Hügel, Löcher und durch ganze Bäche und ich hoffe inständig, dass mein alter Nissan nicht eines Tages herhalten muss...

Danach musste ich die gesamte Einfahrt und das Gelände daneben von Palmblättern und Ästen befreien, was ewig gedauert hat, neu einzupflanzende Gewächse gießen, Rindenmulch auf einem Narzissenbeet verteilen, Pinienzapfen einsammeln... Und die ganze Zeit wird man von sogenannten sandflies angegriffen. Diese sehen eigentlich ziemlich harmlos aus, wie kleine Fliegen, aber sie stechen wie Mücken und sitzen schon mal zu zehnt auf einem Arm! Und das Nervigste: man spürt auch noch ganz genau, wenn sich eines dieser Mistviecher über dein Blut hermacht, denn es juckt sofort wenn sie noch sitzen. Ben meint, ich habe die unglücklichste Zeit für sandflies erwischt, na super! 

Hier ein Bild meines armen Armes, und sogar eine nervige sandfly hockt dekorativ auf meinem Bein: 


Jetzt habe ich rote Backen von der ganzen Frischluft, sauberen Muskelkater  in Rücken und Po, zerstochene Arme und Bedürfnis nach Tiefschlaf. 

Gute Nacht!

Erster Tag harter Arbeit 

Montag, 17.10.2016
So, das Auto-Chaos hat vorerst ein Ende: nachdem ich Sonntag Morgen wie eine Irre das Internet nach Backpacker-Autos durchforstet habe und mindestens 3 Autobesitzer hibbelig gemacht habe, besitze ich jetzt ein Auto: zwar bisschen mit Handicap: die hinteren beiden Fenster öffnen nicht, die hinteren Türgriffe sind kaputt und Rost ist mit Klebeband kaschiert. Aber irgendwie hatte ich einen gutes Gefühl bei der Testfahrt, ich hab mich echt wohlgefühlt! Und es hat ein Doppelbett eingebaut, ist mit allen möglichen Campingsachen ausgerüstet und man hat unterm Bett viel Platz für Rucksack und Co: 


Und es war sehr unkompliziert, die Besitzerin (auch Französin, hoffentlich kein schlechtes Omen) konnte es schon sofort entbehren und so habe ich heute morgen mein eigenes Auto gekauft. Ummelden ist hier recht unkompliziert, das macht man nämlich auf der Post  :-)  

Kaum hatte ich das Geld überwiesen, schon saß ich da im Auto und musste ohne navi eine Farm finden, die Ca 1 h vom Zentrum entfernt am Ende der Welt liegt. Doch noch schlimmer war es, aus dem Innenstadt-Chaos mit sechsspurigen (!) Straßen zu fliehen, gerade, wenn man noch kein Gefühl für Seitenabstände hat... Anschließend hat mich der heftige Wind beinahe von der Straße gefegt, va in Kombination mit entgegenkommenden Lastwagen. Ein Paar mal hörte ich mich nur noch schreien und dachte, es könnte schlechtere Orte als eine Weide voller kuscheliger Schafe geben, um das Zeitliche zu segnen. Doch meine Gebete wurden erhört und ich kam langsam auf kleinere Straßen aus Schutter mit großen schlaglöchern und anderen Hürden. Schweißgebadet lernte ich meine vorübergehende Familie kennen. Der Hausherr, Ben, ist ein sehr sympathischer und interessierter Mann, der schon die ganze Welt gesehen hat und sich wahnsinnig für jegliche Kristalle, Bäume und Sträucher und Schafe und Rinder interessiert (auch für die Zubereitung ihres Fleisches). Außerdem hat er schon zwei erwachsene Söhne. Cheryl, etwas jünger als ihr Mann, hilft auf dem Hof mit und war heute den ganzen Nachmittag auf einem Rasenmäher unterwegs. Die beiden haben eine gemeinsame kleine Tochter Emma, die heute beim Abendessen ihren 10. Zahn verloren hat und sehnsüchtig die Zahnfee erwartet. Die Familie besitzt eine Schaf-und Rinderfarm, vermieten Zimmer und Hütten an Gäste und machen Führungen durch den Busch, den sie pflegen, gestalten und ständig verändern.


 Da wären wir auch schon bei meinen heutigen Aufgaben: Rindenmulch auf den Wegen und zwischen besonderen Pflanzen verteilen, Palmenblätter einsammeln und die neue Hütte, die gerade im Bau ist bestaunen. Diese ist aber wirklich ausgesprochen schön, sehr modern mit viel Glas und einem wunderbaren Ausblick ins Grüne. Außerdem wird ein Outdoor-Grill aus Kristallen gebaut und es wird im Garten sehr viel mit Steinarrangements gearbeitet. 

Jetzt bin ich totmüde von den Aufregungen und Anstrengungen des Tages und sage: 

Gute Nacht 

Ausflug zum Meer 

Montag, 17.10.2016

In meinen 5 Tagen  im Hostel habe ich mich mit 4 netten jungen Ex-Abiturienten angefreundet, die hier unabhängig voneinander ihr gapyear verbringen und gerade im Hostel jobben, um dort kostenlos übernachten zu können: Brit, Paul, Dirk und Jan. Es ist eine bunt gemischte und sehr entspannte Truppe. Sie kochen abends gemeinsam oder wenigstens parallel, spielen Karten und chillen ihr Leben. Am Samstag beschlossen wir nach ihren Schichten ans Meer zu fahren. Die Autofahrt war etwas abenteuerlich, denn Dirks Auto "Augustus" ist schon sehr alt und zerbrechlich (nett ausgedrückt) und es macht beunruhigende Geräusche beim Fahren. Außerdem haben wir alle Leute mit lauter Musik genervt, besonders auffällig  war ein deutscher rap von Sido. Da Dirk seinen Führerschein nicht da hatte, wurde er etwas paranoid und sah in jedem zweiten Auto ein ziviles Polizeiauto. Als wir dann (Gott sei Dank) irgendwann in sumner beach angekommen waren, erfrischten sich die Männer der Schöpfung in Ca 10 Grad warmen Wasser. Ich saß in Fließjacke am Strand und ich bin kein Weichei. So oder so war es ein sehr schöner Ausflug und wir hatten einen gigantischen Blick: 


Und was ich auch süß finde: da wachsen lauter Blumen am Meer: 


Salzige Grüße 
Alice

Ein Tag Idylle im Auto-Chaos 

Sonntag, 16.10.2016
Guten Morgen meine eifrigen Leser, 

das mit dem Ford hat leider doch nicht geklappt. Der Franzose hat weder auf meine letzten Nachrichten noch auf Anrufe reagiert und das Auto steht nicht mehr auf dem Parkplatz. Dies ist in 2 Hinsichten ärgerlich: erstens hätte er wenigstens Bescheid sagen können, zweitens hab ich mich jetzt nicht groß nach Alternativen umgesehen. 

Aber Gott sei dank habe ich nach eifriger Suche heute Morgen schon Alternativen im Visier :-) 

Da ich gestern früh von einer abreisenden Gruppe in meinem Zimmer geweckt wurde, ging mein Tag zeitig an. Bei dem schönen Wetter beschloss ich, einen zweiten Spaziergang durch den botanischen Garten zu machen: 


Wie ihr sehen könnt ist es wunderschön und man könnte hier Stunden verbringen. 

Danach spazierte ich zu einem Bauernmarkt in der Nähe meines Hostels, in Riccarton. Ich hatte zuvor in meinem Reiseführer davon gelesen und wollte unbedingt dort hin. Der Markt findet nur samstags statt und heißt "christchurch's farmer's market". Darunter hatte ich mir einen reinen Obst- und Gemüse-Markt vorgestellt und war überrascht, dass man dort Essen aus der ganzen Welt kaufen konnte: Croissants, Brot, Bratwurst, pies, sushi, Bagels, cevapcici, Schokolade, Gewürze, muffins, Kuchen... 




Aber Gott sei dank gab es auch einige wenige Stände mit Gemüse, Obst, Eiern und Fleischwaren und so wurden meine Erwartungen erfüllt und gleichzeitig übertroffen :-) 
Eine unglaublich lange Schlange gab es vor einem kleinen Stand, was ein umfunktioniertes Auto war und wo man verschiedene Burger mit Spiegeleiern, Speck, Steak und free hugs (Umarmungen) kaufen kann :)


Außerdem - und das freute mich am meisten - gab es einen deutschen Bäcker-Stand: 


Hier spricht zwar niemand Deutsch und Brezen nennen Sie "pretzels" (also wenig authentisch), aber gut geschmeckt hat es erstaunlicherweise trotzdem:

 

Was besonders schön war: der Markt ist nicht nur voll mit süßen kleinen Ständen mit freundlichen Verkäuferinnen und Verkäufern, sondern auch Treffpunkt für Jung und Alt, die es sich mit vollgeschlagenen Mägen auf der Wiese nebenan bequem machen und ratschen. 

Nächster Eintrag in Kürze ;-) 

Willkommen im Gefängnis 

Freitag, 14.10.2016
Der Titel rührt nicht gerade daher, dass ich mich hier gefangen fühle, sondern vom Namen meines Hotels: jailhouse.

Und übrigens: ich schreibe erst jetzt über das Hostel weil ich mich erst heute so wirklich akklimatisiert habe. Der Jetlag war gar kein Problem, es war eher, dass ich mich hier etwas verloren gefühlt habe und außerdem wegen meiner komplizierten Auto-Geschichte. Aber heute geht's mir rundum gut, ich habe mich mit einigen Leuten hier angefreundet und viel gequatscht. 

Also, das Hostel ist ein ehemaliges Gefängnis, was die komischen kleinen und hoch angebrachten Fenster, die klein geschnittenen Zimmer und insgesamt den Bau des Hauses erklärt. 


Außerdem gibt es noch ein paar Relikte des ursprünglichen Zwecks der Einrichtung: 


Die Leute sind größtenteils sehr nett und offen. Es gibt ausgesprochen viele Asiaten hier, aber mindestens genausoviele Deutsche und sogar 2 Italiener habe ich schon kennengelernt, was mich total gewundert hat, weil ich von den Italienern ausgehe, die ich kenne und von diesen wirklich niemand so weit weggehen würde (ignorier bitte mein politisch inkorrektes Schubladendenken).

Um satt zu werden besuche ich den kleinen Tante-Emma-Laden um die Ecke. Tip: niemals Tomatensauce kaufen, die schmeckt nach Ketchup, voll ekelig. Außerdem kennen die hier kein Brot, dafür muss Toast herhalten... Außerdem ist der Kühlschrank nichts für Hygiene-Freaks: 


Dafür ist die Küche ganz süß: 


Sooo, genug für heute,

Glg 

Autokauf

Freitag, 14.10.2016
Da mir jeder erzählt hat, es sei sooo einfach, hier ein Auto zu kaufen, war ich auf dieses Problem nicht vorbereitet. Ein Auto im Internet oder am schwarzen Brett im Hostel zu finden ist in der Tat easy, aber dann:

1. ist es für mich passend? (Wenige Sitze, eingebautes Bett, nicht allzu wuchtig)

2. wie ist der Preis, wie alt ist es? Wie viele Kilometer hat es auf dem Buckel? 

3. hat es einen gültigen  wof (TÜV) und wann läuft er ab (In nz muss der alle 6 Monate gemacht werden)? wie lange geht die Registrierung noch?

4. wann kann ich die Probefahrt machen, gibt es einen netten Menschen im Hostel, der sich etwas mehr mit Autos auskennt als ich und der mit geht? Wie läuft die Probefahrt? 

5. hat das Auto offene Rechnungen, die auf mich als neuen Besitzer übergehen? 
So liebe Leute, seeehr einfach, wirklich! 

Bei mir schaut das ganze jetzt so aus: bei meiner Ankunft stand auf dem Parkplatz ein interessantes Auto zum Verkauf: 


Dieser liebliche Ford ist ein Jahr jünger als ich, hat 272 000 km auf dem Buckel, wurde kürzlich repariert und hat jetzt ganz frisch seinen wof. 


Klingt gut, eigentlich. Dann fängt der komplizierte Teil an: ist er auch wirklich gut oder sollte man lieber für knapp 200 Dollar einen mechanical Check machen lassen, was mir meine Eltern und das Internet raten. Wenn man mal bisschen rumfragt, hat noch nie jemand davon gehört und selbst alle Werkstätten und der aa (neuseeländischer adac) wimmeln einen ab. Mittlerweile war ich bei ca 3 Werkstätten, habe 10 Telefonate geführt und mich einige Male gefragt, warum zum Teufel ich ein Auto kaufen möchte.  

Außerdem möchte ich vermeiden, Schulden begleichen zu müssen und will das deshalb online abchecken. Für den Schmarrn blättert man dann 20 Dollar hin. Doch darauf hätte ich mich sogar herabgelassen, aber jetzt braucht man für die Bezahlung noch eine Mitgliedschaft bei visa verified, was 1-2 Werktage dauert. Abreisen tue ich am Montag, dh die Zeit wird auch noch langsam knapp. 

Eine gute Sache: die Probefahrt lief gut: der Verkäufer ist ein hübscher Franzose, der nach 2 Jahren chillen in Neuseeland langsam seine Reise weiterführen möchte und nach Südamerika geht. Begleiter bei der Probefahrt war Dirk, ein freundlicher Mitbewohner im Hostel, der auch dort arbeitet. Wie im Übrigen fast alle Menschen, die hier länger als 1 Nacht bleiben. Die Probefahrt war dahingehend erfolgreich, da ich keinen Unfall hatte und auch keine unbeabsichtigte Vollbremsung an den Tag gelegt habe. Dabei hatte ich 2 Handicaps: Linksverkehr - ich hab ständig den Scheibenwischer anstatt den Blinker betätigt zur Belustigung der beiden männlichen Insassen, denn sogar das ist vertauscht! 2. Handicap: das Auto ist Automatik, was ich noch nie ausprobiert habe. Doch das lief unerwartet problemfrei. 

Mittlerweile bin ich gewillt, das Risiko einzugehen und das Auto einfach so zu nehmen ohn zusätzliche Tests und Scherereien. Hier kapiert eh niemand, warum ich bei dem Thema Auto so kompliziert bin und alle raten mir: "just trust him!". Daran werde ich mich erinnern, wenn ich mitten im nirgendwo sitze und mein Auto mich im Stich lässt. Aber wie sagt man so schön: no risk, no fun. Außerdem kenne ich dieses Gefühl ja eh schon von meinem Auto, was in Deutschland auf mich wartet und bei über 25 Grad nicht mehr anspringt. Viel schlimmer sollte es also nicht mehr werden können ;-)

Jetzt bin ich schon gespannt, wie es weiter geht und werde euch berichten.
Aber merkt euch eins: es ist NICHT easy, hier ein Auto zu kaufen, außer vielleicht, wenn man kein Misstrauen kennt, was total un-alessisch ist ;-)

Erster Tag

Donnerstag, 13.10.2016
Nach meiner langen Anreise bin ich gestern gegen 9 halb tot ins Bett gefallen und fühle mich heute fit wie ein Turnschuh. Deshalb hab ich mir gleich ein Fahrrad geliehen und die Stadt erkundet: ich war in den schönen botanischen Gärten, wo jetzt alles blüht und überall Enten-Küken unterwegs sind.


Danach bin ich in die Innenstadt, wo sich kleine Geschäfte in vielen  bunten Containern befinden. Nach dem letzten großen Erdbeben in christchurch hat man in diesem Gebiet keine Häuser sondern nur noch Container aufgebaut. Außerdem erinnern zerstörte Kirchen und andere Gebäude an dieses Erdbeben. 


Jetzt bin ich wieder in meinem gemütlichen Hostel, was früher ein Gefängnis war und jetzt liebevoll eingerichtet ist und warte auf mein Treffen mit einem Neuseeländer, der einen interessanten Ford verkauft. Mal sehen wie die Probefahrt läuft. 
Sonnige Grüße 

In den Lüften

Mittwoch, 12.10.2016
Hallo meine Lieben, 

Der zweite Flug ist geschafft, ich sitze in Sidney und habe endlich funktionierendes WLAN gefunden :-) die beiden Flüge kamen mir kurz vor, insgesamt habe ich mir bis jetzt 5 Filme angeschaut 

Am Flughafen in Dubai kommt man sich wie in einem Science-Fiction-Film vor, alles so hochmodern und luxuriös. 


In einer guten Stunde geht mein dritter und letzter Flug nach christchurch und ich freue mich endlich anzukommen. 

Bis bald

Jeder Abschied ist schwer...

Sonntag, 09.10.2016
Jetzt ist es fast soweit: der Abend vor der Abreise. Die letzte Zeit habe ich damit verbracht, meine Engsten zu sehen und mich von ihnen zu verabschieden, was mich mittlerweile runterzieht. 

Und trotzdem habe ich überhaupt noch nicht begriffen, dass ich morgen um diese Zeit im Flugzeug sitze. 


Sogar mein Hund Pauli ist schon ganz melancholisch und deshalb reicht es mir jetzt mit den Abschieden und will einfach weg. 

Liebe Grüße 

Meine sieben Sachen 

Sonntag, 04.09.2016

Hallo meine Lieben, 

Ich lade euch herzlich ein, mich von daheim aus auf meiner Reise nach Neuseeland zu begleiten!

Endlich sind alle Prüfungen geschafft und ich kann mich auf mein Abenteuer, das in rund 5 Wochen beginnt, konzentrieren =)

Einige Hürden sind schon geschafft: Flüge, Versicherungen, Visum, Kreditkarte, internationaler Führerschein... Und - ganz wichtig- ich habe die letzten Skeptiker davon überzeugt, dass ich wieder  heil zurückkommen werde ;-)

Diese Woche kam es zum schönsten Teil der Vorbereitungen: Shoppen! Dabei hatte ich tatkräftige Unterstützung von meiner Freundin Mel, die sich in Sachen Camping super auskennt, weil sie selbst kürzlich durch Irland gereist ist. Wir waren so erfolgreich, dass wir mit 2 riesigen Tüten den Globetrotter verlassen haben: 


Danach war erst mal eine kleine Pause beim Chinesen notwendig. Nochmal vielen Dank meine Liebe Mel <3

Bis bald 

Alice